Forschungsergebnisse: Illusion des Verstehens

16. Oktober 2013
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Artikel über Burn-out, TV-Beiträge zu richtiger Ernährung oder Dokus zum Thema Alzheimer – immer häufiger werden wissenschaftliche Themen medial thematisiert. Doch die simplifizierte Vermittlung komplexer Inhalte kann bei medizinischen Laien zu einer „Illusion des Verstehens“ führen.

Die vielfältigen medialen Möglichkeiten bieten Forschern eine Plattform, ihre Ergebnisse darzustellen. Besonders medizinische Ergebnisse treffen bei den Bürgern auf großes Interesse aufgrund ihrer Nähe zum eigenen Lebensalltag. Dabei wirft der Umgang mit medizinischen Themen besonders im Internet Probleme auf, wie Studien von Psychologen der Universität Münster unter der Leitung von Prof. Dr. Rainer Bromme zeigen.

In einer Reihe von Experimenten stellten die Psychologen fest, dass die Widersprüchlichkeit von Forschungsergebnissen, wie es in der Wissenschaft nicht ungewöhnlich ist, für Internetnutzer schwer zu verstehen ist. Nutzer, die sich zu Medizinthemen im Internet informierten, konnten widersprüchliche Aussagen innerhalb eines Textes nicht ohne weiteres erkennen. Eine weitere Studie ergab, dass besonders leicht verständliche Wissenschaftsberichterstattung dazu führt, dass die Nutzer ihre eigene Fähigkeit überschätzen, die Glaubwürdigkeit des gelesenen Inhalts beurteilen zu können.

„Durch die Vereinfachung komplexer Sachverhalten entsteht beim Leser eine Illusion des Verstehens“, erläutert Rainer Bromme. Er empfiehlt allen Wissenschaftlern, sich die Kompetenzen der Laien bewusst zu machen. „Beide Studien zeigen, dass Wissenschaftler großen Wert darauf legen sollten, deutlich zu machen, dass wissenschaftliche Ergebnisse nicht allgemein- und endgültige Wahrheiten sind.“

7 Wertungen (3.71 ø)

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4 Kommentare:

Gast
Gast

Und den Heilpraktikern kann man bei Ihrer Arbeit am Menschen auch nicht vorwerfen, sich nicht nach den Regeln der Kunst gerichtet zu haben. Gibt ja auch keine…
Ärzte kann man in diesem Fall aber sehr wohl zur Rechenschaft ziehen…

#4 |
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Gast
Gast

Wer übernimmt denn die Aufgabe, den Patienten als “Laien” diese komplexen und in sich widersprüchlichen Studien im Sinne des “informed consense” zu erklären?
Es gibt Patienten, die wollen aus unterschiedlichen Gründen nicht aufgeklärt werden, was ja auch legitim ist.
Dann gibt es diejenigen Patienten, die sich aus einer großen Zahl komplexer Studien nur diejenigen Kerne herauspickt, die sie hören wollen (Stichwort “Borreliose”, die Krankheit der nicht-neurologischen-Neurologie-Profis).

@”Ein Meinungsträger” #2:
Welchen Vorteil bietet ein Heilpraktiker gegenüber der Selbsttherapie im Internet?

@Gast #1:
Jeder MUSS eigenverantwortlich mit seinem Körper und seiner Gesundheit umgehen. Wenn Sie aber zum Arzt kommen, erwarten Sie zu Recht Beratung und Hilfestellung bei dieser Aufgabe. Und wir MÜSSEN uns in einer modernen Medizin natürlich nach Studien und Forschungsarbeiten richten…alles andere wäre die Aufgabe von Heilpraktikern!

#3 |
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Ein Meinungsträger
Ein Meinungsträger

Meine Erfahrung ist: Habe Bücher oder Internetartikel zu einem Thema gelesen. Bin oft Empfehlungen für Selbsttherapien gefolgt. Habe viel Geld für Natur -und Homoöpathiemittel ausgegeben. Das nüchterne Ergebnis nach 7 Jahren Selbsttherapie? Hier ist es: Erschöpfung, Gereiztheit, Innere Unruhe, Ängste, Panikattacken, Müdigkeit und Depressionen sind noch alle da! Lieber 3000 Euro für Heilpraktiker als 3000 Euro ausgeben um nur sich selbst etwas zu beweisen und am Ende doch mit seinen Symptomen und Krankheiten sitzen zu bleiben. Schuster bleib bei deinen Leisten scheint Heut zu Tage vergessen zu sein. Das Internet vor allem sugeriert wirklich den Eindruck, man könnte sich selbst zum All-Rounder ausbilden!

#2 |
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Gast
Gast

Danke, danke für die Aufklärung!
In manchen Foren werden Ärzte es auch nicht müde (obwohl Sie es mittlerweile werden) daß Studien eine Sache sind, Forschung mit Ihren Ergebnissen Entdeckungen sind und Laien (wie ich es auch bin) sich um sonst bemühen Eigenverantwortlich mit seinem Körper und Gesundheit umzugehen.

#1 |
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