PTBS: Medikament reduziert negative Erinnerungen

25. Oktober 2013
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Forscher konnten jetzt Moleküle identifizieren, welche für Lern- und Gedächtnisprozesse wichtig sind. Die Ergebnisse könnten für die Behandlung der posttraumatischen Belastungsstörung, die durch schmerzhafte traumatische Erinnerungen gekennzeichnet ist, von Bedeutung sein.

Das Human-Genom-Projekt hat im letzten Jahrzehnt eine Fülle an Daten über die genetische Grundlage von Erkrankungen geliefert. Allerdings war bisher unklar, inwiefern dieses Wissen zur Entdeckung neuer Medikamente von Nutzen sein könnte – besonders zur Behandlung von neuropsychiatrischen Erkrankungen. Wissenschaftler um Prof. Andreas Papassotiropoulos und Prof. Dominique de Quervain von den Universitären Psychiatrischen Kliniken, der Fakultät für Psychologie und vom Biozentrum der Universität Basel haben in einer groß angelegten Studie die genetischen Grundlagen von negativen Erinnerungen beim Menschen untersucht; diese Gedächtnisform spielt bei Angsterkrankungen wie der posttraumatischen Belastungsstörung eine wichtige Rolle. In einer auf Gen-Netzwerken basierenden Analyse identifizierten die Forscher rund 20 Gene, die beim Erinnern von negativen Gedächtnisinhalten beteiligt sind.

Bekanntes Antiallergikum eingesetzt

Geleitet durch die Ergebnisse der genetischen Analysen untersuchten die Wissenschaftler in einer doppelblinden, placebokontrollierten Studie eine Substanz, die an eines der zuvor entdeckten Genprodukte bindet. Überraschenderweise handelte es sich dabei um ein bekanntes Antiallergikum. Die einmalige Einnahme dieses Medikaments führte zu einer signifikanten Reduktion der Erinnerungsfähigkeit von zuvor gesehenen negativen Bildern, ohne dass dabei das Gedächtnis für neutrale oder positive Inhalte beeinflusst wurde. Die Befunde könnten für die Behandlung der posttraumatischen Belastungsstörung von Bedeutung sein.

Die Forscher konnten mit dieser Studie erstmals zeigen, dass es mithilfe genetischer Untersuchungen am Menschen gelingt, Substanzen mit bis dato unbekannten Wirkungen auf das Gedächtnis zu identifizieren. “Die rasante Entwicklung von innovativen genetischen Analysemethoden hat diesen neuen und viel versprechenden Ansatz ermöglicht”, so Papassotiropoulos. Nun planen die Wissenschaftler weitere Studien: “In einem nächsten Schritt versuchen wir, gedächtnisverbessernde Medikamente zu identifizieren und zu entwickeln”, sagt de Quervain. Die Forscher erhoffen sich damit, neue Impulse für die dringend notwendige Entwicklung von besseren Medikamenten zur Behandlung von neuropsychiatrischen Erkrankungen liefern zu können.

Firma für klinische Anwendungen

Um den Entdeckungen ihrer Forschung zu konkreten klinischen Anwendungen zu verhelfen, haben de Quervain und Papassotiropulos dieses Jahr die Firma GeneGuide AG gegründet. Die Firma hat sich mit dem genombasierten Forschungsansatz auf die Entdeckung neuer Medikamente für neuropsychiatrische Erkrankungen spezialisiert. Dieser neuartige Ansatz stößt auch bei der pharmazeutischen Industrie auf Interesse, da die Entwicklung von Medikamenten gegen neuropsychiatrische Erkrankungen, die vorwiegend auf Tiermodellen beruht, bisher enttäuschend verlaufen ist.

Originalpublikation:
Human genome-guided identification of memory-modulating drugs; Andreas Papassotiropoulos et al.; PNAS 2013; published ahead of print October 21, 2013; doi: 10.1073/pnas.1314478110

19 Wertungen (3.79 ø)

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3 Kommentare:

Diphenhydramin hat da einen doppelt positiven Effekt, denn dieser Stoff wird ja sonst nur als Hypnotikum eingesetzt!

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Pharmazeutisch-technische Assistentin (PTA)

Um welches Antiallergikum handelt es sich?

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