Multi-Kulti im Wartezimmer!

12. November 2007
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Schon im Normalfall ist es oft schwierig, richtig einzuschätzen, wie ein Patient zum Beispiel auf eine ungünstige Diagnose reagiert. Noch komplizierter wird dieser Sachverhalt, wenn es sich um Patienten aus einem anderen kulturellen Umfeld handelt.

Ein, in Deutschland immer mehr an Bedeutung zunehmender, kultureller Hintergrund ist die islamische Religion. Zurzeit leben etwa 3 Millionen Muslime hier. Deutschland ist für sie zur Heimat geworden. Das heißt aber nicht, dass mit Annahme einer neuen Heimat auch deren Kultur angenommen wird. Oft werden die bisherigen Anschauungen und Wertvorstellungen beibehalten und gepflegt, genau wie die Riten, Feste und Vorschriften der eigenen Religion.

Fehlendes Wissen über diese Hintergründe kann in allen Bereichen des gesellschaftlichen Lebens Probleme aufwerfen. Auch bei der Krankenversorgung kann es auf Grund soziokultureller Unterschiede zu Missverständnissen zwischen behandelndem Arzt und Patient kommen.

Um dem vorzubeugen und als Hilfestellung für Mediziner, Pflegepersonal oder auch interessierte Laien wurde 2006 an der Johannes-Gutenberg-Universität in Mainz das Forschungsprojekt "Informations- und Beratungsangebote zur verbesserten Versorgung von Muslimen im deutschen Gesundheitswesen" ins Leben gerufen. Ergebnis dieses Projekts ist die Internetseite www.Kultur-Gesundheit.de – ein Wissensportal zu eben diesen Themen.

Dort finden sich gesammelte Informationen über den Islam. Vor allem in Bezug auf Krankheit und Gesundheit, wobei auch Grundlagen der Religion erläutert werden – allerdings ohne sich dabei allzu sehr in Details zu vertiefen. Ein weiterer Punkt zeigt die Konfliktfelder in der Praxis auf. Die Grundprobleme, wie zum Beispiel die anders wahrgenommene Intimsphäre oder ähnliches, werden kurz und verständlich beleuchtet. Am Ende werden konkrete Vorschläge und Hilfestellung gegeben. Ziel ist es, die Behandlung für den betroffenen Patienten angenehmer zu gestalten. Letztlich werden noch medizinethische Themen diskutiert, die – natürlich nicht nur auf muslimische Patienten bezogen – sehr interessant und hilfreich sind. Ethische Fragen und Probleme können dem Arzt schließlich bei jedem Patienten begegnen.

Zusätzlich zu dieser Webseite finden sich auch schon einige weitere Angebote, wenn auch nur an speziellen Krankenhäusern. So werden in bestimmten Kliniken häufig Fortbildungen zu diesen Themen angeboten. Eine Bochumer Klinik stellte auf der Gemeinschaftskonferenz des Deutschen Netzes Gesundheitsfördernder Krankenhäuser den Leitfaden "Muslime im Krankenhaus" als Beispiel für den sozialethischen Umgang mit andersgläubigen Patienten vor.

Das oben genannte, allgemein zugängige Internetportal ist in unserer Gesellschaft und politischen Lage jedenfalls ein weiterer Schritt in die richtige Richtung. Vielleicht lassen sich dadurch gefährliche Missverständnisse reduzieren, um ein besseres Miteinander zwischen Menschen unterschiedlicher Herkunft zu ermöglichen.

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