Das PJ unter Palmen

3. April 2008
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Welcher Medizinstudent träumt nicht davon - ein PJ im Süden. Doch wer ins Ausland möchte, muss nicht nur alles rechtzeitig organisieren, sondern für den Krankenhausalltag auch die entsprechenden Sprachkenntnisse vorweisen. Ob sich der Aufwand lohnt, erzählt uns eine ehemalige PJlerin im Interview, die ein PJ-Tertial in Argentinien verbrachte.

Allen organisatorischen und sprachlichen Hürden zum Trotz – kaum einer bereut seinen Aufenthalt im Ausland – auch Olivia Wild nicht. Sie hat ihr Chirurgie-Tertial vom Juni bis zum Oktober 2007 in Buenos Aires in Argentinien verbracht. Trotz negativer Erlebnisse schwärmt Olivia vor Glück strahlend über dieses Land.

MS: Olivia, warum hast du dich entschieden, das PJ-Tertial in Argentinien zu absolvieren?
Olivia Wild:
Ich habe schon eine Famulatur in Madrid gemacht, deswegen war für mich klar, dass ich ein Tertial in einem spanisch sprechenden Land verbringen möchte. Für Argentinien habe ich mich entschieden, weil es als ein sicheres Land in Südamerika gilt.

MS: Wie hast du dich beworben?
Olivia Wild:
Etwa ein Jahr vorher habe ich zusammen mit meinem Freund Bewerbungen an verschiedene Krankenhäuser geschrieben. Deren Adressen haben wir im Internet gefunden. Wir hatten uns dann für das Hospital de Clinicas "José de San Martin" entschieden, das mitten im Zentrum von Buenos Aires liegt. Wir mussten noch einige Unterlagen zusenden wie Motivationsschreiben, Lebenslauf, Sprachnachweis und ein Empfehlungsschreiben vom Dekan. Wichtig zu wissen ist, dass man 70 US-$ Studiengebühren pro Monat zahlen muss und ein Visum braucht.

MS: Wo habt ihr gewohnt, als es endlich soweit war mit dem PJ?
Olivia Wild:
Das Appartment haben wir auch per Internet herausgesucht. Dort hatten wir Telefon, Reinigungsservice und Internet. Es lag mitten im Stadtzentrum und kostete nur 360 Euro für uns Beide.

MS: Nun zum Wichtigsten: Wie hast du das Krankenhaus empfunden?
Olivia Wild:
Als wir es zum ersten Mal sahen, waren wir total schockiert. Überall lagen zerbrochene Fensterscheiben, es standen heruntergekommene Verbandswagen herum und Patienten mussten auf abgenutzten Laken schlafen. Auch sonst fehlte ziemlich viel, denn zum Beispiel gab es nicht immer Handschuhe, von Stauschläuchen ganz zu schweigen.

MS: Auf welcher Station warst du und was genau hast du dort gemacht?
Olivia Wild:
Wir haben auf den verschiedenen chirurgischen Stationen rotiert. Dabei haben wir immer um 7.30 an der Visite teilgenommen und sind danach in den OP gegangen. Auf der Station gab es nichts für uns zu tun, weil die Residentes (Assistenzärzte) zu viel zu erledigen und somit keine Zeit für uns hatten.
Sie mussten nämlich auch viele Aufgaben übernehmen, die in Deutschland durch das Pflegepersonal übernommen werden, wie beispielsweise Patienten von A nach B bringen oder auch mal Windeln wechseln.

MS: Wie war es denn im OP? Was durftet ihr praktisch machen?
Olivia Wild:
Leider durften wir nur zugucken. Jedoch durften wir Fragen stellen, die uns immer nett beantwortet wurden. Pro Tag haben wir leider nur eine OP gesehen, denn mehr als fünf OPs fanden pro Tag nicht statt.

MS: Gab es Fortbildungen für die Studenten?
Olivia Wild:
Ein bis zwei Mal pro Woche wurden Patientenfälle diskutiert. Das war aber auch das Einzige, was wir an Lehre und Ausbildung bekamen und dafür mussten wir noch Studiengebühren bezahlen!

MS: Wurden deine Erwartungen an das Land und Krankenhaus erfüllt?
Olivia Wild:
Vom Krankenhaus bin ich total enttäuscht, denn man bekommt keine vernünftige Lehre, wird nicht in den Klinikalltag eingeplant und es kümmert sich niemand um einen. Dafür darf man auch noch so viel Geld bezahlen. Ich würde jedem raten, in ein anderes Krankenhaus zu gehen.
Anders sieht das mit Land und Leuten aus, die sind einfach klasse. Ich bin seit dem Aufenthalt der absolute Südamerika-Fan. Die Argentinier sind so ein freundliches und hilfsbereites Volk und man kommt immer mit jemanden ins Gespräch.

Einen ausführlichen Erfahrungsbericht von Olivia könnt ihr hier runterladen

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