Nicht zum Lachen

5. Februar 2008
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Weltweit ist Lachgas das am häufigsten verwendete Narkosemittel, obwohl es immer wieder mit Zwischenfällen in Zusammenhang gebracht wird. Eine neue Studie erklärt, warum Patienten eines bestimmten Genotyps mit Komplikationen rechnen müssen. Die Forscher wurden für ihre Arbeit mit dem "Elmer Zsigmond-Award" ausgezeichnet.

Ein amerikanischer Zahnarzt aus Hartford in Conneticut hat es angeblich zum ersten Mal eingesetzt: Seit 1844 hat Lachgas als Narkosemittel in der Anästhesie in Verwendung. Verglichen mit modernen Anästhetika wäre Stickstoffmonoxid wie Chloroform und Äther eigentlich entbehrlich, dennoch ist Lachgas das am meisten verwendete Narkosegas weltweit. Immer noch halten viele Anästhesisten am N2O fest, obwohl es immer wieder wird es mit perioperativen Zwischenfällen in Verbindung gebracht wird. Sein Stellenwert ist nicht zu unrecht umstritten, wie eine neue Studie beweist: Besonders Patienten mit einer homozygoten Mutation im MTHFR-Gen (Methylen-Tetrahydrofolat-Reduktase) haben bei Lachgasnarkosen ein höheres Risiko für Komplikationen.

Studie mit pharmakogenetischer Erklärung

Zu diesem Ergebnis kommt eine Forschergruppe aus Wien: Univ. Prof. Dr. Peter Nagele von der Universitätsklinik für Anästhesie, Allgemeine Intensivmedizin und Schmerztherapie ging gemeinsam mit Univ. Prof. Dr. Manuela Födinger vom Klinischen Institut für Medizinische und Chemische Labordiagnostik an die Studie "Influence of Mutations in the MTHFR Gene on Homocysteine Levels after Nitrous Oxide Anesthesia". Im Zuge der Untersuchung konnte erstmals gezeigt werden, dass Patienten mit einer homozygoten Mutation im MTHFR-Gen nach einer Lachgasnarkose deutlich höhere Werte der Aminosäure Homozystein entwickeln, als Patienten ohne diese Mutation. Die Studie lieferte erstmals eine pharmakogenetische Erklärung für das Komplikationsrisiko bei Lachgasnarkosen.

Risikofaktor Homocystein-Spiegel

Homocystein ist einNebenprodukt des Aminosäure-Stoffwechsels. Es gilt als unabhängigerRisikofaktor für Herz-Kreislauferkrankungen, Atherosklerose, venöseThrombosen, die periphere arterielle Verschlusskrankheit, Schlaganfallund Schwangerschaftskomplikationen. Bei einer Reihe von Erkrankungenwurde ein Zusammenhang mit einem erhöhten Homocysteinspiegelfestgestellt. Homocystein wird im Körper aus Methionin gebildet,welches mit der Nahrung zugeführt wird. Normalerweise wird es schnellabgebaut, dafür benötigt der Organismus jedoch Vitamin B6, B12 undFolsäure. Erhöhte Homocystein-Werte sind daher entweder auf Folsäure-oder Vitaminmangel, aber auch auf genetische Ursachen zurückzuführen.

Lachgas erhöht Homocystein-Spiegel und hemmt Enzyme

Nagele schloss in seine Arbeit 140 ASA I-II Patienten mit einer 12%-igen Prävalenz für eine homozygote Mutation der MTHFR-Allele ein. Die Studiengruppe war für orthopädische Operationen vorgesehen. Alle Patienten erhielten ein standardisiertes Anästhesie-Regime einschließlich 66% Stickstoffmonoxid. Laborkontrollen erfolgten vor Beginn der Lachgasnarkose, nach zwei Stunden und am Ende des chirurgischen Eingriffs. Nagele identifizierte sechs verschiedene Kombinationen der MTHFR-Mutation. In allen sechs Gruppen führte die Belastung durch N2O zur nachhaltigen Zunahme des Homocystein-Niveaus und zur Hemmung Vitamin B12-abhängiger Enzyme. Patienten mit einer MTHFR 677C:T-Variante und Patienten mit einer 1298A:C-Mutation wiesen die höchsten Homozystein-Spiegel auf. Für diese Ergebnisse verlieh die "International Society for Anesthetic Pharmacology" Peter Nagele den Elmer Zsigmond Award. Auf Basis dieser Ergebnisse könnten sich in Zukunft Risiken im Vorfeld einer Narkose aufspüren und im Zweifelsfall gegengesteuert werden.

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