Korotkoff revisited

25. Januar 2008
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Blutdruckmessen ist in Zeiten von Dickleibigkeit und Bewegungsarmut Volkssport. Aber nicht jedes Sportgerät ist hilfreich und gut. Die Stiftung Warentest hat jetzt 15 Blutdruckmessgeräte getestet - viele fallen durch.

Bluthochdruck ist eine Volkskrankheit, bei der sich immer mehr Patienten nicht mehr ausschließlich auf den Arzt verlassen wollen. Genaue Zahlen gibt es nicht, aber Experten schätzen, dass alleine in den deutschsprachigen Ländern jährlich bis zu zwei Millionen Blutdruckmessgeräte für die Selbstmessung in den eigenen vier Wänden erworben werden.

Geld allein macht nicht glücklich – auch nicht beim Blutdruck

Anders als der Arzt, der sich in seiner Praxis seit rund einhundert Jahren beim Blutdruckmessen auf Manschette und Stethoskop verlässt, arbeiten Heimmessgeräte in der Regel nicht nach dieser klassischen Messmethode, die von den Herren Riva-Rocci und Korotkoff eingeführt wurde. Stattdessen kommen oszillometrische Techniken zum Einsatz, bei denen der systolische und diastolische Blutdruck aus dem arteriellen Mitteldruck und den an Oberarm oder Handgelenk aufgezeichneten Gewebeschwingungen errechnet wird. Die oszillometrische Technik ist nicht zwangsläufig schlechter. Aber wie die Stiftung Warentest jetzt festgestellt hat, gibt es doch weiterhin erhebliche Unterschiede zwischen den Geräten, vor allem bei der Messgenauigkeit und beim Preis. Im Vergleich zu den älteren Geräten, die vor zwei Jahren untersucht wurden, ist die Messgenauigkeit im aktuellen, 15 Geräte starken Testfeld sogar etwas schlechter geworden: Nur sechs Geräte erhielten die Gesamtnote “gut”, wobei es insgesamt keine Unterschiede gab zwischen Oberarmmessgeräten und Handgelenksgeräten. Die gute Nachricht für die Verbraucher ist, dass der Preis kein Kriterium für die Qualität der Blutdruckmessung ist. “You get what you pay for” – bei Blutdruckmessgeräten gilt dieser Satz nicht.

Testsieger wurde mit einer Gesamtnote von 2,3 das Handgelenksgerät boso medistar S, das in Sachen Messgenauigkeit und Handhabung zu überzeugen wusste und mit einem Preis von 29,- Euro geradezu ein Schnäppchen ist. Noch günstiger kommen die Geräte Happy Life (18,- Euro), AEG BMG 4906 (25,- Euro), Sanitas SBM06 (11,- Euro) und Rossmann ibp A40, die die Tester jedoch nicht überzeugen konnten. Hier gab es viermal die Note vier – ausreichend, wobei jeweils Bedienung und Messgenauigkeit moniert wurden. Auch bei den generell teureren, weil größeren Oberarmgeräten hilft der Preis nicht weiter. Sieger mit einer Gesamtnote von 2,3 wurden in dieser Kategorie die beiden Geräte aponorm by microlife und boso medicus family, die mit jeweils 79,- Euro zu Buche schlagen. Das immerhin 100,- Euro teure Omron M9 Premium fiel mit “ausreichend” genauso durch wie das günstigere Beurer BM16 zu 46,- Euro.

Neue Geräte: Korotkoff revisited

Wie andere technische Gerätschaften entwickeln sich auch die Blutdruckgeräte immer weiter. Zu den Neuheiten der aktuellen Gerätegeneration zählt unter anderem eine so genannte Mittelwertsmessung, die das aponorm by microlife fakultativ zur Verfügung stellt. Dabei wird dreimal statt nur einmal gemessen, und der Wert wird dann automatisch gemittelt, ohne dass die drei Einzelmessungen angezeigt werden. Das dürfte eine höhere Messgenauigkeit bringen, die allerdings mit einer längeren Messdauer von zwei Minuten erkauft wird. Zum Teil besitzen die Geräte auch schon vorgefertigte Schnittstellen, über die die Messdaten in elektronische Akten eingespeist werden können. Im Test traf das unter anderem auf den Omron M9 Premium zu. Nicht getestet, aber ebenfalls “E-Health”-tauglich sind beispielsweise die Geräte A&D UA-767 plus BT und IEM bluetooth Stabil-O-Graph, die ihre Messwerte per Bluetooth an ein Modem funken können.

Ebenfalls nicht im Test, aber dennoch spannend, ist das neue Gerät Tensoval duo control von Hartmann. Es handelt sich dabei um einen bewussten Schritt zurück nach vorn: Das Gerät beherrscht sowohl die Oszillometrie als auch die klassische und sehr genaue Korotkoff-Messung, die entsprechend auch als Primärmessung zum Einsatz kommt. Das ganze soll die Messgenauigkeit erhöhen, und es ist in jedem Fall ein schönes Beispiel dafür, dass Alter nicht gleichbedeutend mit altmodisch sein muss.

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