Comeback eines Revolverhelden

9. Januar 2008
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Früher war er berühmt berüchtigt, heute nehmen ihn viele Bewerber dankend an - den sagenumwobenen Medizinertest. Es gibt ihn wieder in Baden-Württemberg und er ist eine Chance für viele, nun doch noch einen heiß begehrten Medizinstudienplatz zu erkämpfen. Feuer frei!

Am 19. Mai 2008 wird an über 20 verschiedenen Orten Deutschlands zum zweiten Mal der TMS (Test für medizinische Studiengänge) stattfinden, ein Multiple-Choice-Test, der die Studierfähigkeit prüfen soll. Er kann bei gutem Ergebnis die Abiturnote aufwerten, sodass man seine Chance auf eine Medizin-Studienplatz an den Unis Baden-Württembergs (Freiburg, Heidelberg, Mannheim, Tübingen,
Ulm) und an der Uni Lübeck erhöhen kann.

Einen Medizinstudienplatz, bitte!
Bisher hatte man entweder einen sehr guten Notendurchschnitt oder man wartete vier Jahre auf den Platz. Selbst wer einen guten Zweierschnitt besaß, hatte außer per Losverfahren kaum eine Chance, Medizin zu studieren. Der Test soll nun denen helfen, die nur knapp den Studienplatz verpasst haben.
Tatsächlich kann man seinen Abiturnotendurchschnitt um 0,5 Punkte verbessern, wenn man zu den besten 10 Prozent gehört. Wer ein schlechtes Testergebnis erzielt, hat dadurch keine Nachteile, behält es aber ähnlich einem Abiturzeugnis ein Leben lang. Da man am Test nur einmal teilnehmen kann, ist es sinnvoll, sich gut vorzubereiten.

Zu wenig Zeit, zu viele Aufgaben
Am Tag des TMS werden die Köpfe rauchen. Der Test dauert einen ganzen Tag und enthält Aufgaben, die Merkfähigkeit, Textverständnis, naturwissenschaftliche Grundlagen, Interpretation von Diagrammen und Konzentration abfragen. Die Prüflinge haben pro Aufgabenblock nur wenig Zeit. Nachdem ein Signalton ertönt ist, müssen sie den nächsten Block anfangen – egal, ob sie fertig geworden sind oder nicht. Diese stressige Prüfungssituation ist vergleichbar mit Testaten und Prüfungen im Studium. Wer sie meistert, hat auf jeden Fall einen Stein im Brett.

Ein bunter Mix aus kniffligen Fragen
Auf der offiziellen Seite des TMS-Veranstalters gibt es eine Informationsbroschüre mit einigen Übungsaufgaben. Das Multiple-Choice-Format ist Medizinstudenten alles andere als ein Fremdwort, jedoch ist dieser Fragetyp für Neulinge auf dem Gebiet sich erst einmal gewöhnungsbedürftig.
In manchen Fragen wird das räumliche Vorstellungsvermögen gefordert – zum Beispiel soll man im Kopf eine Schraube im Raum drehen. Weiterhin muss man Aufgaben zum naturwissenschaftlichen Verständnis lösen, die vor Fachwörtern nur so wimmeln. So werden Fragen zu Röntgendichten, kolloidosmotischen Drücken und Hemisphären und Thyroidhormonen gestellt. Dies erfordert für jene, die noch nichts mit der Thematik zu tun hatten, gründliches Eindenken.
Dann folgen Matheaufgaben mit Plasmahalbwertszeiten und Physikformeln. Als letztes muss man sich Fakten zu fiktiven Patienten merken – Name, Alter, Beruf und Diagnose. Ziel ist es, sich die Daten der Patienten für einige Stunden im Kopf zu behalten und dann wiederzugeben. Positiv fällt auf, dass die bunt durcheinander gewürfelten Aufgaben größtenteils einen klaren Bezug zum späteren Studium haben.

Anspruchsvoll, aber nicht unmöglich
Für die Aufgaben müssen Nicht-Mediziner schon ein wenig überlegen, aber sie sind nicht unlösbar! Wem das Vorbereiten auf den Medizinertest viel zu aufwendig und zeitraubend scheint, dem wird das Medizinstudium auch nicht besonders gefallen. Und der Test kann die Fähigkeit zum Medizinstudium vielleicht etwas objektiver beurteilen als die Abiturdurchschnittsnote. Ideal wäre natürlich, ein Test-Medizinstudium für zwei Wochen anzubieten, aber da das nicht geht, ist der TMS eine gute Alternative.

Wie kann man sich vorbereiten?
Den Sprung ins kalte Wasser kann die kostenlose Infobroschüre auf der offiziellen TMS-Homepage abfedern. Sie enthält Beispielaufgaben, wichtige Hinweise zum Test sowie Tipps zum Lösen der Aufgaben. Außerdem werden auf der Homepage zwei Bücher empfohlen, die ältere Originalversionen des Tests mitsamt Lösungen enthalten. Laut dem TMS-Anbieter tragen kommerzielle Kurse, die zu überteuerten Preisen angeboten werden, nicht dazu bei das Testergebnis zu verbessern, sondern führen nur zu einem Loch im Geldbeutel.

Fazit- empfehlenswert!
Wer den Test gemeistert hat, kann das Resultat zusammen mit dem Abiturzeugnis zur ZVS (Zentralstelle für die Vergabe von Studienplätzen) schicken. Sie regelt bei zulassungsbeschränkten Studiengängen, wer einen Studienplatz an der Uni bekommt. 40% der Plätze werden über Abiturnote und Wartezeit vergeben, 60% über das AdH (Auswahlverfahren der Hochschulen). Dabei können die Hochschulen selbst entscheiden, anhand welcher Kriterien die Bewerber ausgewählt werden. Im AdH der Unis in Baden-Württemberg spielt der TMS eine Rolle. Die Gewichtung der Kriterien entscheidet jede Fakultät selbst und ist auf der jeweiligen Homepage nachzulesen. Für das Auswahlverfahren ist der Test keine Pflicht. Empfehlenswert ist er dennoch – man hat nämlich nichts zu verlieren.

TMS- ein Konzept für ganz Deutschland?
Beim ersten Durchlauf im Mai nahmen über 7000 Abiturienten aus ganz Deutschland teil. Erst neulich hat sich die Universität Lübeck dazu entschieden, den TMS als ein zusätzliches Kriterium fürs AdH aufzunehmen. Während Baden-Württemberg auf den TMS setzt, finden an anderen Universitäten persönliche Auswahlgespräche statt. Man hat nun mehr Möglichkeiten, einen Medizinstudienplatz zu ergattern und hoffentlich wird diese Idee immer mehr umgesetzt!

Für alle Medizinanwärter alle wichtigen Infos im Überblick
Bis zum 15. Januar kann man sich online für den TMS am 19. Mai anmelden. Für eine endgültige Anmeldung sind 50 Euro fällig. Der Test findet zeitgleich an mehreren Orten statt, dabei kann man einen Wunschort angeben.

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