Fit for Money

25. April 2008
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Brustgurt an, rauf auf's Rad und Geld verdienen: Die Barmer Ersatzkasse bietet ihren Kunden seit neuestem ein Fitness-Monitoring via Bluetooth und Internet an - als Teil ihres Bonusprogramms. "Asche zurück" gibts schon für 5 Kilometer Laufen oder 20 Kilometer Radfahren.

Pulsuhren, Trainingspläne, Fitness-Coaches: Für Otto Normalversicherten gehörten all diese Dinge bisher eher in die hinteren Regionen der Fitnessstudios, dort wo man sich ohne Waschbrettbauch und Olympionikenbizeps gar nicht erst hintraut. Mit einem neuen Bluetooth-fähigen Brustgurt möchte die Barmer Ersatzkasse das mobile Fitnessmonitoring jetzt zum Breitensport machen – mit Unterstützung des Unternehmens T-Systems, das ein cleveres Web-Tool entwickelt hat, das mehr kann als nur Werte aufzeichnen.

Akte läuft mit!

Das Ganze funktioniert so: Der Patient schnallt sich einen Brustgurt um und geht mit seinem Handy Joggen, Radfahren, Rudern, Bergsteigen oder wozu er sonst gerade Lust hat. Der Brustgurt zeichnet fitnessrelevante Vitalparameter, darunter Herzfrequenz und errechneten Kalorienbedarf auf und funkt die Werte per Bluetooth ans Handy. Hier kann dann nach dem Vorbild einer Pulsuhr die aktuelle Trainingssituation in Echtzeit abgelesen werden. Parallel dazu beziehungsweise nach Trainingsende werden die Informationen per GPS oder UMTS an die von T-Systems gestaltete persönliche Fitness-Akte im Internet geschickt. Dort stehen dann weitere Funktionen zur Verfügung: "Auf Basis der Ergebnisse leitet das System automatisch zukünftige Trainingspläne ab, als Empfehlung für den Sportler", sagte T-Systems-Chef Reinhard Clemens auf einer Veranstaltung in Berlin. Die nach den Prinzipien des American College of Sports erstellten Pläne können dann online eingesehen werden.

Auch zur Trainingsstrecke können künftig sehr präzise Informationen abgefragt werden: Dank GPS-Signal und integrierter Landkarten- beziehungsweise Stadtplanfunktion "weiß" die Webakte nämlich, wo der Sportler entlang gelaufen ist und kann darstellen, an welchen Stellen beispielsweise Herzfrequenz oder Kalorienbedarf besonders hoch waren. Umgekehrt kann die Software genutzt werden, um sich im Vorfeld eines Trainings in einer fremden Stadt geeignete Trainingsstrecken vorschlagen zu lassen. "Eine mobile Welt verlangt mobile Lösungen. Wir bieten sie", sagte Barmer-Vorstand Johannes Vöcking selbstbewusst.

Joggen für den Kontostand

Die Sache hat aber auch noch eine zweite Ebene: Das Programm "Mobile Fitness", so der offizielle Name, soll ab Mitte 2008 Teil des Bonusprogramms der Barmer Ersatzkasse werden. Wer nachweisen kann, dass er entweder fünf Kilometer gelaufen oder aber zwanzig Kilometer Rad gefahren ist, der erhält pro Jahr im Konzert mit anderen Vorsorgeaktivitäten bis zu dreißig Euro von der Krankenkasse zurück. Alles was er dafür tun muss, ist die entsprechende Seite seiner Fitness-Akte ausdrucken und an die Kasse übermitteln. "Das könnte man natürlich auch elektronisch machen", sagte Barmer-Sprecher Thorsten Jakob im Gespräch mit dem DocCheck-Newsletter. "Wir wollen aber den Eindruck vermeiden, dass wir Zugang zu den Daten hätten. Wir können nicht in die Akte hineinsehen und wollen das auch nicht", so Jakob. Trotzdem deutet sich hier natürlich erstmals eine weitgehend automatisierbare Kontrolle eines "gesunden Lifestyles" an, die prinzipiell auch sehr engmaschig erfolgen könnte, weil es keinerlei manueller Bearbeitung bedarf.

Dazu wäre es gar nicht nötig, dass die Krankenkasse in die Akte "hineinsieht". Eine Software, die automatisch eine Meldung nach dem Schema "Fitness-Programm in Woche XY absolviert" erzeugt, würde völlig ausreichen. Das Ganze müsste nicht einmal dem zuständigen Sachbearbeiter bekannt werden: Der sähe gegebenenfalls nur das "Endergebnis", einen verringerten Beitrag. Aber das ist Zukunftsmusik. Vorerst decken die maximal 30 Euro Einsparung, die der Versicherte mit Hilfe von "Mobile Fitness" und anderen Präventionsanstrengungen erzielen kann, die Kosten des Programms nicht: Der Brustgurt kostet den Versicherten einmalig 90 Euro, und an T-Systems gehen noch einmal fünf Euro im Monat. Dafür gibt’s dann aber auch ein Fitnessstudio am Heim-PC…

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Kassen, Politik Wirtschaft

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