EBV-Infektion: Virusstämme im Fokus

15. Oktober 2013
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Epstein-Barr-Viren (EBV) sind weltweit verbreitet. Warum eine EBV-Infektion unterschiedlich verlaufen kann, war bisher unklar. Forscher fanden nun heraus, dass es verschiedene Stämme von EBV gibt, die unterschiedlich aggressiv sind.

Über 90 Prozent  der Weltbevölkerung trägt das Epstein-Barr-Virus in sich. Doch zum Glück erkrankt nur ein Bruchteil der Infizierten: bei den meisten Menschen verbleibt das Virus unbemerkt lebenslang im Körper, zumindest so lange das Immunsystem intakt ist. In einigen Fällen kann das Virus jedoch unterschiedliche Krankheiten auslösen: in Europa und Nordamerika das Pfeiffersche Drüsenfieber, in Äquatorialafrika das Burkitt-Lymphom und in Südostasien das Nasopharynxkarzinom.

Warum EBV-Infektionen so unterschiedlich verlaufen, war bisher unklar: In Afrika etwa erschien es möglich, dass eine gleichzeitige Infektion mit dem Malaria-Erreger das Burkitt-Lymphom verursachte. Das Alter bei der Erstinfektion soll eine Rolle beim Pfeifferschen Drüsenfieber spielen, wohingegen Substanzen in der Nahrung das Nasopharynxkarzinom in China zu begünstigen schienen. „Dass es Unterschiede im Erbgut der verschiedenen Viren weltweit gibt, hatte man bereits herausgefunden“, erzählt Henri-Jacques Delecluse vom Deutschen Krebsforschungszentrum. „Doch dass diese genetischen Unterschiede auch tatsächlich für die unterschiedlichen Eigenschaften der Viren verantwortlich sind, die die Entwicklung von Krankheiten begünstigen, konnten wir nun zum ersten Mal zusammen mit Kollegen aus Zürich zeigen.“

Virusstämme unterscheiden sich in wichtigen Bereichen

Delecluse und seine Mitarbeiter isolierten zunächst das Viruserbgut aus zwei verschiedenen Patienten: In einem Fall handelte es sich um einen Nordamerikaner, der am Pfeifferschen Drüsenfieber litt, im anderen Fall um einen Mann aus Hongkong, der am Nasopharynxkarzinom erkrankt war. Die Wissenschaftler am DKFZ fanden heraus, dass sich die beiden Virusstämme in wichtigen Bereichen deutlich voneinander unterscheiden: Das Virus aus dem chinesischen Krebspatienten infiziert Epithelzellen der Schleimhäute besonders effizient, das des Amerikaners mit Pfeifferschem Drüsenfieber befällt nur B-Zellen des Immunsystems.

„Bisher hatten sich die Forscher immer gewundert, dass man Epstein-Barr-Viren zwar in den Epithelzellen von Nasopharynxkarzinomen finden konnte, aber im Labor eine Infektion dieser Zellen nie oder nur mit Tricks gelang. Jetzt wissen wir, dass es sich bei den bis jetzt im Labor untersuchten Stämmen um völlig andere handelte als bei denjenigen, die man aus den Krebspatienten isoliert hatte“, schildert Delecluse die überraschend einfache Erklärung.

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Elektronenmikroskopische Aufnahme von Epstein-Barr-Viren. © DKFZ

Virus-bedingte Krebsarten zukünftig vermeiden

Delecluse geht davon aus, dass seine Ergebnisse entscheidend dazu beitragen werden, Virus-bedingte Krebsarten zukünftig zu vermeiden. „Wir arbeiten derzeit an einer Vakzine, die aus so genannten Virus-like-Partikeln, VLPs, besteht. Das sind Virushüllen ohne Inhalt, gegen die der Körper eine Immunantwort aufbauen kann.“ Solche VLPs werden bereits in Impfstoffen gegen Humane Papillomviren oder Hepatitis-B-Viren erfolgreich eingesetzt. „Bisher dachten wir, dass das Epstein-Barr-Virus überall auf der Welt das gleiche ist. Jetzt wissen wir, dass es verschiedene Virusstämme gibt und dass wir uns bei der Entwicklung von Impfstoffen auf die Stämme konzentrieren müssen, die besonders aggressiv zu sein scheinen.“

Originalpublikation:

Spontaneous lytic replication and epitheliotropism define an Epstein-Barr virus strain found in carcinomas
Ming-Han Tsai et al.; Cell Reports, doi:10.1016/j.celrep.2013.09.012; 2013

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2 Kommentare:

Gast
Gast

Seit letztem Jahr bin ich nach einer Infektion durch das EBV Virus krank.
Lymphknoten im Leistenbereich und am Hals dauerhaft geschwollen, Darm extrem angegriffen, vertrage fast nichts mehr. Immer Durchfall, extreme Müdigkeit, dann Haut Pigmentstörungen, leichter Tinnitus.

Das Leben ist kaum noch etwas Wert für mich, fühle mich mit 30 wie eine 90 Jähriger. Vorher kerngesund, ich hasse diese Viren, ich hoffe das eine kluger Mensch bald ein Medikamant entwickelt das dieses Virus ausschaltet.

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Ingeborg Schnatterzahn
Ingeborg Schnatterzahn

Interessanter Artikel
wenn Laboreinrichtungen , die auf Viren testen können auch in den Kleinstädten Standard werden , wäre das schon ein großer Fortschritt .
Nicht “nur” bei Krebs . Z.B die gesamten Morbuserkrankungen , wozu ich persönlich Krebs auch zuzähle .

Es ist gut zu lesen in nicht nur diesem Artikel , daß es in der Virusforschung nicht nur weiter geht , sondern es auch veröffentlicht wird .
Wegen der Viruspatente — Pharmazie– sind viele Teilforschungsergebnisse noch geheim . Könnten aber heute bereits Leben retten .

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