Bohren, füllen, Brust abtasten

14. Februar 2008
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Früherkennung beim Zahnarzt? Brustkrebs-Screening beim Friseur? Neue biotechnologische Möglichkeiten zum Nachweis von Tumormarkern eröffnen ungewöhnliche Wege. Vor allem der Speichel könnte in Zukunft eine wichtige Rolle spielen - und dadurch die Früherkennung für jedermann ermöglichen.

Brustkrebserkennung mit Speichel

Der Speichel als diagnostische Bioflüssigkeit hat offensichtlich Konjunktur. Schon heute liefern Speicheltests Daten zum Hormonhaushalt oder werden als Kariesbarometer eingesetzt. Fälschlicherweise wird auch beim DNA-Test von Speichelprobe gesprochen – vielleicht, weil es unverfänglicher klingt? -, tatsächlich handelt es sich aber um einen Abstrich der Mundschleimhaut. In der Forschung wird Speichel seit mehreren Jahren genutzt, um herauszufinden, ob er sich beispielsweise zur schnellen, einfachen und vor allem frühen Diagnose von Krebs eignet. Von Studien über die Früherkennung von Mund-, Hals-, Kopfkrebs, etc. war schon einiges zu lesen. Ganz frisch ist die Veröffentlichung von Zahnärzten und Biochemikern der University of Texas in der Zeitschrift Cancer Investigation, in der sie ihre Studie zur Brustkrebserkennung mit Speichel vorstellen.

Test überprüft Speichel auf Proteinmarker

Die Forscher um Professor Charles Streckfus fanden heraus, dass im frühen Stadium des Brustkrebs eine Veränderung bei den Proteinen im Sekret der Speicheldrüse festgestellt werden kann. In der Studie analysierten sie 30 Speichelproben. Sie fanden 49 Proteine, die sich unterschieden je nachdem, ob der Speichel von einer gesunden Person stammte oder von einer mit gut- oder mit bösartigem Brusttumor. Dieses Ergebnis deute darauf hin, dass anhand bestimmter Proteinmarker im Speichel ein Krebstest möglich ist, so Streckfus. Er und seine Kollegen sind sicher, dass sich die Verwendung oraler Biomarker auch für die Diagnose anderer Krebsarten wie Eierstock- oder Gebärmutterhalstumor eignet. Sie betrachten den Speicheltest als eine Methode neben Mammographie, Ultraschall oder Biopsie.

Wer macht den Test? Zahn- oder Hausärzte?

Die Speichelproben wurden mit McDevitt`s “lab-on-a-chip”-Technologie auf die speziellen Proteinmarker getestet. Ziel ist nun, diese Plattform zu verbessern, damit Zahn- oder Hausärzte, so der Dentalwissenschaftler Streckfus, noch einfacher und effektiver eine Diagnose in ihrer Praxis erstellen können. Am liebsten wäre den Forschern, wenn sich das Diagnose-Gerät auf die Größe eines Handys reduzieren ließe. Offensichtlich hat es heute noch die Größe eines Kühlschranks. Während sich die amerikanischen Kollegen noch in der Vorbereitung zu klinischen Tests befinden, debattieren Englands Experten laut BBC bereits darüber, wo dieser Test nun sinnvollerweise gemacht werden sollte. Beim Zahnarzt oder beim GP (General Practitioner)? Professor Damien Walmsley, wissenschaftlicher Berater bei der British Dental Association schließt nicht aus, dass man eines Tages beim Zahnarzt zu einer ganzen Reihe von Krankheiten gescreent werden kann, inklusive Brustkrebs. Aber: “It`s more likely that the test will be done in specialist centres or by your GP”. Warum nicht der Zahnarzt, fragt dagegen der Forschungsleiter und Dentist Streckfus. Speziell Frauen und Kinder, so begründet er seine Einstellung, gehen öfter zum Zahnarzt als zum Hausarzt. Das ist dann wohl eher eine amerikanische Sicht der Dinge.

Brustkrebs an Haaren erkennen

Fast zeitgleich meldeten australische Forscher, dass sie einen Weg gefunden haben, mit dem anhand von Haaren Brustkrebs im frühen Stadium nachgewiesen werden kann. Dass es einen Zusammenhang zwischen der Haarstruktur und Brusttumoren gibt, ist schon länger bekannt. Aber erst jetzt steht eine spezielle Röntgenmethode zur Verfügung, die aussagefähige Tests erlaubt. Die Diskussion, ob die Brustkrebsdiagnose demnächst beim Friseur stattfinden wird, dürfte sich aber schon wegen der erforderlichen Röntgenstrahlen erübrigen.

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Zahnmedizin

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