Mit Gates gegen AIDS

26. Juli 2007
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Auf leisen Pfoten hat sich die Bill und Melinda Gates-Stiftung seit ihrer Gründung vor 13 Jahren zum größten privaten Finanzier der AIDS-Forschung aufgeschwungen. Auch deutsche Forschergruppen erhalten Geld - von Stiftern mit einem etwas anderen Selbstverständnis als in Deutschland gewohnt.

Das Kuchendiagramm, das die Bill und Melinda Gates Foundation ins Internet stellt und alle Vierteljahr akribisch aktualisiert, hat in seiner Schlichtheit etwas zutiefst Entwaffnendes. Eine simple Excel-Grafik mit unterschiedlich großen Tortenstückchen, und unten drunter steht eine Summe unter einer Horizontalen, wie im Rechenheft der Unterstufe. Dreizehn Milliarden dreihundertfünzig Millionen siebenhunderteinundfünfzig Tausend vierhunderteinundzwanzig steht da. US-Dollar. Das ist jene Summer, die die Gates Stiftung seit ihrer Gründung im Jahr 1994 für wohltätige Zwecke ausgegeben hat. Rund die Hälfte dieser unvorstellbar großen Menge Geld ging in Projekte zur Förderung der globalen Gesundheit. Dahinter verbirgt sich nicht nur, aber auch die internationale AIDS-Forschung.

Gates goes Germany

“Nach dem G8-Gipfel in Sea Island im Jahr 2004 hat die Gates Stiftung fast 290 Millionen US-Dollar für ein internationales Programm zur Entwicklung von AIDS-Impfstoffen zur Verfügung gestellt”, sagt Hagen von Briesen vom Fraunhofer IBMT im Interview mit dem DocCheck-Newsletter.

Hier finden Sie das Telefoninterview unseres Autors mit Hagen von Briesen zum Download…

An dieser Collaboration for AIDS Vaccine Discovery (CAVD) sind knapp 170 Forscher aus 19 Ländern beteiligt. Von Briesen ist einer von ihnen: An seinem Institut im Saarland leitet er den Aufbau einer Kryobank für HI-Viren, Immunzellen und Reagenzien, die den globalen Bemühungen um einen HIV-Impfstoff das nötige Rohmaterial zur Verfügung stellen soll. Proben aus den Hot spots der HIV-Infektion werden noch vor Ort kryokonserviert, mit kälteresistenten Chips versehen und dann archiviert. 7,5 Millionen US-Dollar hat die Bill und Melinda Gates Foundation allein dafür überwiesen. Zum ersten Mal lässt die Stiftung damit eines ihrer großen Forschungsprojekte von Deutschland aus koordinieren.

Eine Biobank alleine macht freilich noch keinen Impfstoff. Deswegen werden im Rahmen der CAVD 14 weitere Teilprojekte unterstützt, darunter drei Labornetzwerke, in denen die Immunantworten auf die Impfstoffkandidaten gemessen werden, und natürlich diverse Forschungslabors, in denen nach Kandidatenimpfstoffen gesucht wird. Ausgegeben werden die Gates-Gelder dabei unter anderem für neutralisierende Antikörper, für neue Bioinformatik-Werkzeuge beim Impfstoffdesign, für Strategien, um die zelluläre Immunantwort auszuschalten sowie für therapeutische Vakzinen auf Basis dendritischer Zellen. “Über einige der Konzepte, die die Wissenschaftler sich ansehen, wurde schon seit Jahren geredet. Sie wurden aber nie angemessen erforscht. Wenn sie Erfolg haben, könnten sie zu ganz neuen Paradigmen in der HIV-Vakzine-Entwicklung führen”, sagt Dr. Nicholas Hellmann, der bei der Gates-Stiftung für das Forschungsprogramm “HIV, Tuberkulose, Reproduktive Medizin” zuständig ist.

Auch bei sozialen Projekten zählt der Return of Investment

Geld spielt im Hause Gates bekanntlich keine Rolle: Seit der US-Investor Warren Buffett der Gates-Stiftung vor gut einem Jahr 32 Milliarden US-Dollar vermacht hat, liegt das Stiftungsvermögen bei über 60 Milliarden US-Dollar. Selbst bei konservativer Anlagestrategie können Bill und Melinda damit jedes Jahr drei Milliarden US-Dollar unters Volk bringen, ohne dass das am Vermögen zehren würde. Trotz Geld im Überfluss: Gates und Co wollen sehr genau wissen, was mit ihren Dollars so gemacht wird – und folgen dabei einer Tradition des US-amerikanischen Stiftungswesens, die sich von den Gepflogenheiten der deutschen Forschungsförderung deutlich unterscheidet. Wenn ein Forscher in Deutschland einen DFG-Grant einwirbt, dann sind die nötigen Berichte oft eher lästiges Beiwerk, und sie spiegeln das, was tatsächlich mit dem Geld gemacht wurde, auch nicht immer so ganz getreu wider. US-Stiftungen sind da stärker hinterher: “Die Geldgeber wollen genau wissen, was sie für ihren Dollar bekommen”, sagt ein Kenner der Szene: Denn auch ein ideeller Return of Investment lässt sich quantifizieren. Die Gates-Stiftung ist da keine Ausnahme, wie auch der Fraunhofer-Forscher von Briesen bestätigt: “Die Kryobank wird sehr engmaschig durch die Gates Foundation besucht, es gibt regelmäßige Videokonferenzen und andere Instrumentarien.”

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