Polka-Fieber greift um sich

18. Juli 2007
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Das Dengue-Fieber, auch "Polka-Fieber" oder "Knochenbrecher-Fieber" genannt, ist weltweit auf dem Vormarsch. Die WHO befürchtet für dieses Jahr einen drastischen Anstieg der Fallzahlen. Zeit für eine Bestandsaufnahme.

Früh einsetzende Monsunregenfälle und ausgeprägte Hitzewellen haben 2007 ideale Vermehrungsbedingungen für den Hauptüberträger geschaffen, die Gelbfiebermücke Aedes aegypti. Nach Schätzungen der WHO sind 90% der Brutstätten vom Menschen verursacht. Ungeordnete Urbanisierung und Migration großer Bevölkerungsteile sind Faktoren, die sich durch noch so aufwendige Bekämpfungsprogramme nicht auffangen lassen.

Aktuell gibt es über 20 Reiseländer, in denen ein Dengue-Risiko besteht, darunter beliebte Fernreiseziele wie Thailand, Indonesien, Vietnam und Malaysia. Allein in Malaysia wurden in der ersten Jahreshälfte mehr als 20.000 Erkrankungen mit 56 Todesfällen registriert. Gegenüber dem Vorjahr entspricht dies einem Anstieg um fast zwei Drittel.

Steigende Gefahr

Weltweit erkranken jährlich zwischen 50 und 100 Millionen Menschen an Dengue-Fieber, vor 50 Jahren waren es etwa nur 2 bis 3 Millionen. Damit ist Dengue die häufigste Arbovirus-Infektion in tropischen und subtropischen Gebieten der Welt. Bei einem Reiserückkehrer mit Fieber ist – mit Ausnahme von Afrika südlich der Sahara, wo immer noch die Malaria dominiert – Dengue heute eine der wahrscheinlichsten Krankheitsursachen. In den sechs Jahren nach Einführung der Meldepflicht wurden in Deutschland zwischen 2001 und 2006 insgesamt 845 Erkrankungen registriert, Tendenz steigend. Bis Mitte Juni 2007 waren es bereits 93 Fälle, im gleichen Zeitraum des Vorjahres erst 75. Die meist genannten Infektionsgebiete waren Thailand, Indien, Brasilien, Philippinen, Sri Lanka, Indonesien, Mexiko, Nicaragua, Costa Rica und Venezuela, wobei die Inzidenzen stark von den zeitlich und räumlich begrenzten Ausbrüchen in den jeweiligen Ländern abhingen.

Hohes Fieber, Starke Schmerzen

Die Übertragung von Dengue- und verwandten Viren erfolgt durch tag- und nachtaktive Stechmücken. Die Inkubationszeit beträgt 2-7 Tage. Das Krankheitsbild ist grippeähnlich. Hohes Fieber, starke Kopf- und Gliederschmerzen sowie Druckschmerz hinter dem Auge sind die wichtigsten Symptome, die der Erkrankung den malerischen Namen "Knochenbrecher-Fieber" gegeben haben. Häufig kommt es zusätzlich zu einer flüchtigen Hautrötung. Die akuten Symptome klingen nach etwa einer Woche ab, die Rekonvaleszenz mit allgemeiner Abgeschlagenheit kann jedoch länger andauern. Insgesamt ist die Erst-Erkrankung gutartig und heilt in der Regel komplikationslos aus. Bei einer Zweitinfektion – vor allem mit einem anderen Serotyp – ist jedoch ein hämorrhagischer Verlauf mit Blutungsneigung oder Schocksymptomen möglich. Die Diagnose wird durch Antikörpernachweis ab dem 4. Krankheitstag gestellt.

Ein tetravalenter Lebendimpfstoff gegen das Dengue-Fieber befindet sich in Vorbereitung. Mit einer Markteinführung ist jedoch nicht vor 2010 zu rechnen. Deshalb bietet zur Zeit eine konsequente Expositionsprophylaxe gegen die Überträgermücken die einzige Schutzmöglichkeit. Ein effektiver Mückenschutz umfasst langärmelige, helle Kleidung, Repellents zum Einreiben freiliegender Hautflächen sowie nicht zuletzt das bewährte Moskitonetz. Im Rahmen einer reisemedizinischen Vorbereitung sollten Reisende in endemische Gebiete auf die Gefahr der Dengue-Infektion hingewiesen werden. Vor allem dann, wenn für das jeweilige Reiseland aktuelle Ausbrüche gemeldet werden.

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