Wundtherapie à la Mittelerde

16. November 2007
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Kino macht nur dick und faul? Pustekuchen. Seit Frodo Stunden lang über die Kinoleinwände vom Auenland nach Mordor pilgerte, kommen Mediziner besser mit den Wunden ihrer Patienten klar. Der Trick ist ein Laserscanner, der auch schon den fiesen Gollum zum Leben erweckt hat.

Tatsächlich kommt eine der in der Animationsstudios von Regisseur Peter Jackson eingesetzten Techniken jetzt auch Ärzten zugute – in Form eines handlichen Digitalscanners für die Wundkontrolle. In den USA hat die Zulassungsbehörde FDA dem Silhouette Mobile genannten Gerät kürzlich sogar schon eine vorläufige Zulassung erteilt. Auch die für Europa relevantere ISO-Zertifizierung liegt schon vor.

Doch der Reihe nach. Als Peter Jackson in Neuseeland die bekannten Landschaftsaufnahmen des “Herrn der Ringe” drehen ließ, wurde er in der Nachbarschaft auf das Unternehmen Applied Research Associates aufmerksam, das mit Blick auf das neuseeländische Autokennzeichen “NZ” offiziell unter dem Kürzel ARANZ firmiert. ARANZ hatte einen mobil einsetzbaren Laser-Scanner entwickelt, der später von dem US-Unternehmen Polhemus zu einem marktreifen Produkt gemacht wurde, der Polhemus FastSCAN. Dieses Werkzeug sieht aus wie eine Mischung aus Fernrohr und Wasserspritzpistole und dient der raschen Digitalisierung dreidimensionaler Objekte.

Der Clou an der Technologie ist, dass – anders als bei traditionellen Digitalaufnahmen – durch die Lasertechnik auch Oberflächeneigenschaften des Originals mit aufgezeichnet werden können, was am Ende zu wesentlich präziseren Animationen führt. Das überzeugte auch die Trickdesigner von WETA, jenem Unternehmen, das die Animationen für den Herrn der Ringe realisierte: Dank Lasertechnik konnten die Wachsmodelle, die den Fabelwesen des Films zugrunde lagen, mit bis dahin unbekannter Präzision aus allen nur erdenklichen Perspektiven in kürzester Zeit digital rekonstruiert werden.

Blick in die Untiefen der Wunden

Und was hat Ganze jetzt mit Medizin zu tun? Einiges. Auch das Mutterunternehmen ARANZ hat die Technologie nämlich weiter entwickelt, nicht für die Trickfilmbranche sondern als Medizingerät unter dem Namen Silhouette Mobile. Für diese medizinische Laserflinte wurde eigens ein Tochterunternehmen gegründet, die ARANZ Medical. Deren Ingenieure machten das Gerät noch kleiner und noch handlicher und koppelten es schließlich an einen Taschencomputer mit Digitalkamera – fertig war das mobile Wundaufzeichnungsinstrument, das nicht mehr nur Bilder liefert wie eine langweilige Digitalkamera, sondern auch quantitative Messungen unter anderem zur Wundtiefe und zur Hautbeschaffenheit ermöglicht.

Kliniker sind begeistert: “Das Gerät ermöglicht eine hocheffiziente, schnelle und präzise Wunddokumentation”, sagt beispielsweise Dr. Michael Moore, Präsident des Wundforschungszentrums in Dunmore im US-Bundesstaat Pennsylvania. “Die Ergebnisse sind reproduzierbar, und weil es tragbar ist ist das Gerät ideal für eine Wundklinik oder auch für Hausbesuche.”

Dass ein mobiles Digitalgerät mit der Möglichkeit zur Quantifizierung von Wunden auch telemedizinische Anwendungen nahe legt, versteht sich fast von selbst. Mittlerweile hat ARANZ den Silhouette Mobile auf zahlreichen internationalen Kongressen zur Diskussion gestellt. In den USA ist das Gerät mittlerweile kommerziell erhältlich. Und wir Europäer? Wir können zumindest schon einmal auf der Medica in Düsseldorf einen Blick drauf werfen, wo ARANZ in Halle 17 am Stand A58 zugegen ist. Ohne Gollum diesmal.

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