GandHI, voll im Trend!

5. Februar 2008
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In Anlehnung an den berühmten Menschenrechtler Mahatma, ist GandHI für Medizinstudenten das, was "Ärzte ohne Grenzen" für Vollapprobierte darstellt. Die Initiative des bvmd bietet zahlreiche Möglichkeiten, sich ausführlich rund ums Thema "Global Health" zu informieren und bei Interesse auch zu engagieren.

Das Projektspektrum von GandHI (Globalisation and Health Initiative) ist breit gefächert – von Menschenrechten über Entwicklungshilfe bis zu Tropenmedizin. Die hohe Motivation der ehrenamtlich teilnehmenden Studenten ist ein Garant für den Erfolg und die Beliebtheit des Projektes.

Um uns ein genaueres Bild von diesem Global Health-Projekt zu machen, hat sich der stellvertretende Bundeskoordinator für Öffentliche Gesundheit und Prävention, Kayvan Bozorgmehr, den Fragen von medizinstudent.de gestellt.

MS: Hallo Kayvan! Danke, dass du dir die Zeit genommen hast, unsere Fragen zu beantworten. Das studentische Projekt GandHI gibt es erst seit Kurzem. Was kannst du uns über die Entstehungsgeschichte und das Ziel von GandHI erzählen?
Kayvan Bozorgmehr:
Global Health betrachtet politische, soziale und ökonomische Determinanten der Gesundheit in einem globalen Kontext. Leider ist es keineswegs genügend im medizinischen Curriculum verankert. Die soziale Ätiologie vieler Krankheiten und Wechselbeziehungen zwischen Gesellschaft und Gesundheit werden kategorisch außer Acht gelassen. Dies gilt nicht nur für Infektions- und Tropenkrankenheiten sondern auch für chronische Krankheiten, die den globalen Norden betreffen.
Aus diesem Grund wurde GandHI im Frühjahr 2006 von Teilnehmern eines Tropenmedizin-Workshops in Würzburg gegründet. Diese engagierten Studierenden wollten ihr Wissen auf diesem Gebiet gerne weitergeben und den Mangel an Global Health-Kursen in der deutschen Hochschullandschaft kompensieren. Die "Gründer" sind auch bis heute noch aktiv bei GandHI dabei.

MS: Kannst du bitte erklären, warum globale Gesundheit auch die Medizinstudenten in Deutschland betrifft?
Kayvan Bozorgmehr:
Die Globalisierung – damit meine ich die politische und ökonomische – ist schon lange auch im deutschen Gesundheitswesen spürbar. Insbesondere ist es wichtig, die zukünftigen Akteure im Gesundheitswesen, d.h. die zukünftigen Ärztinnen und Ärzte, mit entsprechendem Know How zu diesen Themen auszurüsten. Sei es der zunehmende Wettbewerbsdruck, der Brain Drain (Fachkräfteabwanderung) junger Wissenschaftler und Ärzte oder die Frage nach dem Umgang mit Patentrecht von Medikamenten in Entwicklungsländern – in allen Bereichen ist viel Diskussionsbedarf. Auch die globale Mobilität von Menschen und somit auch von Krankheiten, internationale Konflikte und Migration oder die weltweite Herausforderung der HIV-Pandemie spielen eine Rolle. All diese und noch viel mehr Themen sind es, die auch Deutschland in besonderem Maße betreffen.
Weiterhin spielt Deutschland eine wichtige Rolle in Institutionen und Organisationen, die einen großen Beitrag zur Lösung verschiedenster Probleme leisten könnten – sei es auf politischer, wirtschaftlicher oder wissenschaftlicher Ebene. Dies ist eine große Chance für Nachwuchs-Wissenschaftler.

MS: Auf welchem Weg wollt ihr den Studenten das nötige Wissen vermitteln?
Kayvan Bozorgmehr:
GandHI organisiert interaktive Workshops zu Themen aus dem Bereich globale Gesundheit nach dem Motto "von Studierenden für Studierende". Sie finden in der Regel zweimal im Jahr statt. In den Seminaren werden aktuelle und grundsätzliche Themen zur Globalen Gesundheit behandelt. Sie dienen als Anregung zum Nachdenken und Nachfragen, als Plattform für aktive Meinungsbildung, um Ideen auszutauschen und unterschiedliche Ansichten zu diskutieren.
Themen sind unter anderem internationale Handelsbeziehungen, Migration, humanitäre Hilfe, internationale Organisationen und Akteure im Gesundheitswesen, Gesundheitssysteme und das Patentrecht.

MS: Spätestens bei einer Famulatur in einem der Schwellen- oder Entwicklungsländer muss sich ein Medizinstudent mit der Global Health-Thematik auseinandersetzen. Warum ist dies so wichtig?
Kayvan Bozorgmehr:
Intensive Beschäftigung mit der Kultur, den Gepflogenheiten und den Sitten des jeweiligen Landes sind unabdingbar für einen erfolgreichen Kontakt zu Patienten und Kollegen. Informationen über Geschichte und eventuelle Konflikte können helfen, die Einstellungen der Menschen leichter zu verstehen. Wissen über das Gesundheitssystem hilft Mängel und Vorgehensweisen aus einer anderen Perspektive zu sehen.
Wichtig für ein gutes Miteinander ist es, dass man die lokal angewandten Therapien oder Medikationen nicht von oben herab kritisiert, sondern man sollte versuchen, die Gründe für – aus europäischer Sicht – inkorrekte Vorgehensweisen (warum dieses und nicht jenes Medikament?) zu verstehen.

MS: Wie kann ich ein Miteinander mit den Einheimischen fördern und mich auf die dortigen Gegebenheiten einstellen?
Kayvan Bozorgmehr:
Man kann sich über TriKont-Seminare auf den Aufenthalt in einem der drei Kontinente Südamerika, Asien und Afrika vorbereiten. Dort werden den Studenten hauptsächlich Reisempfehlungen an die Hand gegeben. Weitreichender sind jedoch unsere GandHI Seminare, in denen z.B. Wissen über Basisgesundheitsversorgung, Ursachen von Armut und Krankheit und die Bedeutung von Privatisierung im Gesundheitswesen in Entwicklungsländern vermittelt werden.

MS: Bestimmt hat das Interview das Interesse einiger Leser geweckt. Wie kann man denn bei GandHI mitmachen?
Kayvan Bozorgmehr:
Unser Projekt ist offen für engagierte und motivierte Studierende, die Lust haben mitzumachen und aktiv zu werden. Wer Interesse für die sozialen Einflüsse auf die Gesundheit und globale Medizin hat, ist bei GandHI genau richtig.

MS: Vielen Dank für das informative Gespräch!

Weitere Infos
Wann und wo Seminare zu Global Health und Vorbereitungskurse für die Auslandfamulatur stattfinden, könnt ihr hier nachlesen. Dort findet ihr genaue Beschreibungen der einzelnen Workshops und der anderen Projekte sowie Kontaktdaten.

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