Erste Erfahrungen an der Front!

22. Oktober 2007
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Dass angehende Mediziner nicht nur theoretisches Wissen, sondern auch in ausreichendem Maße praktische Erfahrungen sammeln sollten, haben die meisten Universitäten glücklicherweise begriffen. So werden sowohl in der Vorklinik, als auch im klinischen Abschnitt des Studiums an vielen Unis die Studierenden in akkreditierten Praxen ausgebildet.

Auf was ist bei einem solchen Praktikum besonders zu achten?
Bei einem niedergelassenen Arzt können die Studierenden viel besser als an der Uniklinik die Versorgung von Patienten kennen lernen. Zudem wird man sich während dieser Praktika auch viel klarer über die eigene Rolle als Arzt nach dem Studium. Gezielt lassen sich Antworten zu Fragen finden, welche die universitäre Lehre in dieser Form nicht bieten kann: Wie ist eigentlich eine Praxis strukturiert? Wie funktionieren die Arbeitsabläufe? Was kann ich selbst noch in einer Praxis lernen?

Für alle Studienbeginner hier ein paar allgemeine (aber feine) Tipps, auf was man bei einem Praktikum in einer Lehrpraxis besonders achten sollte:

  • Augen auf beider Lehrpraxenwahl: Die Unis verfügen normalerweise über eine große Anzahl von akkreditierten Lehrpraxen. Diese können unter Umständen jedoch sehr weit von der Uni(Stadt) entfernt liegen. Ein Radius von 40 Kilometern und mehr ist keine Seltenheit. Wenn Ihr also eine Lehrpraxis zugeteilt bekommt, die für Euch nur sehr schwer erreichbar ist (da weit entfernt), so scheut Euch nicht, dies bei der Uni zu melden. Es besteht in den allermeisten Fällen die Möglichkeit, die Praxis zu tauschen.
  • Werdet selbst aktiv bei der Suche: Fragt Euren Hausarzt/Kinderarzt etc. im Ort, ob er zu den akkreditierten Lehrpraxen Eurer Universität zählt. So etwas sieht man einer Praxis von außen nämlich nicht unbedingt an. Nichts wäre doch aber praktischer, als wenn Ihr bei Eurem altbekannten Hausarzt das Praktikum absolvieren könntet, oder?! Die Unis sind normalerweise sofort bereit, einem solchen Ortswunsch zu entsprechen.
  • Achtet auf ein paar Äußerlichkeiten: Bringt zum Praktikum immer Euren (sauberen!) Kittel mit. Schön wäre es, wenn dieser mit einem Schildchen versehen ist, auf welchem Euer Name, Eure Funktion (in diesem Fall: “Medizinstudent/in”) und Eure Universität vermerkt ist. Ganz wichtig ist auch, dass Ihr nicht im Sprechzimmer in der Ecke sitzen bleibt, wenn ein Patient aufgerufen wird. Geht mit dem Arzt auf den Patienten zu und stellt Euch kurz – mit Handschlag – vor. Ein einfaches: Guten Tag, mein Name ist … und ich absolviere gerade ein Praktikum bei Herrn/Frau Doktor …” genügt hier schon. Sehr schön ist es auch, wenn Ihr fragt, ob es dem Patienten überhaupt recht ist, wenn Ihr beim Anamnesegespräch anwesend seid. Das alles schafft eine sehr angenehme Atmosphäre, die auch später, wenn Ihr einmal selbst Ärzte seid, ganz wichtig sein wird.
  • Selber machen: Versucht, so viele Dinge wie möglich selbst auszuprobieren und mitzumachen. Selbst einmal das EKG aufkleben, unter Anleitung Blut abnehmen, mit dem Stethoskop arbeiten, Blutdruck und Temperatur messen… Das sind alles Handgriffe, die Ihr später im Schlaf beherrschen müsst. Und Ihr wisst ja: Früh übt sich…!
  • Notizen und Co.: Am Ende des Praktikums werdet Ihr wohl einen schriftlichen Bericht über Eure Arbeit in der Praxis verfassen und abgeben müssen. Schaut Euch also aufmerksam in den Räumlichkeiten um und lasst Euch ruhig erklären, wie viele Helferinnen in der Praxis arbeiten und wie das Abrechnungssystem und die Logistik funktionieren. Je mehr Details Ihr in den Bericht einbauen könnt, umso besser!

Abschließend ein paar Tipps, die zwar auf den ersten Blick als penibel und selbstverständlich erscheinen, Euch aber das Leben während des Praktikums deutlich erleichtern:

  • Seid immer ausgeschlafen! Ein Arbeitstag in der Praxis (mit Hausbesuchen während der Mittagspause u.ä.) dauert lange und ist nach dem letzten Patienten abends meist noch nicht abgeschlossen. Papierarbeit nimmt einen großen Teil der Tätigkeiten ein – Ihr werdet also relativ direkt mit dem harten Arbeitstag konfrontiert.
  • “Das Auge isst mit!” – Ein einigermaßen gepflegtes Äußeres macht es Euch und den Patienten (und nicht zuletzt Eurem Lehrarzt) einfacher, in ein vertrauensvolles Verhältnis zu kommen. Der Großteil der “Kunden” ist nämlich nicht in Eurem Alter und daher leicht mit Nasenringen, zerrissenen Jeans und ausgetretenen Chucks zu irritieren.
  • Die Aktiv-Passiv Rechnung: Nicht die Zeit absitzen, sondern nachfragen, wenn Ihr etwas nicht versteht oder Euch ein Thema besonders interessiert. Die Praxen heißen “Lehrpraxen” – Ihr sollt also etwas lernen, und nicht nur für den Schein rumsitzen!

In diesem Sinne: Viel Spaß bei Euren ersten Erfahrungen “an der Front”!!!

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