Klinische Pharmakologie – die Pillendreher

24. Juli 2007
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Dieser etwas unüblichere Facharzt entspricht nicht zwingend dem Bild des typischen "Onkel Doktors" in der Klinik oder der Praxis. Trotzdem handelt es sich beim Facharzt für klinische Pharmakologie um einen durchaus interessanten Beruf, der vor allem den Neigungen der "doppeltqualifizierten" Studenten entspricht (Medizin/Biologie oder Medizin/Chemie).

Die klinische Pharmakologie ist ein humanmedizinisches Fachgebiet, das sich hauptsächlich mit Studien der Phase I beschäftigt. Dazu gehören Untersuchungen aus den Bereichen Humantoxikologie und Arzneimittelmetabolismus, sowie tierexperimentelle Untersuchungen von Arzneimitteln. Das Ziel der klinischen Pharmakologie innerhalb der Pharmaforschung ist dann eine möglichst genaue Beschreibung der Pharmakokinetik von Arzneien, um anschließend in die Versuchsphase II überzugehen, in welcher die Medikamente an gesunden Probanden erstmals klinisch geprüft werden.

Das Interview haben wir mit der Pharmazie- und Medizinstudentin Stephanie Kreuzmann geführt.
(SK = Stephanie Kreuzmann / MS = medizinstudent.de)

MS:, Hallo Steffi! Zuerst – wie bei unseren Interviews üblich – die Frage, warum Du Dich gerade für das Fachgebiet "klinische Pharmakologie" entscheiden wirst?
SK:
Ich habe bereits ein komplettes Pharmaziestudium in Marburg abgeschlossen. Dies war auch mein Traum nach dem Abitur. Irgendwann während ich aber so im Labor meine Arbeiten "gekocht" habe, überkam mich plötzlich der Gedanke, mein Wissen später noch direkter am Patienten "auszuleben" (lacht!). Die logische Konsequenz war dann das Zweitstudium Medizin. Zwischenzeitlich habe ich schon mit anderen Facharztrichtungen geliebäugelt, aber ich werde doch meinen ursprünglichen Entschluss umsetzen, meine beiden Spezialgebiete zu kombinieren.

MS: Und was ist in Deinen Augen – soweit jetzt schon abschätzbar – der allerspannendste Aspekt Deiner späteren Tätigkeit?
SK:
An der Entwicklung von neuen Arzneien mitzuwirken, diese auf Ihre Toxikologie und allgemeine Wirksamkeit hin zu überprüfen, ist eine unglaublich spannende Sache. Das Arbeiten im Labor (und nicht nur der tägliche Kontakt mit dem Patienten) ist eine sehr reizvolle Aussicht für mich. Zudem bietet dieser Bereich eine viel größere Bandbreite an Teamgeist und Kommunikation, als ich es in vielen anderen Bereichen in der Klinik erlebt habe – "leider" muss man sagen!

MS: Wie hast Du denn prinzipiell Deine bisherige Ausbildungszeit empfunden?
SK:
Nun gut…durch mein abgeschlossenes Pharmaziestudium war ich ja schon ein paar Jahre älter als die meisten meiner Medizin-"Leidensgenossen" an der Uni. Ich hatte durch die etlichen Jahre Studien- und Lebenserfahrung aber auch einen deutlichen Vorsprung während des Studiums. Jetzt nicht vielleicht so sehr wegen den Noten (die waren bei mir eher durchschnittlich), sondern weil ich mir nicht so schnell etwas habe vormachen oder mich ins Bockshorn jagen lassen. Man wird doch etwas entspannter im Alter – und das ist beim Medizinstudium nicht verkehrt.

MS: Hast Du ein paar Tipps, worauf man beim Studium oder bei der Wahl der Fachrichtung unbedingt achten sollte?
SK:
Das mit dem Studium habe ich ja bereits schon angedeutet. Oberste Regel ist, dass man sich nicht verrückt machen lassen darf. Alles wird nur mit Wasser gekocht, und keiner kann Dir an den Karren fahren, wenn Du gut vorbereitet bist. Das will übrigens auch keiner! Man muss sich im Klaren darüber sein, dass das Studium, sowie die anschließende Weiterbildung, kein Zuckerschlecken ist. Man sollte also bereit sein, auch einmal den Frust zu schlucken – und sich parallel nicht zu schade sein, sich ungeliebten Stoff mit dem Vorschlaghammer ins Hirn zu prügeln. Nur wer das wirklich verinnerlicht hat, meistert die Uni ohne Schaden! (lacht!)

MS: Wie sieht denn Deine Einschätzung für die Weiterbildungsmöglichkeiten im Fachbereich "klinische Pharmakologie" aus?
SK:
Es existiert von der Fachgesellschaft der Ärzte in der Pharmazeutischen Industrie ein Weiterbildungsprogramm, das von ganz vielen Unternehmen unterstützt wird. Hier werden von Ärztinnen und Ärzten Förderungen, Profilierungen und Vertriefung der fachlichen Beziehungen der Mitglieder untereinander betrieben. Zudem bietet alleine der Bereich Pharmakologie (Pharmazie) eine fast tägliche Herausforderung an die Mediziner.

MS: Liebe Steffi! Vielen Dank für das nette Gespräch und viel Erfolg auf Deinem weiteren beruflichen Weg.

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Pharmakologie

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