Böhnchens zweite Karriere

24. Januar 2008
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Auf teure Lipid- und Cholesterinsenker kann bald womöglich mancher Patient verzichten: Der tägliche Konsum einer halben Tasse Pintobohnen senkt Cholesterinspiegel und Lipidwerte um rund 10 Prozent. Der Ansatz war immer wieder diskutiert worden - jetzt liefert das Human Nutrition Research Center des US-Landwirtschaftsministeriums eine Studie als Beleg.

Die Akquise erfolgte via Internet und in Zeitungsannoncen, um an dieProbanden heranzukommen setzten die Forscher um Philip G. Reeves aufdie Überzeugungskraft der Medien. Am Ende hatten dieErnährungsmediziner vom Human Nutrition Research Centerin Grand Forks das, was sie für eine bis dahin nie praktizierte Studiebenötigten: 40 Männer und ebenso viele Frauen, die sich im Dienste derMedizin bereit erklärten, ihre gewohnten Essgewohnheiten aufzupeppen -durch den Konsum von Pintobohnen.

Dass die zu den Leguminosen gehörenden Hülsenfrüchte effektiv zur Senkung der Lipid– und Cholesterinspiegelbeitragen können, ist seit langem bekannt. Doch bislang verschreibennicht nur amerikanische Ärzte entweder teure Präparate aus denPipelines der großen Pharmahersteller, oder aber, bei Patienten mit nurleicht erhöhten Blutfett-Werten, die Pendants aus dem Arsenal derPhytopharmaka.

Bohne statt Hühnersuppe

Es geht womöglich deutlich günstiger, wie das Team um Reves nun im angesehenen Fachblatt Journal of Nutritionaufzeigt. Schon die Einnahme von 1 bis 4 Pintobohnen-haltigenVorspeisen bei anschließend vollkommen normaler Kost und nach Beliebender Studienteilnehmer brachte gegenüber der Kontrollgruppe, die mitHühnersuppe als Entreé vorlieb nehmen musste, signifikante Besserungender beobachteten Serum HDL und LDLWerte zu Tage. “Die Studie belegt, dass der Konsum von Bohnen jeneLipidprofile im Organismus begünstigt, die das Risiko kardiovaskulärerErkrankungen senken”, folgern daher die Forscher.

Tatsächlich gilt die Schlagkraft der winzigen Cholesterinsenker alsbeachtlich, schon 130 Gramm am Tag führen zu der erhofften Wirkung. Vorallem die Tatsache, dass Risikopatienten an keinerlei Diät gebundensind, scheint viel versprechend. Zwar sollte die Kost möglichstFettfrei sein, wie Reeves und seine Kollegen schreiben. Doch aufweitere Essgewohnheiten mussten die Probanden nicht verzichten – auchbei klassischen Cholesterinsenkern empfehlen Ärzte nicht unbedingt dasEisbein mit Sauerkraut als Beilage.

In Amerika Show, in Deutschland etwas trockener

Warum die bunten Samen eine derartige cholesterinsenkende Wirkungentfalten, ist nicht genau geklärt. Jedoch geht man davon aus, dass derhohe, rund 15-Prozentige Anteil an Ballaststoffen massiv in diebiochemische Fabrik des Körpers eingreift. Auf diese Weise kommt esüber eine ganze Reihe von Prozessen schließlich zur vermehrtenAusscheidung von Cholesterin und dessen Vorläufersubstanzen, vorwiegendGallensäuren, mit dem Stuhl.

Die Bohnenoffensive der Amerikaner ist indes kein Einzelfall. Auch das Institut für Ernährungswissenschaften der Universität Jenasuchte im Sommer 2007 Frauen und Männer zwischen 18 und 45 Jahren “ausJena und der näheren Umgebung”. Sie sollten “im Rahmen einerwissenschaftlichen Studie bereit sein, über acht Wochen täglich 25 geines Testballaststoffes zu verzehren” – wenn auch nicht als pureBohne.

Das “geschmacksneutrale Pulver” besteht aus Hülsenfruchtstoffen “undkönnte eine positive Wirkung bei zu hohen Cholesterin- undBlutfettwerten haben”, wie die Forscher betonten. Doch im Vergleich zuReeves, der sogar im TV für sein Projekt und damit ausreichend vieleStudienteilnehmer warb, setzten die deutschen Forscher auf diehierzulande übliche, eher trockene Lockvariante zum eigenenHülsenefrüchte-Projekt: “Die Studie ist Teil des Forschungsprojektes FibreFood zum Thema 'Analyse der Gallensäurenbindung von Leguminosenfasern zur Entwicklung cholesterinsenkender Lebensmittel'”.

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