Seelenklempner für Kids

7. August 2007
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Wer hilft eigentlich Kindern bei psychischen Problemen nach akuten Belastungen oder unverarbeiteten Erlebnissen? Wer gedacht hat, dass nur ältere, reifere Menschen hin und wieder einen Psychiater benötigen, der irrt!

Das Bild der Kinder- und Jugendpsychiatrie in der Öffentlichkeit istgeprägt von der Erkrankung AD(H)S und ihrer Behandlung mitMethylphenidat, welche in regelmäßigen Abständen das rege Interesse derMedien weckt. Doch spielen beispielsweise auch Autismus, Angst- undPersönlichkeitsstörungen und natürlich die sehr speziellen undvariablen Probleme der Pubertät in der Kinder- und Jugendpsychiatrieeine große Rolle.
Das Gebiet Kinder- und Jugendpsychiatrie und -psychotherapie umfasstdie Erkennung, Behandlung, Prävention und Rehabilitation beipsychischen, psychosomatischen, entwicklungsbedingten undneurologischen Erkrankungen oder Störungen sowie bei psychischen undsozialen Verhaltensauffälligkeiten im Säuglings-, Kindes- undJugendalter und bei Heranwachsenden auch unter Beachtung ihrerEinbindung in das familiäre und soziale Lebensumfeld.
Am 1. Januar 2005 waren in Deutschland 1236 Fachärzte für Kinder- undJugendpsychiatrie (und -psychotherapie) berufstätig, von denen 529niedergelassen waren.

Interview:
Das Interview führten wir mit dem angehenden Facharzt für Kinder- und Jugendpsychiatrie und -psychotherapie, Herrn Dr. Felix Mende.
(FM = Dr. Felix Mende / MS = medizinstudent.de)

MS: Felix…zunächst einmal vielen Dank, dass du dir die Zeit nimmst, uns Rede und Antwort zu stehen. Unsere erste Frage an Dich: Warum hast Du Dir gerade dieses Fachgebiet ausgesucht?
FM:
Ich habe schon während des Studiums ein sehr großes Interesse für die Arbeits- und Funktionsweise des Nervensystems, dessen Störungen und Erkrankungen entwickelt. In meinen Augen war und ist das menschliche Gehirn, sowie die verschiedenen Formen der psychischen Erkrankungen, das spannendste Gebiet innerhalb der Medizin.
Ursprünglich wollte ich ein ganz "normaler" Psychiater werden. Da es jedoch in meiner Familie kürzlich einen recht heftigen Fall von ADHS gab (respektive immer noch gibt), begann ich, mich intensiv mit diesem Phänomen auseinender zu setzen. Hierbei habe ich das Fachgebiet der Kinder- und Jugendpsychiatrie für mich entdeckt.

MS: Was ist denn für Dich das primär Spannende an deinem Fachgebiet?
FM:
Recht ähnlich, wie bestimmt ein Pädiater hierauf antworten würde, möchte auch ich sagen: Kinder sind einfach (so traurig die Einzelschicksale teilweise sind!) wahnsinnig interessante Patienten. Die Herausforderungen, die sich mir im beruflichen Alltag stellen, besitzen eine gänzlich andere Qualität, wie ich sie bei der Arbeit mit Erwachsenen erleben würde. Kinder – gerade, wenn sie noch sehr klein sind – können ihre Probleme, Ängste und Sorgen noch nicht wirklich konkret definieren. Hier liegt eine sehr verantwortungsvolle und spannende Arbeit, genau das richtige für die kleinen Patienten zu tun!

MS: Sieht deine tägliche Arbeit in der Klinik mit den kleinen Patienten und deinen Kollegen denn genau so aus, wie du dir das vorgestellt oder vielleicht erhofft hast?
FM:
Eigentlich schon. Da ich mit keinen sehr großen (besser: besonderen) Erwartungen in die Klinik gekommen bin, konnte ich auch nur sehr schwer enttäuscht werden. Ich muss dazu aber sagen, dass ich auch ein sehr kommunikativer und unkomplizierter Mensch bin, wenn es um die Integration in Gruppen geht. Ich bin sehr kontaktfreudig und recht "unverklemmt". Ich denke, dass dies auch sehr wichtig für meinen Fachbereich ist!
Hierin sehe ich auch ein großes Manko, das mir schon lange negativ auffällt: An der Uni werden größtenteils Fachidioten (entschuldige bitte diesen harten Ausdruck!) gezüchtet. Wenn ich mich erinnere, wie viele junge Männer und Frauen teilweise direkt nach dem Abi mit einem 1er-Schnitt an die Uni gekommen sind…noch völlig ohne Lebenserfahrung und mit einem Minimalmaß an sozialer Kompetenz. Schrecklich…! Wenn es nach mir ginge, würde ich das Eintrittsalter für Medizin bei 24-25 Jahren ansetzen. Ein Zivildienst (oder soziales Jahr oder vergleichbares) müsste auch zuvor absolviert werden – am besten kombiniert mit anderen Tätigkeiten im sozialen Bereich. Es erschreckt mich wirklich, dass die meisten Ärztinnen und Ärzte von der Uni entlassen werden, ohne je wirklich Patientenkontakt gehabt zu haben. Selbst noch grün hinter den Ohren, sollen sie solch verantwortungsvolle Aufgaben übernehmen?!
Sorry…aber das musste einfach mal raus! (lacht!)

MS: Worauf sollte man denn deiner Einschätzung nach während der Ausbildungszeit – sei es Uni oder Klinik – besonders achten?
FM:
Man sollte versuchen möglichst viel Motivation in die Klinik und spätere Arbeit zu retten. Ich weiß, dass die Uni einem viel vermiesen kann – aber es wird (meiner persönlichen Erfahrung nach) besser! (lacht!)

MS: Wie siehst du die Weiterbildungsmöglichkeiten in deinem Fachgebiet?
FM:
Die Aus- und Weiterbildung ist recht umfangreich. Neben sogenannter "Selbsterfahrung" (Einzel- oder Gruppenselbsterfahrung), gibt es die strukturierte Weiterbildung im Psychotherapieteil, sowie in Psychiatrie und Neurologie. Zudem werden ständig neue Erkenntnisse und Therapieformen aufgetan und entwickelt, in welchen man sich weiter- und fortbilden kann. Langeweile ist also Fehlanzeige! (lacht!)

MS: Felix…wir danken dir sehr für das informative Gespräch und wünschen dir noch viel Spaß und Erfolg bei deiner Arbeit!

 

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