Nur ein Pieks?

10. Juli 2007
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Nadelstichverletzungen bei Medizinstudenten - die Blutentnahme gehört zu jeder Famulatur. Es kann auch dem geübten Studenten schnell passieren, dass man sich danach an der gebrauchten Nadel sticht. Welche Risiken birgt dies und wie sollte man sich verhalten, wenn es passiert ist?

Während der Famulatur hat man viele spannende Dinge im Kopf, aber es gibt ein Thema, über welches man nicht gerne nachdenkt – die Nadelstichverletzung. Sie kann vor allem bei der Blutentnahme vorkommen, beim anschließenden Aufräumen des Tabletts, bei der Assistenz im OP und bei sonstiger Stationsarbeit.
Man sollte den kleinen Stich nicht unterschätzen, denn die wichtigsten Erreger, die übertragen werden können, sind das Hepatitis B-Virus (HBV), das Hepatitis C-Virus (HCV) und das HI-Virus. Eine Serokonversion findet beim Hepatitis B-Virus (HBV) in 300, beim Hepatitis C-Virus in 30 und bei HIV in 3 von 1000 Fällen statt. Deswegen ist es im Falle einer Nadelstichverletzung wichtig, die nötigen Schritte zu tun.

Was unternehmen bei einer Nadelstichverletzung?
Zuerst solltest du den Blutfluss der Einstichstelle durch Druck auf das umliegende Gewebe fördern, z.B. durch eine Blutdruckmanschette. Danach muss die Stelle desinfiziert werden.
Anschließend solltest du den Patienten fragen, ob du ihm Blut abnehmen darfst, um es auf HBV, HCV und HIV untersuchen zu lassen. An dieser Stelle ist Achtung gefragt, da unbedingt die Einwilligung des Patienten vorliegen muss. Auch von dir muss eine Blutprobe vorliegen. Beide Proben sollten sofort ins Labor gebracht werden, denn von dem Laborergebnis hängt die weitere Handlungsweise ab.

Jetzt suchst du den zuständigen Betriebsarzt oder Durchgangsarzt auf. Nicht jedes Krankenhaus hat einen eigenen Betriebsarzt, sondern es können auch andere Ärzte wie Unfallchirurgen seine Aufgabe übernehmen. Es ist sehr wichtig, zu ihm zu gehen, denn dann kann man nach einer Nadelstichverletzung durch schnelle Handlungsweise Schlimmeres verhindern und im Falle einer Erkrankung durch die Nadelstichverletzung diese als Berufskrankheit anerkennen lassen. Außerdem bespricht der Betriebsarzt mit dir die Laborergebnisse, die wegweisend sind für das weitere Vorgehen.

Hepatitis B Infektion
Als Beispiel sei Hepatitis B herausgegriffen. Wenn du geimpft bist und du einen genügend hohen Antikörper-Titer hast, bist du selbst bei einem HBV-positiven Patienten geschützt. Deswegen ist die Hepatitis B-Impfung, die an den meisten Universitäten kostenlos für Medizinstudenten angeboten wird, für dich obligat! Solltest du nicht geimpft und der Patient positiv sein, so erfolgt eine aktiv-passive Impfung und du musst zu einer Nachuntersuchung nach 6, 12 und 26 Wochen gehen.

Hepatitis C Infektion
Gegen das Hepatitis C-Virus gibt es leider keine Schutzimpfung, weil das Virus seine Gestalt zu häufig ändert. Da Hepatitis C in 60 bis 85% der Fälle einen chronischen Verlauf nimmt, wird im Falle einer Übertragung eine medikamentöse Therapie mit Interferon-alpha (ein antivirales Pharmakon) eingeleitet, um die Chronifizierung zu verhindern.

HIV Infektion
Das besonders gefährliche HI-Virus wandelt seine äußere Hülle sehr oft, weswegen es auch keine Schutzimpfung gegen HIV gibt. Ist der Patient HIV-positiv, mit dessen Blut du über die Nadel Kontakt hattest, sollte möglichst früh, am besten innerhalb von zwei Stunden, eine Postexpositionsprophylaxe (PEP) begonnen werden. 72 Stunden nach der Verletzung ist sie nicht mehr wirksam! Die PEP besteht aus einer Kombination mehrerer Medikamente, zum Beispiel Reverse-Transkriptase- oder Protease-Inhibitoren, welche die Replikation des Virus hemmen.

Nachsorge ist wichtig Vorbeugung ist besser
In Anbetracht des Risikos, welches eine Nadelstichverletzung bergen kann, ist es leichtsinnig, nicht zum Durchgangsarzt zu gehen, da man auf diese Weise weitreichende Folgen vermeiden kann.

Jedoch gilt: Du solltest es gar nicht zu einem Stich kommen lassen. Dies heißt konkret, dass du dich durch einen erfahrenen Arzt einweisen lassen solltest, worauf du bei der Blutentnahme zu achten hast. Zum Beispiel ist das Recapping, das Wiederaufsetzen der Schutzkappe auf die gebrauchte Kanüle, eine risikoreiche Verhaltensweise, die du auf jeden Fall vermeiden musst. Stattdessen solltest du die Kanüle direkt in die Abwurfbox werfen, die auf jedem Blutentnahme-Tablett vorhanden ist. Am besten ist die Devise “Jeder entsorgt seine eigene Nadel”, welche aussagt, dass man die gebrauchten Instrumente selber entsorgt und nicht an Kollegen weiterreicht, die sich bei der Übergabe verletzen könnten. Für den weiteren Umgang mit spitzen Gegenständen muss man einfach nur aufmerksam sein und seinen Verstand einsetzen. Dann ist das Risiko einer Nadelstichverletzung sehr gering und man kann sich weiterhin auf die interessanten Seiten der Famulatur konzentrieren!

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