PJ – Die Kunst des Briefeschreibens?

28. April 2008
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In unserer Reihe über das PJ an deutschen Krankenhäusern nehmen wir euch heute mit ins schöne Leipzig und das Praktische Jahr am dortigen Uniklinikum unter die Lupe.

“Forschen, Lehren, Heilen – Aus Tradition für Innovation” lautet der Wahlspruch der Uniklinik Leipzig. Doch wirklich innovativ ist das Praktische Jahr dort nicht. Vielmehr schlagen sich die PJ’ler mit den üblichen Dingen herum, die den schlechten Ruf des PJ’s mitbedingen: Haken halten, Blut abnehmen, Papierkram – viel Papierkram.

Eigenverantwortliches Telefonieren und Schreiben

“Wenn ihr des 10-Finger-Schreibens mächtig seid, könnt ihr am Tag bis zu 10 Briefe schaffen. Viel mehr dürft ihr auch nicht erwarten. Es gab nicht eine einzige Fortbildung. Gelernt hab ich Null Komma nichts! Ich musste teilweise die Visiten allein machen, Arztbriefe schreiben, täglich 100 mal ans Telefon gehen und viele Schwesterndienste verrichten.”, berichtet ein Student beim PJ-Ranking. Statt eigenverantwortliches Untersuchen und Behandeln, wird also eigenverantwortliches Telefonieren und Schreiben gelernt – nun gut: Auch das ist innovativ und könnte den Hintergrundgedanken des oben erwähnten Mottos erklären.
Weitere Kritikpunkte sind der unorganisierte Klinikalltag und der Personalmangel: “Man muss sagen, dass man auf der gefäßchirurgischen Station ganz gut aufgehoben ist, aber wie überall herrscht auch hier Personalmangel. Die Ärzte sind sehr nett, aber gestresst. Auf Station ist man oft allein und muss den Laden am Laufen halten.”
Auch auf anderen Stationen das gleiche Bild, wie ein PJ’ler auf der Endokrinologie weiß: “Chaos! Ständig wechselnde Ärzte, welche selber erstmal ‘lernen’ müssen. Lehre gab’s auch keine, mitgebrachtes Wissen war erwünscht. Wissenszuwachs fast Null.”

Den meisten Tadel bekommt die Orthopädie ab. O-Ton von einem, der es hinter sich hat: “Ich war noch nie von einer Fachklinik so enttäuscht, wie hier. Der PJ’ler wird angeschrien und als Sklave vermarktet. Nie ein nettes Wort. Von Lehrveranstaltungen kann ich gar nicht reden, denn die gab’s gar nicht.” Die Gründe sind erneut in der Personalpolitik zu suchen. Es gibt zu wenig Ärzte und die, die da sind, sind zu gestresst um ihren angehenden Kollegen etwas beizubringen.

Es geht auch anders

Dennoch, einige Stationen kristallisieren sich positiv heraus.
So zum Beispiel die Anästhesiologie. Dort erhält der PJ’ler eine Ausbildung, so wie es sich gehört, bei einer vorbildlichen Betreuung: “Unbedingt zu empfehlen. PJ-Unterricht zweimal die Woche mit richtig guter Vorbereitung fürs Examen. Auf der ITS wird man gut eingebunden und darf viel machen. Hab viel intubiert, ZVK’s, Arterien und sogar eine Bülau gelegt! Sehr gute Betreuung!”

Auch die Innere kommt beim PJ-Ranking gut davon. Die PJ’ler können hier die Patienten in Eigenverantwortung aufnehmen und untersuchen. Bei den vielen verschiedenen Krankheitsbildern kann man hier also einiges dazulernen. Die Ärzte sind den Studenten für die Hilfe dankbar und das schlägt sich in einem guten Arbeitsklima nieder. Ein Student dazu: “Wer was lernen will, ist hier richtig. Kurze Dienstzeiten und nette Schwestern und Ärzte, die sich Zeit nehmen, um Dir was zu zeigen. Bewertung: hat Spaß gemacht und was gebracht!”

Fazit

Das Leipziger Uniklinikum ist allenfalls Mittelmaß was das Praktische Jahr betrifft. Durch Personaleinsparungen findet Lehre nur vereinzelt statt. Doch wer sich ein wenig umhört, findet auch Stationen, auf denen man wirklich etwas lernen kann. Vorausgesetzt man bewirbt sich früh genug. Denn den mäßigen Bewertungen zum Trotz zieht es viele Studenten zum PJ ins Leipziger Uniklinikum.

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