Klinik-Hitlisten für die Tonne?

5. September 2007
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Die besten Kliniken der USA. Die jährliche Rangliste eines US-Magazins ist nicht nur populärer Patientenratgeber, sondern auch ein Marketing-Instrument der Krankenhäuser. Ein Fachartikel deckt nun aber Schwächen einer solchen Liste auf. In Deutschland dürfte es im nächsten Jahr ähnliche Diskussionen geben.

Zuletzt wagte es der "Focus" in den Neunziger-Jahren, mit einer Hitliste der besten Krankenhäuser Deutschlands seine Auflage zu steigern. Basierend auf Auskünften von Kliniken und Selbsthilfegruppen erstellte dann ein "Sachverständigenteam von Medizinern und Medizinredakteuren" eine Ratgeberliste. In den Vereinigten Staaten ist die Liste der 50 besten Kliniken, jedes Jahr aktualisiert, ein Dauerrenner und gilt fast schon als Nachschlagewerk und Qualitätsmaßstab. Wer es in die Auswahl des Magazins "US News and World Report" geschafft, hat, gilt als Top-Adresse bei der Behandlung.

Ebenso wie in Deutschland die subjektive Focus-Liste heftige Kritik einstecken musste, ist jetzt auch die amerikanische Klinik-Hitliste unter Beschuss geraten. Dass nicht alles Gold ist, was glänzt, beweist ein Artikel in den "Archives of Internal Medicine" von Oliver Wang von der Yale University in New Haven/Connecticut. Er zeigt, dass die "Best 50" zwar im Durchschnitt besser als die anderen nichtgelisteten Krankenhäuser sind, jedoch zählen einige davon auch zu den richtig schlechten.

Acht Prozent sind wirklich schlecht

Als Vergleichsmaßstab pickte sich Wang eine Krankheit heraus, die eine gute Vergleichsmöglichkeit bietet: Den Myokardinfarkt. Er ist verbreitet und lebensbedrohlich. Handelt der Arzt entsprechend etablierten Leitlinien, kann er die Überlebensrate seiner Patienten deutlich steigern. Für die Autoren kam als Qualitätskriterium nur ein einziger Punkt in Frage, das Endresultat der Behandlung, gemessen in einer 30-Tage-Letalität nach der Behandlung. Die Daten sind über die Rechnungen und Aufnahmedokumente der Krankenversicherung Medicare für ältere US-Bürger zu ermitteln. Die Autoren verglichen dabei die Liste des Nachrichtenmagazins mit 3813 Kliniken der USA ohne das begehrte Prädikat.

Im allgemeinen wurden die renommierten Kliniken ihrem Ruf gerecht, denn mit 16 Prozent lag ihre durchschnittliche Sterberate unter jener der nichtgelisteten Kliniken von 17,9 Prozent. Rund zwei Drittel des Rangliste lag mit den Ergebnissen im besten Viertel aller Kliniken. Vier Ausreißer (acht Prozent) der Liste schafften es jedoch nicht über das schlechteste Viertel aller untersuchten US-Kliniken hinaus. Die Liste übersah auch rund dreißig Krankenhäuser, die es mit ihrer Erfolgsrate unter die Top 11 der "Starparade" gebracht hätten. Oliver Wang: "Bei der US News&World Report-Liste fehlen viele Kliniken, die bei der Behandlung von Myocardinfarkten herausragende Leistungen bieten".

Warum haben es dann die erfolgreichen Unbekannten nicht in die Renommierliste geschafft? Das Magazin setze bei seiner Wertung, so Oliver Wang, auch auf die Bekanntheit der Klinik unter Kardiologen, die ihre Patienten in Spezialzentren für besonders schwierige Fälle überwiesen, jedoch die überwiegende Mehrheit von Routinefällen außer Acht ließen. Der Behandlungserfolg der kitzligen Fälle hat jedoch nur einen geringen Einfluss auf die gesamte Erfolgs- oder Sterbe- Rate. Bei Kliniken mit geringen Fallzahlen sei es auch schwierig, allein von der jährlich stark schwankenden Rate auf die Qualität zu schließen, so ein Kommentar zu dem "Archives-Artikel"

Fakten und Namen ab 2008

In den USA, existieren neben der bekannten Liste von US News&World Report noch zahlreiche andere "Best Hospital" Rankings. In Deutschland gibt es dagegen außer einigen regionalen Klinikvergleichen in Hamburg, dem Ruhrgebiet und Berlin so gut wie keine Orientierung für den Patienten. Anhand ausgewählter Parameter wie Fallzahlen, Ausstattung, aber auch detaillierter Parameter der Qualitätssicherung lassen sich beim "Klinik-Lotsen" der Verband der Angestellten-Krankenkassen gezielt passende Kliniken herausfischen. Allein auf Fallzahlen und Patientenberichten basiert ein privates Portal, Medmonitor, das seit Mai diesen Jahres online ist, bisher aber nur sehr wenige Beurteilungen enthält. Seit 2005 müssen dieKliniken per Gesetz Qualitätsberichte abliefern, die jedoch meistschöngefärbt sind. Die "Bundesgeschäftsstelle Qualitätssicherung" gibtjährlich einen kritischen Klinikreport heraus, der allerdings keineRückschlüsse auf einzelne Kliniken zulässt. Ab 2008 sollen dort aberauch die Kliniken mit schlechten Werten für die Öffentlichkeit sichtbarwerden.

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