Apotheker unter Druck: EU mahnt ab

20. Februar 2008
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Die Gerüchteküche brodelt, die Akteure halten sich bedeckt. Schleckers Einstieg in den Arzneimittelversand ist beschlossene Sache. Angeblich basteln auch die deutschen Apotheker an einer eigenen Apothekenkette. Offiziell wird das freilich bestritten.

Die Blauen kommen. Nach Rossmann und dm interessiert sich jetzt auch Schlecker für den Arzneimittelversand per Internet. Der Einstieg ist beschlossene Sache: Über die in den Niederlanden angesiedelte Apotheke Vitalsana wird die Drogeriekette künftig Tabletten an den Mann und an die Frau bringen, zunächst rezeptfreie, später dann auch rezeptpflichtige.

Die EU rüttelt an Fremd- und Mehrbesitz

Der Start allerdings geriet holprig. Von den bei diesem Thema gewohnten Rechtsstreitigkeiten blieb auch Schlecker nicht verschont: Die Internetadresse von Vitalsana musste vorübergehend gesperrt werden, ist allerdings mittlerweile wieder erreichbar. Der Konzern hatte bereits letzte Woche offiziell bekannt gegeben, dass der Versand möglichst noch im Februar starten soll. Zunächst will man sich dabei jedoch auf das Internet beschränken. Erst in einem zweiten Schritt werden, so die Gerichte es erlauben, die Filialen mit einbezogen, wo dann Prospekte ausgelegt und auch Bestellungen entgegen genommen werden sollen. Wie bei Rossmann, dm und dem Großhändler Celesio wird auch hinter dem Engagement von Schlecker der Versuch gesehen, sich für ein künftiges Zeitalter der Apothekenketten rechtzeitig in Position zu bringen.

Ob dieses Zeitalter kommt, wird unter anderem die EU entscheiden. Seit Sommer 2007 läuft vor dem Europäischen Gerichtshof das Verfahren gegen das Fremdbesitzverbot von Apotheken, der so genannte DocMorris-Prozess. Dieses Verfahren alleine kann den Weg zur Kette allerdings noch nicht ebnen, weil es nur um Fremdbesitz (durch Kapitalgesellschaften) geht. Vor zwei Wochen hat sich jedoch außerdem die EU-Kommission zu Wort gemeldet und der Bundesregierung einen Mahnbrief wegen des Mehrbesitzverbots geschrieben. Ein solcher Brief ist der erste Schritt eines Vertragsverletzungsverfahrens, das in einem Ende des Mehrbesitzverbots und damit “in der Kette” münden könnte. Wann Entscheidungen fallen, ist bei der EU traditionell schwer vorherzusagen. Viele Beobachter gehen aber davon aus, dass schon das Jahr 2008 das Jahr der Weichenstellungen werden könnte.

Apotheker verwahren sich gegen Gerüchte über “Kette von unten”

Vor diesem Hintergrund erschien vielen dann auch ein Artikel der Frankfurter Allgemeinen Zeitung von vergangener Woche plausibel, wonach die deutsche Apothekerschaft in Gestalt des Deutsche Apothekerverband (DAV) plane, sich an einem Medikamentengroßhändler zu beteiligen oder diesen zu bilden. Auf diese Weise, so der Artikel, wollten die Apotheker Schlecker, Rossmann, Celesio und Co etwas entgegen setzen können, falls die EU sich mit Blick auf die Apothekenketten durchsetzen sollte. Das Ganze hat ein Modell im Krankenhausbereich, wo sich zahlreiche Einrichtungen, die explizit unabhängig bleiben wollen, schon vor Jahren genossenschaftlich organisiert haben. Allerdings: Die obersten Apotheker bestreiten derartige Pläne vehement. “Wir haben es uns auf die Fahne geschrieben, dass wir die unabhängige, inhabergeführte Apotheke retten wollen, und dabei bleiben wir”, sagte ABDA-Sprecher Christian Splett auf Nachfrage von DocCheck. Nur: Unabhängige Apotheke und Genossenschaft schließen sich nicht aus. Die zahlreichen Kooperationen tun im OTC-Bereich letztlich auch nichts anderes.

Doch die Kritik der Bundesapotheker gilt explizit nicht nur den Apothekenketten, sondern auch anderen Kooperationen: “Wir halten nichts davon, dass sich unabhängige Apotheken Kooperationen anschließen, nur weil das gerade Mode ist. Die Beträge, die dafür gezahlt werden, sind ja auch nicht unerheblich”, so Splett. Keine Kette von unten, keine Großhändlerbeteiligung, keine zentral unterstütze Genossenschaft – das ist der offizielle Stand der Dinge im Februar 2008. Trotz Schlecker.

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