Medizinerpromotion: Dröge Doktorspiele?

2. Oktober 2012
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Für viele Patienten ist ein Arzt automatisch Doktor. Tatsächlich zu promovieren, erweist sich häufig als sehr viel schwieriger. Ob es sich für Dich lohnt, eine Promotion zu beginnen und wie Du den langen Weg zum "Dr. med" gut meistern kannst – DocCheck gibt dir die Tipps!

In Deutschland sind rund 80% aller Ärzte promoviert und tragen den Titel “Dr. med.” Wohl auch deswegen wird der Arztberuf häufig mit dem akademischen Grad Doktor gleichgesetzt. Doch seit 2005 fällt der prozentuale Anteil der Promovenden kontinuierlich und lag 2010 nur noch bei 56%.

Promotion – Lohnt sich das?
Ob man selber promovieren möchte oder nicht, ist eine weitreichende Entscheidung, die wohl überlegt sein will. Als Entscheidungshilfe findet Ihr hier die wichtigsten Pro- und Contra-Argumente:

Pro Contra
Eine Promotion ist die Grundlage für eine wissenschaftliche Karriere und auch in Universitätskliniken und in der Industrie haben Bewerber mit Doktortitel häufig einen Vorteil. Die Promotion erfordert einen großen Energie- und Zeitaufwand: Durchschnittlich dauert eine medizinische Promotion 107 Wochen bei einer Wochenarbeitszeit von 20,3 Stunden.
Der Doktortitel bringt ein hohes gesellschaftliches Ansehen und Medizinern mit diesem akademischen Grad wird zumeist auch fachlich mehr zugetraut. Bei den niedergelassenen Ärzten mit Promotion führt dies zu einem höheren Privatpatientenanteil und steigenden Einnahmen. Unter der großen Arbeitsbelastung für die Promotion leidet teilweise das Studium: 51 % der Promovenden besuchen wegen der Doktorarbeit seltener Vorlesungen, 33 % bereiten sich weniger auf Kurse vor und 22 % konnten sich wegen der Promotion nur ungenügend auf Prüfungen vorbereiten.
Bei der Promotion lernt man die Praxis des wissenschaftlichen Arbeitens kennen und befasst sich mit statistischen Methoden, sodass zukünftig Fremdpublikationen besser interpretiert und eingeschätzt werden können. 15 % – 20 % der Promotionsvorhaben scheitern (nur 4 % der Mediziner ohne Promotion hatte nie vor zu promovieren).
90 % der promovierten Mediziner halten ihre Promotion für persönlich sinnvoll und würden zur Promotion raten. Auch ohne Promotion sind die Jobaussichten hervorragend, in den meisten Krankenhäusern sogar bei zumeist gleicher Entlohnung.

Wann sollte ich anfangen zu suchen und was?

Allgemein gilt die Faustregel: “Je früher, desto besser”. Je eher Ihr nach dem Physikum mit der Doktorarbeit beginnt, desto größer sind Eure Chancen, diese bis zum Ende Eures Studiums abzuschließen. Die Erfahrung zeigt, dass viele Promovenden die Arbeiten an Ihrer Doktorarbeit bei zwischenzeitlichem Arbeitsbeginn nicht mehr abschließen. Zudem sollte man sich bei der Suche nach dem richtigen Arbeitsthema genügend Zeit lassen. Ganz wichtig dabei ist:

Spannendes Thema Das Thema sollte Euch interessieren. Das ist besser als jede Durchhalteparole.
Gute Betreuung Zu Anfang ist es schwer zu beurteilen, wie wohl die Betreuung sein wird. Hier ist es sehr wertvoll, mit anderen Doktoranden des Betreuers zu sprechen und nach ihren Erfahrungen zu fragen. Zudem sollte sich der “Doktorvater” von Beginn an genügend Zeit für Eure Fragen nehmen und diese in aller Ruhe mit Euch besprechen. Wichtig ist, dass die Fragestellung von Beginn an präzise und sinnvoll formuliert ist.
Arbeitstyp Seid Ihr eher der Grundlagenforscher im Labor (Experimentelle Arbeit), wollt Ihr eine Studie mit Patientenkontakt (Klinische Arbeit) oder liegt Euch eher eine Datenerhebung aus Patientenakten (Statistische Arbeit). Mehr zu den Arbeitstypen mit den jeweiligen Vor- und Nachteilen findet Ihr hier.

Los geht’s!

Sind Thema und Betreuer gefunden, kann’s losgehen. Zunächst ist es wichtig, sich gut in das Thema einzulesen und ein Bild vom aktuellen Stand der Wissenschaft zu machen. Alle dabei aufkommenden Fragen sollten unbedingt mit dem Betreuer abgesprochen werden, sodass man schon vor Beginn der Dissertation eine präzise Vorstellung des eigenen Forschungsauftrages hat. Weiterhin gilt: Organisation ist die halbe Promotion! Gerade beim ersten Einlesen in die Materie sieht man sich einer Vielzahl von Papern gegenüber.

