MS: Kognitive Störungen durch Funktionsänderung

15. Oktober 2013
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Multiple Sklerose ist im Erkrankungsverlauf oft mit sinkender Gedächtnisleistung und Aufmerksamkeitsstörungen verbunden. Forscher zeigten nun, dass diesen Störungen voraussichtlich höhere Aktivierungen im unwillkürlichen Aufmerksamkeitssystem im Gehirn zugrunde liegen.

MS-Patienten haben generell häufig Probleme damit, Unwichtiges auszublenden. Studienleiterin Veronika Schöpf: „Sie sind praktisch im ständigen Alarmmodus“. Das Aufmerksamkeitssystem ist zu hoch aktiviert und nimmt – zum Beispiel beim Fernsehen oder bei einem Gespräch – auch völlig unwichtige Nebengeräusche wahr. Dadurch ist die Konzentration auf das Wesentliche gar nicht oder nur beeinträchtigt möglich.

Außerdem tun sich MS-Patienten schwer, ein ganz bestimmtes Ding zu suchen und auch zu finden. Die hohe Aktivierung führt demnach auch zu mangelnder Gedächtnisleistung und beeinträchtigt zugleich die Fähigkeit, neue Dinge aufzunehmen. In einer Metaanlayse im Magazin „Neuroscience & Biobehavioral Reviews“ konnte nun nachgewiesen werden, dass diesen Störungen funktionelle Veränderungen im Gehirn zugrundeliegen und dass diese auch mittels funktioneller Bildgebung dargestellt werden können.

„Bei den meisten Menschen liegt das Zentrum für diese Leistungen in der rechten Gehirnhälfte, bei vielen MS-Patienten liegt es aber links, so wie auch bei vielen Epilepsie-Patienten“, so die PhD-Studentin und Erstautorin Kathrin Kollndorfer. Diese Erkenntnisse könnten nun in die Entwicklung personalisierter Therapien für Menschen mit Multipler Sklerose fließen, um frühzeitig diesen kognitiven Störungen entgegenzuwirken.

Bessere Generalisierbarkeit

Damit hat die Arbeitsgruppe um Forscher der Universitätsklinik für Radiologie und Nuklearmedizin der MedUni Wien auch eine bessere Generalisierbarkeit der bisherigen Forschungsergebnisse in Bezug auf das Arbeitsgedächtnis und die Aufmerksamkeit bei Patienten mit Multipler Sklerose erreicht. „Die meisten Studien, die diese Fragestellung mit funktioneller Bildgebung bisher behandelt haben, haben meistens nur sehr kleine und heterogene Stichproben untersucht, die sich in Bezug auf Alter, Geschlecht oder Krankheitsdauer deutlich unterscheiden, wir haben alles, was es an Studien bisher gab, mit ausgewertet“, erklärt Veronika Schöpf.

Originalpublikation:

Altered likelihood of brain activation in attention and working memory networks in patients with multiple sclerosis: An ALE meta-analysis
Kathrin Kollndorfer et al.; Neuroscience & Biobehavioral Reviews, doi: 10.1016/j.neubiorev.2013.09.005; 2013

29 Wertungen (4.14 ø)
Medizin, Neurologie

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3 Kommentare:

Dr Claudia Tullius
Dr Claudia Tullius

aha

“”MS-Patienten haben generell häufig Probleme damit, Unwichtiges auszublenden” … meint die Studienleiterin und
außerdem “tun sich MS-Patienten schwer, ein ganz bestimmtes Ding zu suchen und auch zu finden.””

Da ist es sicher besser das Ganze von einer höheren Warte einer Metaanalyse zu betrachten …

“” um einen generellen Überblick zu bekommen (laut Studienleiterin)”

der, falls er denn dann da gewesen wäre, sich -schon im Schlusssatz der Orginalstudie- wieder in die Einzelteile der Subtypen der MS zerlegt….

…also sich wohl offensichtlich ebenfalls schwer tut,
” ein ganz best. Ding zu suchen und auch zu finden…”

Soviel zu Verallgemeinerungen, resp. Allgemeinplätzen und
ALE Algorithmen einer Metaanalyse, die nie besser sein kann, als die zugrunde liegenden Studien.

#3 |
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Olaf Ehrke
Olaf Ehrke

Meine Frau zeigt genau die angesprochene Symptomatik. Andererseits ist sie auch
wieder in spezielle Dinge so vertieft (z.B. TV), dass sie dann auf andere, insbesondere akustische, Reize nicht reagiert.

#2 |
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dem kann ich als MS Erkrankte nur Zustimmen!

#1 |
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