Gewichtsverlust durch Darmröhrchen?

14. Oktober 2013
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Ein schmales Rohr im Dünndarm führt zu einer verringerten Nährstoffaufnahme und damit zu reduziertem Körpergewicht und weniger Fettmasse. Zusätzlich kommt es zu einem verbesserten Fett- und Zuckerstoffwechsel. Dies fanden Wissenschaftler heraus.

Chirurgische Methoden, wie etwa ein Magenbypass, gehören zu den effektivsten Maßnahmen in der Therapie der Fettleibigkeit (Adipositas). Zudem führen sie zu einer verringerten Insulinresistenz. Allerdings sind dies häufig große operative Eingriffe, die unumkehrbar sind. Die Wissenschaftler um Dr. Kirk Habegger vom Metabolic Disease Institute an der Universität Cincinnati und Prof. Dr. Matthias Tschöp, Scientific Director des Helmholtz Diabetes Center (HDC) am Helmholtz Zentrum München (HMGU), Partner im Deutschen Zentrum für Diabetesforschung (DZD), haben nun eine wesentlich schonendere Therapiemethode bei vergleichbarer Effektivität entwickelt.

Deutlich reduziertes Körpergewicht

So führt ein flexibles, als DES (duodenal-endoluminal sleeve) bezeichnetes Röhrchen, welches in den Dünndarm eingebracht wird, im Tiermodell zu einem deutlich reduziertem Körpergewicht und verringerter Körperfettmasse. Neben dem Effekt auf das Körpergewicht verbessert sich durch diesen Eingriff auch der Fett- und Zuckerstoffwechsel, berichten die Wissenschaftler. Als mögliche Ursache hierfür sehen sie eine blockierte Nahrungsaufnahme im Bereich des Röhrchens sowie ein reaktives Schleimhautwachstum in den übrigen Darmabschnitten, welches zu einer verbesserten Nahrungsverwertung führt. Der Vorteil dieser Methode liegt in der unkomplizierten und risikoarmen Anwendung des Darmröhrchens, das zudem jederzeit wieder entfernt werden kann.

Effekte des Röhrchens nachahmen

Damit gilt das Verfahren als ein vielversprechender neuer Therapieansatz für Adipositas und Diabetes. Weitere Studien sollen nun klären, welchen Einfluss das Darmröhrchen und der Gewichtsverlust auf das hormonelle Steuerwerk des Stoffwechsels haben. Das langfristige Ziel ist es, darin Strukturen zu identifizieren, die therapeutisch genutzt werden können, um die beobachteten Effekte des Röhrchens nachzuahmen oder zu verstärken.

Originalpublikation:

Duodenal Nutrient Exclusion Improves Metabolic Syndrome and Stimulates Villus Hyperplasia
Kirk Habegger et al.; Gut, doi: 10.1136/gutjnl-2013-304583, 2013

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Innere Medizin, Medizin

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5 Kommentare:

Weitere medizinische Berufe

“The duodenal-endoluminal sleeve (DES) is a flexible tube that acts as a barrier to nutrient-tissue interaction along the duodenum”
Wo ist hier der Unterschied zum EndoBarrier? Dieser ist eine dünne, flexible, schlauchförmige Auskleidung, die in den Darm passt und so eine physische Barriere zwischen der Darmwand dem Nahrungsbrei bildet.

Der EndoBaririer wird schon an einigen UNikliniken (z.B. Freiburg) speziell bei adipösen Dm II Patienten gelegt – mit Erfolg! Vorteil gegenüber anderen MEthoeden (Sleeve oder bypass): er ist reversibel und beitet so den BEtroffenen die Möglichkeit mit Hilfe dieser mechanischen Unterstützung sowie einer begleitenden ernährungstherapeutischen Beratung ihr Essverhalten zu verändern.
COnstanze Wach Dipl.oec.troph

#5 |
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Heilpraktiker

warum dann nicht gleich einen implantierbaren Schlauch mit Abzweigventil ab ore ad ano für die evtl. Fressphase…

#4 |
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Heilpraktikerin Brigitte Gotter
Heilpraktikerin Brigitte Gotter

Jeder Abschnitt vom Mund bis Anus hat eine bestimmte Aufgabe ……
möchte nicht wissen, was da mal wieder nicht resorbiert wird und im Körper gebraucht wird.
Kein weiterer Kommentar

#3 |
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Biologisch- / Chemisch- / Physikalisch-technischer Assistent

Ist einfach und doch genial.

#2 |
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Arzthelferin

“… im Tiermodell…”
Dazu spare ich mir jeglichen weiteren Kommentar!

#1 |
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