3. Platz im Glimmstengeln

12. März 2008
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Krankenhäuser sollten längst rauchfrei sein. Sind sie aber nicht, wie das Deutsche Netzwerk rauchfreier Krankenhäuser jüngst bekannt gab. Einige Kliniken können inzwischen immerhin mit Bronze- und Silbermedaillen aufwarten - Auszeichnungen für Schritte hin zum Rauchverzicht. Doch vom flächendeckenden Goldstandard ist Deutschland weit entfernt.

Traurige Fakten

Eigentlich ist es ja beschämend: In allen Bundesländern sind inzwischen Ländergesetze zum Schutz vor den Gefahren des Passivrauchens in Kraft getreten. Damit dürften Raucher auch in Krankenhäusern nicht mehr zur Zigarette greifen. Sie tun es aber dennoch. Der Grund: Alle Nichtrauchergesetze der 16 Bundesländer enthalten Passagen mit so genannten Ausnahmeregelungen. Dabei wird das Rauchverbot nicht nur in “klassischen” Einrichtungen wie im Maßregelvollzug oder auf Palliativstationen aufgeweicht. Raucher, egal ob Patienten oder Klinikpersonal, dürfen auch dann ihrer Sucht frönen, wenn der Klinikchef es so bestimmt hat.

So heißt es im Hamburger Gesetz: “In Krankenhäusern kann die Leitung aus zwingend konzeptionellen Gründen Ausnahmen vom Rauchverbot zulassen”. Dann kann das Krankenhaus ein Raucherzimmer einrichten – und alles bleibt beim Alten. Manche Gesetze lassen das Rauchen auch dann zu, wenn Ärzte es ihren Patienten “aus therapeutischen Gründen” erlauben. Zeitlich begrenzt und Einzelfall bezogen, versteht sich.

Im Netz zur Rauchfreiheit

Das Deutsche Netz rauchfreier Krankenhäuser (DNRfK) möchte konsequenter sein. 2005 ist der Zusammenschluss aus inzwischen 143 Krankenhäusern und Gesundheitseinrichtungen zusammengekommen, um Vorbilder aufzuzeigen. Ist man Mitglied, hat sich die Institution dazu verpflichtet, über kurz oder lang für eine rauchfreie Arbeitsstätte zu sorgen und Raucher bei der Tabakentwöhnung zu unterstützen. Einen besonderen Wettbewerbsvorteil haben nach Ansicht von Sabine Bätzing Häuser, die über Bronze-, Silber- oder Goldzertifikate verfügen. Bätzing ist Drogenbeauftragte der Bundesregierung, die das Netzwerk seit seinem Bestehen fördert.

Ein Bronzezertifikat gibt es dann, wenn eine Einrichtung Rauchfrei-Grundsätze formuliert hat und einen “Maßnahmenplan” für das weitere Vorgehen erarbeitet. Bei Silber ist das Gebäude bereits rauchfrei, und alle Raucher werden motiviert, ihrer Sucht ein Ende zu setzen. Gold gibt es erst dann, wenn sowohl die Klinik als auch das Krankenhausgelände komplett rauchfrei sind. Die Klinik bietet Tabakentwöhnungskurse an.

Bislang, erklärt Christa Rustler, im Netzwerk für Health Communication zuständig, verfügten 70 Mitglieder über Bronze und 16 über ein Silber-Zertifikat. Die Fachfrau fügt erklärend hinzu: “Um ein Zertifikat zu erwerben, bedarf es einer langen Vorbereitung. Und es kostet natürlich auch.” Immerhin befinden sich Rustler zufolge derzeit weitere zehn Kliniken in der Vorbereitung auf Silber.

Des Pudels Kern

Bedenkt man, dass Deutschland über mehr als 2000 Krankenhäuser verfügt – ganz abgesehen von weiteren Gesundheitseinrichtungen – mutet die Mitgliederzahl des Netzwerkes gering an. Vielleicht deshalb veranstaltete der Zusammenschluss jüngst gemeinsam mit Bätzings Ministerium und der Bundeszentrale für gesundheitliche Aufklärung (BZgA) eine Konferenz zur “Förderung der Rauchfreiheit in Krankenhäusern”. Schließlich, betonte die Drogenbeauftragte gewohnt enthusiastisch, müsse man die Nichtraucherschutzgesetze “nun mit Leben füllen und die Krankenhäuser bei dieser wichtigen Aufgabe unterstützen”.

BZgA und DNRfK warben mit Online-Ausstiegsprogrammen, Datenbanken zur Raucherberatung – und mit einem Rauchfrei-Handbuch für die Projektleitung im Krankenhaus. “Wenn die Krankenhausleitungen unsere Programme nicht akzeptieren, kommen wir nicht weiter”, sagte die Drogenbeauftragte. Rauchfreiheit müsse in den Köpfen der handelnden Personen in den Kliniken anfangen. Während derzeit 22 Prozent der Frauen und 30 Prozent der Männer rauchen, sind es im Gesundheitsbereich etwa 40 Prozent.

Das Ziel im Visier

Sind die Fortschritte auch noch bescheiden, so stimmt ein Ereignis hoffnungsfroh: einer Rehabilitationsklinik wird noch diesen Sommer das Gold-Zertifikat überreicht. Für dieses besondere Ereignis, sagt Rustler vom DNRfK, reise eigens eine Delegation aus Paris an. Dort sitzt die Mutterfirma des deutschen Ablegers.

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