Krebs – total gehemmt

6. März 2008
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Das unlängst entdeckte Protein Vasohibin hemmt die Gefäßneubildung - zumindest bei Hühnerembryonen und in der humanen Zellkultur: Die Zugabe von gereinigtem Vasohibin verhindert die Migration und Kapillarneubildung. Im Zusammenhang mit weiteren Studienergebnissen wird nun seine Wirkung auf Tumore getestet.

Das Wachstum von soliden Tumoren ist abhängig von ihrer Blutversorgung. Daher produzieren viele Neoplasien Faktoren, die das Wachstum von Blutgefäßen, ihre Angiogenese, anregen. Neue Krebstherapien versuchen diesen Prozess zu verlangsamen und dadurch das Wachstum von Tumoren zu hemmen. Wissenschaftler der Medizinischen Universität Innsbruck (Labor für Tumorbiologie und Angiogenese der Klinischen Abteilung für Hämatologie und Onkologie) konnten nun zeigen, dass das Wachstum von Blutgefäßen durch eine neue Vasohibin-Isoform gehemmt wird. Die klonierte Form von Vasohibin ist dabei wesentlich potenter als das bisher bekannte Vasohibin-Protein. Univ.-Doz. Dr. Gerold Untergasser und Univ.-Doz.Dr. Eberhard Gunsilius berichten darüber in der Fachzeitschrift Arteriosclerosis, Thrombosis and Vascular Biology.

Keine Migration und Kapillarbildung

In der Zellkultur hemmt die Überexpression von VASH1A- und B-Protein oder die Zugabe der gereinigten Isoform, das Wachstum, die Migration und die Kapillarbildung von humanen Endothelzellen. Blutgefäße in Hühnerembryonen werden durch das neue Vasohibin ebenfalls destabilisiert. Die Überexpression induzierte die Apoptose in den proliferierenden humanen Fibroblasten, hatte aber keinen Effekt auf das Zellwachstum der Keratinozyten. Im Rahmen des im Dezember bewilligten Exzellenzzentrums für Krebsforschung, ONCOTYROL, wollen die Innsbrucker Forscher nun klären, welche Bereiche des Proteins für die antiangiogenen Effekte verantwortlich sind und welches die Interaktionspartner des neuen Proteins sind. Basierend auf diesen Daten können sie dann kurze Proteinabschnitte (Peptide) synthetisieren und im Tiermodell auf ihre Wirkung an Tumoren testen.

Neuer Marker für Tumorgefäße

Tumorgefäße unterscheiden sich morphologisch und auch in ihrem Proteinexpressionsprofil von normalen Blutgefäßen. Gunsilius hatte bereits im Dezember letzten Jahres mit seinem Team einen wesentlichen Beitrag zur Angiogenese von Tumorerkrankungen beigetragen und einen neuen Marker für Blutgefäße in bösartigen Tumoren entdeckt: Er konnte zeigen, dass Tumorgefäße in bösartigen Tumoren einen bisher nicht bekannten Marker (Dickkopf-3, DKK-3) selektiv exprimieren. Dabei handelt es sich um ein Mitglied einer Familie von Faktoren der Dickkopf-Proteinfamilie, die normalerweise in der Embryonalentwicklung des Menschen eine wichtige Rolle bei der Entwicklung des Kopfes spielen. Im Tiermodell führt die Überexpression dieses Proteins zu einer erhöhten Dichte von Mikrogefäßen in Tumoren und zu einer Destabilisierung der Blutgefäße. Durch gezieltes Abschalten des DKK-3 Gens wird in humanen Endothelzellen die Bildung von Blutgefäßen in Zellkulturexperimenten signifikant gehemmt.

Neue Therapieform der Antiangiogenese?

“Antikörper, die gegen dieses Protein gerichtet sind, könnten eingesetzt werden um Tumorgefäße in bösartigen Tumoren bildgebend sichtbar zu machen und Medikamente gezielt zum Tumor und seinen Metastasen zu transportieren”, erklärt Eberhard Gunsilius. “Andererseits könnten Moleküle, die die Wirkung von DKK-3 neutralisieren, möglicherweise eine neue Therapieform der so genannten Antiangiogenese werden. Dadurch könnte die Gefäßbildung im Tumor gehemmt und der Tumor von der Sauerstoff- und Nährstoffversorgung abgeschnitten werden.” Die klinische Umsetzung dieser Erkenntnisse kann freilich noch Jahre dauern.

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