Der Haute-Couture-Blister

21. September 2007
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Ab Ende 2007 will das jetzt in 7x4 umgetaufte Unternehmen Assist Pharma patientenindividuelle Blisterverpackungen industriell anbieten. Das Interesse in der Apothekerschaft ist groß, doch es gibt auch Skeptiker.

Die Zahl ist schon eindrucksvoll: Bis zu 50.000 patientenindividuell verpackte Wochenblister kann die Verblisterungsmaschine des Unternehmens 7×4 Pharma ausspucken. Pro Tag! Präzise abgepackte Medikamente an sieben Tagen die Woche zu maximal vier Einnahmezeitpunkten: Mit diesem Konzept will 7×4 Pharma, ein Tochterunternehmen der Kohl Pharma, das bis vor Kurzem noch Assist Pharma hieß, ab Ende 2007 die Versorgung chronisch kranker Patienten mit Medikamenten auf neue Füße stellen. Bessere Compliance, weniger Einnahmefehler, damit Verringerung von Komplikationen und Klinikeinweisungen, lauten die Stichworte aus Patientensicht.

Vierhundert Präparate stehen zur Verfügung

“Wir stehen kurz vor den ersten Vertragsabschlüssen mit Krankenkassen und werden Ende des Jahres in den ersten Regionen mit der Verblisterung beginnen”, sagt Unternehmenssprecher Matthias Timmermann. Mit der endgültigen Zulassung der Maschine wird Ende November gerechnet. Der selbstständige Apotheker soll dabei der Dreh- und Angelpunkt des Konzepts werden: “Ohne den Apotheker geht es nicht”, so Timmermann. Der Apotheker fungiert in diesem Modell als ein “Hausapotheker” für den Patienten, bei dem sämtliche Rezepte zusammen laufen. Er muss die Rezepte, die der Patient mitbringt, inklusive Dosierungen und Einnahmezeitpunkt, in eine Software übertragen. Nach einem Sicherheitscheck auf Wechselwirkungen oder mögliche Kontraindikationen übermittelt das Programm die Informationen für die Verblisterung dann an 7×4 Pharma, wo innerhalb weniger Tage die entsprechenden Wochenblister hergestellt werden. Über den Großhandel kommen diese Blister dann zurück in die Apotheke. Dort gibt der Apotheker sie an den Patienten aus.

Gedacht ist in erster Linie an chronisch kranke Patienten und an die Bewohner von Pflegeheimen. “Es gibt Zahlen, die zeigen, dass Patienten fünf bis sechs Monate länger in ihrem häuslichen Umfeld leben können”, sagt Frieder Draeger, Leiter Business Development bei 7×4 Pharma im DocCheck-Interview. Mit rund vierhundert verschiedenen oral einzunehmenden Medikamenten kommt die auch international patentierte Verblisterungsmaschine klar, 30 Prozent davon sind Originalpräparate, der Rest Generika. Kohl Pharma selbst kommt nicht zum Zug: Denn Re-Importe werden nicht verblistert.

Hier das Telefoninterview mit Frieder Draeger

Honorar für Apotheker ist noch Verhandlungssache

Bei den Apothekern löst das Vorhaben unterschiedliche Reaktionen aus. Informiert werden zumindest wollen viele: “Über 2000 Apotheker haben sich schon bei uns in eine Interessentenliste eingetragen”, berichtet Timmermann. Bei den Standesvertretungen sind die Reaktionen dagegen zwiespältig. Die Bundesvereinigung Deutscher Apothekerverbände ABDA hält nichts von dem Konzept. Der Bundesverband Deutscher Apotheker BVDA dagegen unterstützt die Idee. Viel dürfte davon abhängen, wie am Ende das genaue Finanzierungsmodell aussieht, das von Krankenkasse zu Krankenkasse durchaus unterschiedlich sein kann, wie Draeger betont. 7×4 Pharma selbst möchte seine Verblisterungsleistung mit jährlich rund 200 Euro pro Patient vergütet bekommen.

Der Apotheker soll unabhängig davon von der Krankenkasse eine Servicepauschale pro Blister erhalten, die so bemessen ist, dass er im Vergleich zur Abgabe der Einzelpackungen finanziell besser wegkommt, weil er ja auch mehr Arbeit hat. “Uns schwebt eine Summe von drei bis fünf Euro pro Wochenblister vor, aber diese Verhandlungen führen nicht wir. Das muss von Apothekerseite geschehen”, so Draeger.

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Kassen, Politik Wirtschaft

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