Tag, Herr Doktor

29. Oktober 2007
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Mit dem Thema "Doktorarbeit" beschäftigt sich fast jeder Medizinstudent im Laufe seines Studiums. Bevor man sich selber auf den Weg zum Doktor macht, ist es ratsam, sich die Erfahrungen anderer anzuhören, die schon mittendrin sind, oder gar fast fertig. Wir haben den Medizinstudenten Benjamin Abels von der Uni Erlangen zu seinen Erfahrungen befragt.

Hallo Benjamin, du bist seit 2004 Medizinstudent an der Uni Erlangen und hast in letzter Zeit einen Großteil der praktischen Arbeiten deiner Dissertation abgeschlossen. Wir wollen dir ein paar Fragen dazu stellen.

MS: Was ist das Thema deiner Doktorarbeit und wie lange bist Du schon dabei?
Benjamin: Das Thema ist Neuro Perfusion CT, Schwerpunkt Schlaganfall-Diagnostik. Es geht also um eine besondere Art von CT-Untersuchung, bei der (im Vergleich zur herkömmlichen cranialen CT, auf der man als Nicht-Radiologe oft nur ein graues Etwas erkennen kann) schöne anschauliche Farbbilder und zusätzliche Informationen (z.B. über Blutvolumen und Blutfluss in einer Hirnregion) zur Verfügung stehen. Die Arbeit findet ausschließlich am Computer statt, ist aber trotzdem eher experimentell als statistisch. Ich habe Ende Juli begonnen und meine ganzen "Semesterferien" damit verbracht…

MS: Wie bist Du gerade auf diese Arbeit aufmerksam geworden? Zufall? Oder hast du gezielt potentielle Doktorväter angesprochen?
Benjamin: Ich habe mir selbst überlegt, dass ich etwas mit CT oder MR und "post processing"-Software am PC machen will. Angebote in diese Richtung gab es keine. Deswegen habe ich selbst den Chefarzt der Radiologie angesprochen (nach einer Vorlesung während des Eingangsblocks Radiologie im 6. Semester) und gefragt, ob es aktuell Projekte in diese Richtung gibt, bei denen ich gebraucht werden könnte. Es hat ein paar Wochen gedauert bis er mich schließlich an einen Oberarzt weiter verwiesen hat. Dieser wollte zufällig zu dem Zeitpunkt ein neues Projekt mit Siemens Medical Solutions beginnen. Jemand wie ich kam ihnen gerade gelegen.

MS: Bist du auf Anhieb mit den Anforderungen zurechtgekommen? Hattest du einen Ansprechpartner, der dir bei Problemen unkompliziert helfen konnte?
Benjamin: Von Anfang an war klar, dass – wenn ich mich auf die Arbeit einlasse – ein ziemlicher Druck auf mir lasten wird, weil innerhalb von nur 7 Wochen (wegen einer Anmeldefrist für den amerikanischen Markt) Ergebnisse vorliegen mussten und der Erfolg des Projekts ganz wesentlich von meiner Planung, Durchführung, Analyse und Bewertung abhing. Am Anfang fühlte ich mich etwas überfordert und war unsicher, ob meine bescheidenen Kenntnisse in Neuroanatomie, -pathologie, CT-Grundlagen und Statistik ausreichend für die Arbeit waren. Auch wenn es nach einem riesigen Berg Arbeit und enormem Stress aussah, wollte ich die Sache von Anfang an konsequent durchziehen, weil ich mir die Möglichkeit, eine Doktorarbeit in rekordverdächtig kurzer Zeit über die Bühne zu bringen, nicht entgehen lassen wollte. Mein Doktorvater und der zuständige Physiker von Siemens hatten selbst viel zu tun und nicht viel Zeit für mich, aber sie haben mich so gut es ging unterstützt.

MS: Meinst Du, dass du in der geplanten Zeit fertig wirst? Oder war die Zeit wie so oft beschrieben, doch etwas knapp bemessen?
Benjamin: Es heißt ja oft, weniger als 1 Jahr Zeit für eine Dissertation sei illusorisch. Das sehe ich anders. Meine Dissertation ist zwar noch nicht fertig, aber ich habe in den Semesterferien gleichzeitig den "praktischen Teil" der Doktorarbeit geschafft (hundert- oder tausendfach Gehirnschnittbilder angeschaut, verglichen, "regions of interest" eingezeichnet, Werte exportiert, in Excel importiert, statistisch verglichen, usw.) plus nebenbei Theorie und massig PubMed Abstracts gelesen. Damit bin ich sehr zufrieden. Die eigentliche Dissertation schreibe ich nun nebenbei während dieses Semesters. Bis Anfang 2008 werde ich bestimmt fertig. Letzten Endes ist es egal ob man 1-2h am Tag über 2 Jahre oder 5-10h am Tag über wenige Monate dran sitzt.

MS: Würdest du, wenn du alles noch einmal neu angehen könntest, genau zum gleichen Zeitpunkt anfangen? Oder würdest du eher später oder früher loslegen wollen?
Benjamin: Der Zeitpunkt war absolut richtig. Früher hätte ich keine Lust und wegen Mikrobiologie/Pharma keine Zeit gehabt – und später bin ich sicherlich auch froh, wenn ich es schon beizeiten hinter mich gebracht habe.

MS: Hast Du noch einen Tipp für alle, die sich in nächster Zeit eine Doktorarbeit suchen wollen?
Benjamin: Ich halte es für gut, sich anfangs genau im Internet darüber zu informieren, welche Forschungsgruppen und interessanten Projekte es an der Uni gibt. Hieraus kann man sich einen oder mehrere Bereiche heraussuchen, die einen am ehesten begeistern. Wenn man dann den Chef- oder Oberarzt fragt, ob man in diesem speziellen Gebiet gebraucht werden könnte, dann kommt das glaub ich gleich viel besser an, als wenn man fragt "bieten Sie irgendwelche Doktorarbeiten für Studenten an"…

MS: Benjamin, wir danken für deine informativen Antworten und wünschen viel Erfolg auf deinem weiteren Weg zum Dr. med!

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