Gefahr in der Levante

10. Juli 2007
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Während Fernreisen in exotische Länder medizinisch meist sorgfältig vorbereitet sind, werden Gesundheitsrisiken in Mittelmeerländern leicht übersehen. Vor allem bei Patienten mit Vorerkrankungen ein riskantes Unterfangen.

23 Millionen Menschen verbringen jedes Jahr ihren Urlaub am Mittelmeer. Dort findet der regenverwöhnte Nordeuropäer reichlich Strand, Sonne und Raki. Weniger erpicht ist er in der Regel auf Hepatitis A oder Leishmaniase. Denn auch in Mittelmeerländern gibt es Souvenirs, die man nicht unbedingt nach Hause mitnehmen möchte.

Blutsauger mit Fieber im Gepäck

Neustes “Schmuckstück” im östlichen Mittelmeerraum ist das ursprünglich aus Zaire stammende Krim-Kongo hämorrhagische Fieber (CCHF). Mehr als 150 Erkrankungen mit 27 Todesfällen wurden in der Türkei allein in diesem Jahr bis Ende Juni registriert. Im gesamten vorigen Jahr waren es 438. Der zu den Bunyaviridae gehörende Erreger ist in der Türkei endemisch, mit sporadischen Fällen und Clustern ist im Frühjahr und Sommer landesweit zu rechnen. Schwerpunkte haben sich, nachdem die Krankheit erst seit 2002 in der Türkei bekannt ist, im zentralen Anatolien mit den Provinzen Corum und Yozgat gebildet. Die Übertragung erfolgt gewöhnlich durch Zecken, gelegentlich aber auch von Mensch zu Mensch, z.B. nosokomial.

Wer in diese Region reist, sollte in jedem Fall über die Gefahren aufgeklärt werden. Patienten sollten den Schutz vor Zeckenstichen beachten und den Kontakt mit Kranken meiden.

Stechrüssel mit Nebenwirkungen

Nicht nur Zecken, auch Mücken können dem Patienten gefährlich werden und Krankheiten wie Leishmaniase oder das West-Nile-Fieber übertragen. Leishmanien werden vor allem von Sandmücken auf den Menschen übertragen. Die Erkrankung kommt in unterschiedlichen Formen zum Ausbruch und ist rund um das Mittelmeer weit verbreitet. Bei der von Leishmania donovani verursachten viszeralen Leishmaniase (“Kala-Azar”) erkranken vor allem Leber und Milz. Unbehandelt kann die Erkrankung zu Myokardschäden und sogar zum Tod führen. Bei der häufigeren kutanen Leishmaniase bilden sich schmerzende Hautgeschwüre, die bleibende Narben hinterlassen. Auch hier ist eine entsprechende Patientenaufklärung vor Reiseantritt wichtig, um die Infektionsgefahr zu mindern.

Gelb statt braun

Die Austern waren lecker, der Wein köstlich. Doch nicht selten folgt schon kurz nach dem Urlaub das entsprechende Übel: Nämlich dann, wenn mit unsauberen Lebensmitteln oder Getränken Hepatitis A-Erreger in den Körper gelangen. Das Risiko, hieran zu erkranken, ist beispielsweise in Süditalien achtmal höher als in Deutschland, in der Türkei sogar fünfzigmal so hoch. Neben Hygieneempfehlungen wird bei Reisen nach Südeuropa deshalb eine Impfung empfohlen.

Getrübter Badespaß

Ein ganzjähriges Infektionsrisiko besteht in Ägypten und der Türkei zudem für die Bilharziose, eine Wurmerkrankung mit Befall der inneren Organe. Die Infektionsgebiete in der Türkei liegen hier jedoch nur in Südost-Anatolien an der syrischen Grenze, Touristikgebiete sind risikofrei. Die Infektion erfolgt über Larven, die in Süßwasser leben und durch die Haut eindringen können. Eine allergische Hautreaktion und Fieber sind oft die ersten Anzeichen einer Erkrankung, später kommt es zu blutigem Urin bzw. Stuhl oder Durchfall und es können Störungen der Leber oder Blasenfunktion auftreten. Reisende in diesen Regionen sollten Süßwasserkontakte meiden.

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