Neue Präzisionswaffe bei Krebs

31. Januar 2008
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Es war eine kleine Sensation und womöglich der erste Schritt zu neuen Verfahren in der Onkologie: Am gestrigen Mittwoch setzten Mediziner am Universitätsklinikum Magdeburg erstmals offiziell einen offenen Hochfeld-MRT im Kampf gegen den Krebs ein.

Tatsächlich scheint die Idee, neben den klassischen Methoden wie Chemotherapie oder Operation zunehmend mikrotherapeutische Verfahren einzusetzen, viel versprechend. Der Clou: Bei dieser Methode nutzt der Arzt bildgebende Verfahren, um feinste Werkzeuge in den Körper des Patienten einzubringen und direkt in den Tumor zu platzieren. Dort entfalten sie dann ganz gezielt ihre Wirkung – zum Beispiel, indem sie die Tumore bestrahlen oder durch Hitzezufuhr veröden. Aufgrund der hohen Zielgenauigkeit mikrotherapeutischer Eingriffe wird umliegendes Gewebe bei der Behandlung weitgehend geschont. Nicht wirklich neu, doch bewährt.

Hochpräzise Krebsoperation

In Magdeburg ging es gestern um weitaus mehr. Denn das völlig neuartige MRT-Gerät bietet den für die Eingriffe notwendigen freien Zugang zum Patienten – und ebnet damit den Weg zum synergetischen Arbeiten. “Durch seine offene Bauweise bietet es uns Ärzten den für die Eingriffe erforderlichen freien Zugang zum Patienten”, erklärt Jens Ricke, Direktor der Klinik für Radiologie und Nuklearmedizin am Universitätsklinikum Magdeburg, das Prinzip.

Was den Operateur in Zukunft genau erwartet, war dann auch live zu sehen. Am Beispiel der bildgeführten, vormals CT-gesteuerten Brachytherapie demonstrierten die Docs die wahre Macht des Supergerätes. Mit beachtlichem Resultat: Das Verfahren kann Tumore und Metastasen lokal zerstören.

Die so genannte interstitielle Brachytherapie kommt in Magdeburg als Bestrahlung durch eine perkutan eingebrachte Strahlenquelle in Kapselform zum Einsatz. Vor allem zur Verödung von Metastasen, die sich in Leber, Lunge oder Lymphknoten gebildet haben, setzten Ärzte von der Klink für Radiologie und der Klinik für Strahlentherapie das Verfahren gemeinsam ein. “Weitere Studien zeigen jedoch auch für die Behandlung von primären Leberzell-, Gallengangs- und Nierenzelltumoren viel versprechende Ergebnisse”, war gestern in Magdeburg zu hören, und: statt des herkömmlichen CT könnte in Zukunft das MRT als Auge des Operateurs fungieren.

Es geht um Feinarbeit

Zunächst legt der Radiologe unter lokaler Betäubung und Bildkontrolle Katheter an definierte Positionen im Tumor. Über diese werden anschließend nach ausführlicher dosimetrischer Planung durch den Strahlentherapeuten die mit radioaktivem Iridium192 beladenen Kapseln in den Körper eingebracht. Nach der genauen Platzierung und Bestrahlungsplanung gibt das Iridium 192 für wenige Minuten eine exakt definierte, hoch dosierte Strahlung an den Tumor ab. Und, das ist das Novum auf Grund des genauen Blicks ins Körperinnere: Die hohe Präzision der Bestrahlung verschont umliegendes Gewebe weitgehend. Ohne MRT ließe sich die Methode zwar in ähnlicher Form ebenfalls stemmen – aber weitaus weniger genau, und unter zusätzlicher Strahlenbelastung für den Patienten.

Erst seit kurzem und weltweit erstmalig werden derartige Eingriffe am Universitätsklinikum Magdeburg mithilfe des jetzt offiziell präsentierten offenen Hochfeld-Magnetresonanztomographen (MRT) gesteuert. Dass sich im Rahmen des Entwicklungsprojektes, das die Klinik für Radiologie und Nuklearmedizin gemeinsam mit Philips, dem Hersteller des MR-Scanners, ins Leben gerufen hat, neben dem Einsatz etablierter mikrotherapeutischer Verfahren auch neue Eingriffe vorantreiben lassen, scheint für die Magdeburger nur eine Frage der Zeit.

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