Hammerexamen Herbst 07 – Wer hat es geknackt?

24. Oktober 2007
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Ab dem 15. Oktober lief für drei Tage von 9 bis 14 Uhr die Zeit. In raffinierten Paketen zu 107 oder 106 Fragen stellte das IMPP den Examenskandidaten wieder einen gepanzerten Tresor auf den Tisch. Kombination unbekannt!

Die Einladungen für das schriftliche Hammerexamen trudelten Anfang Oktober ein. Wichtigste Info war der Prüfungsort. Endlich wusste man nach einigem Telefonieren, mit wem man im gleichen Saal über den Aufgaben brüten dürfe.

Vorbereitungen
Prüfungsort finden, begutachten, Verkehrsanbindung checken, alternative Route bereitlegen – wer einen leichten Kontrollzwang nicht verleugnet, konnte sich bei der Reiseplanung zum Examensort richtig austoben. Fahre ich Auto? Lasse ich mich fahren? Bus oder Bahn? Fahrrad? Auch die Examensverpflegung war bei den meisten fein auf die eigenen Bedürfnisse zugeschnitten, hier und da Berge aus Schokolade, dort RedBull und PocketCoffee und drüben Äpfel und Bananen. So erschienen die Examenskandidaten bis an die Zähne bewaffnet, bereit zu großen Taten an ihren Examensorten.

Tag der Wahrheit, der 1.
Nach den üblichen Belehrungen ging es pünktlich mit dem Austeilen der Aufgabenhefte los. Auf Kommando des Prüfungsleiters und nach viel Geraschel saß man nun da – der Student, die Fragen, ein Druckbleistift und die Unterlagen. Der erste Tag war ein großes internistisches Steak, angerichtet mit etwas Rechtsmedizin, mit einer leicht sauren Pharma-Marinade. Schwer verdauliche Kost, aber gegessen haben alle wie die Weltmeister.

Tag der Wahrheit, der 2.
Tag 2 ähnelte da schon mehr einem bunten Salat mit Neurotomaten, Intensivradieschen, Psychonüssen und gynäkologischer Sauce. Die Fleischeslust wurde mit einem guten Schuss Chirurgie abgedeckt. Das Menü wurde mit einem etwas flauen HNO-Cocktail und gemischten Beilagen abgerundet. Vielen schlug dieser Salat nicht so schwer auf den Magen, andere schienen doch erschöpfter als gedacht, gemischte Gefühle beherrschten die Atmosphäre und eine Sehnsucht nach dem alles beendenden dritten Tag schien bestimmender zu werden.

Tag der Wahrheit, der 3.
Nach den zwei reichhaltigen Gedecken an den ersten beiden Prüfungstagen konnte das IMPP für den dritten Tag ein feines Restemenü zusammenstellen. Arbeitsmedizinische Vorspeisen wurden von einem deftigen Kinderteller mit viel Augenschmaus gefolgt. Schwer im Magen lagen internistisch-rheumatologische Knödel, gepaart mit einem großen Stück Orthopädie-Fleisch am müden und deformierten Knochen. Da konnte auch eine versagende Leber die Laune nicht mehr trüben, aller garniert mit einem bunten Mix aus pharmakologischer Würze.

Eindrücke?
Auch wer gut vorbereitet war, hatte an den IMPP-Fragen viel zu kauen – insgesamt also eine zähe Kost, auch wenn die große Erschöpfung bei vielen erst nach dem dritten Tag mit abfallendem Adrenalinspiegel einsetzte. In diesem Sinne hatte das IMPP Erfolg dabei, den Schwierigkeitsgrad zu halten, dies machen auch die ersten Hochrechnungen deutlich. Ein Durchmarsch war das Examen für die wenigsten, viele Fragen glänzten leider durch das Weglassen wichtiger Informationen in der Fragestellung, künstlich aufgeblähte Fragestellungen und aufwendig in anderen Erkrankungen verpackte Symptomkomplexe gefragter Erkrankungen. Vielleicht ein Tipp für die Menschenfreunde beim IMPP – spart euch die wilden Geschichten im Fragentext. In einer Prüfung ist es mir egal, ob Johanns Vater sich für Kernphysik interessiert oder ob zwei streitsüchtige Oberärzte sich mit ihren Stethoskopen duellieren, wenn sie eine fachliche Frage diskutieren. Das nervt einfach nur.

Fazit
Die drei Tage sind schwierig, erschöpfend und durch zwischenzeitliche Höhen und Tiefen geprägt. Es lohnt sich aber, letzte Kräfte zu mobilisieren. Das irre Gefühl der Erleichterung entschädigt Vieles. Auch sollte man sich das Examen nicht als größere Hürde inszenieren, als es tatsächlich ist. Mit einer soliden Vorbereitung ist man in der Regel auf der sicheren Seite. Schade ist, dass durch die Fokussierung auf 320 Fragen und täglich vier Fallbeispiele nicht mehr das breite Wissen abgefragt wird. Man muss schon etwas Glück haben, die aktuell im Examen gefragten Sachverhalte zu beherrschen und merkt, dass man viel mühevoll Erlerntes im Examen nicht nutzen kann. Auch in wirklich schwierigen Fällen, denen ich persönlich Facharztniveau zuspreche, waren immer noch für jeden lösbare Aufgaben eingestreut. Dennoch muss man im neuen Examen schnell zwischen den Fachgebieten umherhüpfen können. Gerade in den Einzelfragen kommen auf einer Doppelseite durchaus mal vier Fragen zu drei verschiedenen Fachgebieten vor. Machbar, aber schwierig wie eh und je – das Hammerexamen war da – die nächste Runde ist im Frühjahr, allen Teilnehmern die besten Wünsche – den sich für die nächsten Runde Vorbereitenden viel Erfolg und einen Schub Zuversicht – das Examen wird uns schon nicht kleinkriegen.

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