Neues Traumpaar in der Großdiagnostik

29. Juni 2007
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Sie fehlte gerade noch: Die Kombination aus MRT und PET. Jetzt wurde in den USA erstmals ein Prototyp vorgestellt, der beide Modalitäten in einer einzigen Röhre vereint. Vor allem die Neurologen sind entzückt. Die Krankenkassen weniger, denn die neue Fix-Kombi dürfte auch bei den Kosten neue Standards setzen.

Wer automatische Fließbänder, Montageroboter und andere Wunder des modernen Maschinenbaus erwartet, wird in den Fabrikhallen des Siemens-Konzerns nördlich von Chicago enttäuscht: In der Herstellung medizinischer Großgeräte wie CT, PET oder SPECT dominiert die Handarbeit, bei Siemens wie bei allen anderen Herstellern derartiger Produkte.

Medizinische Bildgebung: Der Trend geht zur Zweitmodalität

Was Siemens-Techniker in Chicago zusammenschrauben, sind vor allem SPECT-Geräte und PET-Scanner. Sie werden mittlerweile überwiegend als halbe Röhren produziert. Beim Kunden werden sie dann passgenau an einen Computertomographen anmontiert, der aus Deutschland angekarrt wird. Am Ende steht das PET/CT oder das SPECT/CT, Apparaturen, die die Vorteile der funktionellen nuklearmedizinischen Diagnostik mit der überlegenen anatomischen Darstellung der Computertomographie verbinden. “Mit der Einführung der PET/CT ist der Markt für eigenständige PET-Geräte praktisch zusammengebrochen”, sagt Wilfried Löffler, Vice-President der Molecular Imaging Group von Siemens Medical Solutions. So gut wie gar kein PET-Scanner wird heute mehr ohne CT ausgeliefert. Bei SPECT-Geräten ist es noch etwas anders: Rund ein Fünftel der ausgelieferten Geräte sind Kombinationen mit CT-Röhren. Der Grund für diesen Unterschied: SPECT-Geräte sind wesentlich günstiger als PET-Scanner. Der Preisunterschied zwischen SPECT und SPECT/CT ist entsprechend deutlich größer als der zwischen PET und PET/CT. Trotzdem: Die Kombinationsgeräte sind klar im Kommen.

PET in der Höhle des Magnetlöwen

Nur an einer Front war bisher nichts zu vernehmen: Die Kombination aus Magnetresonanztomographie (MRT) und PET gab es bisher nur auf den Wunschlisten passionierter Diagnostiker, aber nicht in der Wirklichkeit. “Herkömmliche PET-Systeme funktionieren in den Magnetfeldern der MR-Geräte einfach nicht”, so Löffler – ein schwer aus dem Weg zu räumendes Hindernis. Doch jetzt soll alles anders werden: Von einem “Wendepunkt in der Diagnostik und Therapie für Millionen von Patienten” spricht Siemens im Zusammenhang mit der Vorstellung des weltweit ersten Prototypen eines PET/MRT. Entwickelt wurde die Wundermaschine unter tatkräftiger Mithilfe von Ärzten der Universitäten Tennessee und Tübingen. Um die Probleme mit den Magnetfeldern zu umgehen, kommen bei der PET-Komponente des Systems neuartige Photodioden zum Einsatz, die bisher vor allem in der Laserphysik genutzt wurden. Und um gar nicht erst Zweifel daran aufkommen zu lassen, dass ein Hi-Tech-Gerät geplant ist, wurde das PET gleich für seinen ersten Kombi-Auftritt mit einem 3-Tesla-MRT verheiratet. Unmittelbar vor der Kommerzialisierung steht die Sache freilich noch nicht: “Einige Jahre wird es noch dauern bis zur Serienreife”, schätzt Löffler vorsichtig.

Des einen Freud, des anderen Leid…

Bis dahin soll die Maschine ausführlichen Tests unterzogen werden. Vor allem die Neurologen sind von den neuen Möglichkeiten entzückt. Sie konnten bisher mit PET-Scannern leichte kognitive Defizite von einer frühen Alzheimer-Demenz abgrenzen. Und sie konnten per MRT sehr präzise das Hirnvolumen bestimmen und daraus Hinweise auf eine sich entwickelnde Hirnatrophie ableiten. Mit der PET/MRT lassen sich diese Untersuchungen in einem Aufwasch erledigen, was die Alzheimer-Frühdiagnostik stark vereinfachen könnte. Auch in der Stammzellforschung könnte die PET/MRT für Furore sorgen: Weil sie anatomische und funktionelle Messungen in einer bisher nicht da gewesenen Auflösung ermöglicht, dürfte sich die Migration von therapeutisch eingesetzten oder auch körpereigenen Stammzellen praktisch in Echtzeit beobachten lassen – eine faszinierende Perspektive. Ob das alles wirklich dazu beiträgt, die Medizin langfristig günstiger zu machen, wie Siemens Medical-Chef Erich Reinhardt nicht müde wird zu betonen, das muss sich erst noch weisen. Im Moment kämpft das deutsche Gesundheitswesen in Sachen Diagnostik erst einmal mit der PET/CT, die bei Gerätekosten und Aufnahmepreisen neue Maßstäbe gesetzt hat. Mit viel Mühe und nach jahrelanger Hinhaltetaktik wurde erst kürzlich vor dem Gemeinsamen Bundesausschuss die Erstattung für einige wenige Indikationen erstritten. Doch der Kampf ist noch längst nicht ausgestanden. Die Krankenkassen werden also nicht undankbar sein, dass ein Gerät, das absehbar neue Kostenrekorde aufstellen wird, noch ein wenig auf sich warten lässt.

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