Achtung, Kleingedrucktes!

20. Februar 2008
Teilen

Nach einem kräftezehrenden Studium mit finalem Examensspurt folgt der Schritt ins Arbeitsleben. Der beginnt unter anderem mit dem Unterschreiben eines Dienstvertrags. Wir sagen, worauf man achten sollte.

Examen bestanden, Bewerbungen geschrieben, Vorstellungsgespräche gehabt – und man hat schon die erste Stelle als Assistenzarzt im Visier. Das junge Glück des Assistenzarztes könnte schöner nicht sein, wären da nicht wieder diese ganzen Formalitäten zu regeln. Mit dem angestrebten Antritt der ersten Stelle als Assistenzarzt tut sich die Welt der Dienstverträge auf – und diese kann eng, kryptisch und verwinkelt sein.

Wer? Wie? Was?
Die wichtigste Weiche stellt sich zu Beginn. Über Art, Sinn und Umfang des Dienstvertrages und der Vergütung entscheidet maßgeblich auch, in welchem Krankenhaus man arbeitet. Als große Gruppen lassen sich dabei ausmachen:

  • Unikliniken
  • Kommunale Häuser
  • Kirchliche Krankenhäuser
  • Private Krankenhausträger (z.B. Helios)

In den Unikliniken und kommunalen Häusern ist es durch den Einsatz des Marburger Bundes überschaubar geworden. Hier kann man sich bei dem Studium der Dienstverträge auf die Tarifverträge und Regelungen des Marburger Bundes stützen, an die sich die meisten Häuser halten.
Mehr Vorsicht ist bei Häusern in kirchlicher und privater Trägerschaft geboten. Hier sind die Tarif- und Arbeitszeitmodelle uneinheitlicher. Daher hilft nur das Erfragen und Erforschen. Während einige Arbeitgeber im kirchlichen Bereich nach AVR bezahlen, haben andere ihre ganz speziellen Haustarife. Auch bei den privaten Häusern sind einige Häuser mit Tarifverträgen nach Verhandlungen mit dem Marburger Bund ausgestattet, andere zahlen nach ihren ganz eigenen Vorstellungen.
Vorsicht ist vor allem geboten, wenn es um eine Anstellung über eine Zeitarbeits- bzw. Leiharbeitsfirma geht. Häufig werden hierbei die einem Arzt tariflich zustehenden Rechte unter den Tisch fallen gelassen.

Wieso? Weshalb? Warum?
Vor dem Unterschreiben des Dienstvertrages sollte man sich also auf jeden Fall vergegenwärtigen:

  • Nach welchem Tarif erfolgt die Vergütung? (TVÖD? TV-VKA? AVR? Haustarif?) Gibt es eine Beispielrechnung?
  • Wie werden Dienste vergütet? (Bereitschaftsdienste? Wochenenden?)
  • Werden die Kosten für notwendige Fortbildungen übernommen? (Strahlenschutz?, Sonographie?)
  • Wie viele Urlaubstage sind festgeschrieben?
  • Werden Überstunden erfasst und abgegolten? (Freizeitausgleich? Auszahlung?)
  • Wann und wie erfolgen Höhergruppierungen in die nächste Gehaltskategorie?
  • Ist man über einen Hausvertrag haftpflichtversichert?
  • Wie lange ist die Probezeit? Ist der Vertrag befristet?
  • Gibt es weitere spezielle Regelungen? (Opt-Out? Außervertragliche Zusatzregelungen?)

Wer sich diese Analyse des Dienstvertrages nicht selber zutraut, kann auch arbeitsrechtliche Hilfe zu Rate ziehen. Dazu kann man sich beispielsweise einen Anwalt für Arbeitsrecht suchen oder sich juristischen Beirat vermitteln lassen. Häufig können Finanzberatungsunternehmen, mit denen man vor Dienstantritt meist sowieso in Kontakt steht, hier auch weiterhelfen.

Wer nicht fragt bleibt dumm!
Ist ein Dienstvertrag erstmal unterschrieben, gibt es keinen großen Spielraum. Daher lohnt es sich, vorher zu klären, was einem am Herzen liegt. Dabei sollte man keine falsche Scheu zeigen. Fragen ist nicht nur erlaubt, sondern notwendig.
Für einen erfolgreichen Start ins Berufsleben ist es nicht ausreichend, sich nur in der Medizin aus zu kennen. Letztendlich ist es so, wie einer der Oberärzte aus meinen Famulaturen es formulierte: "Das Krankenhaus ist nicht die Sesamstraße, wartet hier nicht auf Samson".
Also – informiert euch – bemüht euch – lasst euch nicht überrumpeln.

0 Wertungen (0 ø)
Allgemein

Die Kommentarfunktion ist nicht mehr aktiv.

Copyright © 2017 DocCheck Medical Services GmbH
Sprache:
DocCheck folgen: