Osteoporose: Risikofaktor Postmenopause

22. Oktober 2013
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Osteoporose betrifft besonders Frauen nach den Wechseljahren – wobei das Körpergewicht ein wichtiger Faktor ist. Eine Studie mit postmenopausalen Frauen untersuchte den Einfluss von Gewicht, Body-Mass-Index (BMI) und Körpergröße auf das Knochenbruchrisiko.

Frühere Studien hatten bereits gezeigt, dass Fettpolster auf der Hüfte einen gewissen Schutz vor einem Oberschenkelhalsbruch gewähren. Als Erklärung mögen unter anderem auch ganz einfach biomechanische Momente dienen, meint Professor Dr. med. Dr. h. c. Helmut Schatz, DGE-Mediensprecher aus Bochum: “Schlanken Frauen fehlen über den Knochen oft die Polster, welche die Wucht des Aufpralls abfangen.” Die “Global Longitudinal Study of Osteoporosis in Women”, kurz GLOW, liefert weitere Erkenntnisse zu dem Zusammenhang zwischen Körpergewicht und Brüchen im internationalen Vergleich. Mehr als 50 000 Frauen über 50 Jahre aus zehn Ländern, darunter Deutschland, nahmen teil. Die Frauen füllten über drei Jahre jedes Jahr einen Fragebogen zu aktuellen und früheren Knochenbrüchen aus. Die Angaben wurden dann zu Körpergröße, Körpergewicht und dem Body Mass Index in Beziehung gesetzt. Fast sieben Prozent der Frauen erlitten während der Zeit einen Knochenbruch. Ein wichtiger Einflussfaktor in der Studie war der BMI, der aus dem Körpergewicht in Kilo geteilt durch das Quadrat der Körpergröße in Meter bestimmt wird. Als Normalwert gelten 18,5 bis 25,0 kg/m2.

Untergewicht als Risikofaktor

Je niedriger der BMI war, desto häufiger traten Wirbelkörperbrüche, Schenkelhalsbrüche und Unterarmbrüche auf. “Untergewicht ist ein Risikofaktor für Osteoporose und begünstigt osteoporotische Brüche”, so Professor Pfeilschifter, Mituntersucher der GLOW-Studie und Mitglied im Beirat der Sektion Osteologie der Deutschen Gesellschaft für Endokrinologie. Interessant ist auch die Beobachtung der GLOW-Studie, dass die Körpergröße einen Einfluss auf das Knochenbruchrisiko hat. “Bei Oberarm-, Schulter- und Schlüsselbeinbrüchen zeigte sich, dass das Risiko mit einer höheren Körpergröße – anders als eigentlich erwartet – abnahm”, sagt Professor Pfeilschifter.

Bei Übergewicht längere Heildauer

Bei den Frauen mit einem BMI größer 30 waren osteoporotische Brüche in der GLOW-Studie zwar etwas seltener als bei den Frauen mit einem BMI zwischen 18,5 und 30. Die Zahl aller Knochenbrüche war in beiden BMI-Kategorien aber ähnlich hoch, da mit steigendem Körpergewicht Brüche anderer Knochen, vor allem Knöchelbrüche, häufiger auftraten. Bei den übergewichtigen Frauen war auch die durchschnittliche Dauer eines Krankenhausaufenthalts bei einem Bruch länger als bei den normalgewichtigen Frauen. Außerdem nimmt bei einem Übergewicht das Risiko für Diabetes und Herz-Kreislauf-Erkrankungen zu“, sagt Professor Schatz. Optimal zur Vermeidung von Knochenbrüchen scheint somit ein normaler Body Mass Index zu sein. Professor Schatz rät schlanken Frauen nach den Wechseljahren, sich ihres zusätzlichen Risikos bewusst zu sein und deshalb rechtzeitig eine Risikoabschätzung für eine Osteoporose vornehmen zu lassen.

Originalpublikation:

Relationship of Weight, Height, and Body Mass Index with Fracture Risk at Different Sites in Postmenopausal Women: The Global Longitudinal study of Osteoporosis in Women (GLOW); Juliet E Compston et al.; Journal of Bone and Mineral Research 2013; doi: 10.1002/jbmr.2051

43 Wertungen (3.65 ø)

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3 Kommentare:

Dr. Christina Schlumbohm
Dr. Christina Schlumbohm

Ok, dass Körpergröße einen signifikanten Einfluss hat wusste ich noch nicht,
ansonsten ist der Zusammenhang zwischen Gwicht und Osteoporoserisiko doch schon relativ lange bekannt.

#3 |
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Und der Storch bringt die Kinder – so jedenfalls das Ergebnis der Studie aus Südschweden, die abnehmende Zahl der Störche korrelierte mit sinkenden Geburtenrate. macht natürlich Spaß mit Hilfe eines Fragebogenprotokolls, versandt an 50 000 postmenopausale Frauen, und eines Großrechners Zusammenhänge zu beschreiben, die konstruiert und dann begründet werden können. Ich weiß ja nicht, wer sich hinter der AG der Wissenschaftlichen Medizinischen Fachgesellschaften verbirgt, aber der Titel verspricht mehr als hier widergegeben ist. Wenn wirklich um eine wissenschaftliche Fachgesellschaft diesen Artikel geprüft und freigegeben hat, dann steht es um die Wissenschaft in Deutschland schlecht.

#2 |
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Sehr oberflächlich von einem “Sprecher der DGE” und daher für den Einzelfall nicht hilfreich.
Der Zusammenhang mit dem Körpergewicht ist geschlechtsunabhängig.
Ein BMI von 18,5 im Alter ist NICHT normal, (für Männer in jedem Alter,) sondern eindeutig Untergewicht und generell mit einer VERMINDERTEN Lebenserwartung assoziiert.
Vor allem verwundert bei einem “Ernährungsmensch” die Nicht-Berücksichtigung von kausalen Ernährungsfaktoren wie Vit.D, Calcium und Eiweiß. Dann hätten wir wenigstens einen nützliche Vorsorgeaspekt. Hier hat die DGE Nachholbedarf.

mfG

#1 |
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