Virtuelles Fingerspitzengefühl

5. Februar 2008
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Wie verläuft denn der N. medianus nochmal? Um diese Frage beantworten zu können, schlagen die Heidelberger Medizinstudenten nun nicht nur den Atlas auf, sondern schalten auch den PC ein - der virtuelle Präpsaal hat geöffnet!

Seit dem Wintersemester 07/08 nehmen die zukünftigen Ärzte am Kurs der "Virtuellen Anatomie" teil – frei von Formalingeruch und Gedränge vor den Präptischen. Stattdessen legt der Medizinernachwuchs nun am Bildschirm sämtliche Organe, Arterien, Muskeln und Nerven des Menschen in aller Ruhe und nach eigener Reihenfolge frei.
Das Computerprogramm, das die Studenten dabei benutzen, wurde ursprünglich von den Radiologen der Uni Heidelberg zur Vorbereitung für schwierige Operationen erstellt. Es erlaubt den Blick auf den dreidimensionalen Körper aus beliebigen Winkeln. Zudem kann man kann sogar die Körperhüllen nacheinander abnehmen oder einzelne Organe herausnehmen.

Erste Schritte in Richtung Radiologie
Die Lernenden können nicht nur die Leichen virtuell präparieren, sondern müssen auch Schnittbildern die passende anatomische Bezeichnung hinzufügen oder dem klinischen Gegenstück aus der Radiologie zuordnen.
Die Betrachtung des menschlichen Körpers aus verschiedenen Ebenen ist eine gute Vorbereitung auf die Interpretation von Röntgenbildern in späteren Abschnitten des Studiums und fördert somit die Verknüpfung von Vorklinik und Klinik.

Virtuelle Anatomie – ein Trend?
Auch andere Unis in Deutschland setzen auf die Betrachtung von 3D-Modellen des Menschen am Computerbildschirm. Dabei wird nicht nur die Online-Makroskopie angeboten, sondern viele Fakultäten stellen auch virtuelles Mikroskopieren zur Verfügung. Ein großer Vorteil dieser Angebote ist, dass man das im Mikroskop oder Präpsaal Gesehene zuhause nacharbeiten kann und somit besser für die Prüfung vorbereitet ist.
Aber keine Angst, der klassische Präparationskurs wird nicht abgeschafft! Er ist von keiner Uni wegzudenken, denn den echten Menschen sollte man als zukünftiger Arzt immer noch mit eigenen Augen gesehen haben…

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