Damit man den Überblick behält, ist es essentiell, sich ein gutes Ordnungssystem zu schaffen, in dem man leicht erkennt, welche Artikel schon gelesen sind, welche Paper sehr wichtig für die eigene Fragestellung sind und was man daraus zitieren möchte. Wichtig ist auch, frühzeitig gut zu dokumentieren, wie man Daten erhoben oder Experimente durchgeführt hat, denn später beim Schreiben wird man sonst Schwierigkeiten damit bekommen, sich an alles zu erinnern.

Weiterhin solltet Ihr überlegen, gleich zu Beginn einen Statistiker hinzuzuziehen, damit Ihr nicht erst nach der Datenerhebung feststellt, dass sich die erhobenen Daten zur gewünschten Auswertung nicht eignen. Eine Checkliste mit einem Musterzeitplan für Eure Dissertation findet ihr hier.

Recherchieren? Klar, aber wo?

Viele Promovenden sind mit Beginn der Doktorarbeit erstmals mit umfassender Recherche konfrontiert und damit zunächst heillos überfordert. Für das erste Einlesen in das Thema kann Euch der Betreuer häufig die relevante Literatur zur Verfügung stellen oder Tipps geben, welche Reviews oder Buchkapitel gut geeignet sind, um sich einen Überblick über das Themengebiet zu verschaffen. Für die eigenständige Recherche ist insbesondere eine Internetseite wichtig: PubMed. Hier findet ihr in 95 % der Fälle alles, was zu Eurem Thema relevant ist. Eine gute Einführung gibt es hier und hier:

Ergänzend hierzu eignet sich der Medpilot, eine Meta-Suchmaschine, die mehrere Literaturdatenbanken durchsucht. 
Häufig stellt sich bei der Recherche das Problem, dass zwar relevante Paper gefunden werden, aber kein Freitext verfügbar ist. Abhilfe schaffen häufig die Universitätsbibliotheken, die viele Zeitschriften abonniert haben. Hier könnt Ihr prüfen, ob Eure Uni Zugriff auf die angefragte Zeitschrift hat und wenn ja, diese in der Uni-Bibliothek herunterladen.

Das große Schreiben

Das Schreiben der Dissertation stellt für viele Promovenden nochmals eine große Hürde dar. Hat man aber erst einmal mit dem Schreiben begonnen, fällt es oft gar nicht so schwer. Ich empfehle Euch, mit dem Material und Methoden-Teil anzufangen und das am besten schon, während Ihr die Versuche oder die Datenerhebung durchführt. Vielen ist es leicht gefallen, als nächstes die Ergebnisse zu formulieren und dann erst zu Einleitung und Diskussion überzugehen.

In der Einleitung gut auf das Thema hinzuführen und die Ergebnisse sinnvoll im Kontext der wissenschaftlichen Erkenntnisse zu diskutieren, ist sicherlich der schwerste Teil beim Schreiben. Es lohnt sich hierfür ungemein, andere Doktorarbeiten durchzulesen, um ein Gefühl für die Formulierungen, den Stil und die Strukturierung zu bekommen. Insbesondere Arbeiten, die andere Promovenden beim betreuenden Doktorvater durchgeführt haben, sind sehr zu empfehlen, da man meist etwas vom Thema versteht und diese Arbeiten von ihm gutgehießen wurden. Weitere Tipps zum Schreiben der Dissertation gibt’s hier.

Formatieren, Formatieren, Formatieren

Vor Beginn des Schreibens sollte man sich unbedingt über die Richtlinien zur Promotion an der jeweiligen Fakultät erkundigen. Es spart viel Zeit, wenn man gleich zu Beginn die richtige Formatierung wählt. Trotzdem wird man im Laufe der Promotion einige Zeit für das Formatieren aufwenden müssen und es kann nicht schaden, sich schon zu Beginn etwas genauer mit Word zu befassen. So kann beispielsweise bei der Erstellung des Inhaltsverzeichnisses viel Zeit gespart werden. Ein Word-Tutorial findet Ihr hier. Weiterhin sind Zitationsmanager wie z.B. Endnote Web, die häufig über die Universitätsbibliothek kostenlos bezogen werden können, hilfreich bei der Verwaltung der Literaturangaben in der Doktorarbeit. Sie ermöglichen eine einfache Verwaltung der Literaturangaben und das automatische Erstellen eines Literaturverzeichnisses.

Wenn Ihr diese Tipps beherzigt, habt Ihr bereits vieles richtig gemacht, auf dem Weg zum “Dr. med.”, aber natürlich braucht es immer noch viel Disziplin und Ausdauer. DocCheck wünscht Euch viel Erfolg!

Die wichtigsten Tipps auf einen Blick:

  • Das Thema sollte Euch interessieren.
  • Fangt früh an – Im Arbeitsleben zu promovieren, schaffen die wenigsten.
  • Verschafft Euch eine gute Betreuung.
  • Bezieht frühzeitig einen Biometriker mit ein.
  • Gute Organisation und Planung sind die halbe Promotion.
  • Vermeidet längere Doktorarbeits-Pausen (das könnte eine neue Einarbeitung ins Thema notwendig machen).
  • Lest andere Doktorarbeiten. Das hilft beim Strukturieren der eigenen Arbeit!
  • Haltet durch!

Weiterführende Links:

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