Leukämie: Zugemüllte Tumorzellen

10. Oktober 2013
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Wissenschaftlern ist es gelungen, neue therapeutische Angriffspunkte für Leukämien zu identifizieren, indem sie die Autophagie der Tumorzellen lahmlegten.

Wissenschaftlern der Medizinischen Hochschule Hannover (MHH) ist es gelungen, neue therapeutische Angriffspunkte für Leukämien zu identifizieren. In Zusammenarbeit mit Forschern aus Deutschland, der Schweiz und den USA beschäftigten sich die Arbeitsgruppen von Dr. Jan Henning Klusmann, Klinik für Pädiatrische Hämatologie und Onkologie und Professor Dr. Georg Behrens, Klinik für Immunologie und Rheumatologie, mit den Wirkmechanismen von Histondeacetylase-Inhibitoren (HDACi). „Diese Substanzen wecken große Erwartungen im Kampf gegen Krebserkrankungen. Einige Medikamente sind schon zugelassen“, erklärt Dr. Klusmann. „Unsere Ergebnisse zeigen, dass HDACi unerwartete Wirkungen in Leukämiezellen haben.“

Histondeacetylasen sind Enzyme, die das Ablesen des Erbguts – der DNA im Zellkern – und die Funktion von Eiweißen in der Zelle regulieren. Wie genau sie bei Krebserkrankungen wirken, ist nicht vollständig verstanden. Dr. Klusmann war diesen Substanzen schon lange auf der Spur. „Wir begannen mit einer systematischen Suche nach dem, was in Zellen unter dem Einfluss von HDACi geschieht. Am Ende vieler Experimente gelangten wir zur Erkenntnis, dass diese Enzymblocker die Autophagie in Leukämiezellen blockieren.“ Über Autophagie – Zellen bauen dabei ihre eigenen Strukturen ab – recyceln Zellen Eiweiße und Zellorganellen; sie nutzen diese Vorgänge vor allem in Mangelsituationen.

Tumorzellen: Sensible Reaktion auf Störungen der Autophagie

„Es sieht so aus, dass wir durch eine Blockade der Autophagie diese Tumorzellen regelrecht ,zumüllen’ und sie dadurch vermehrt absterben“, erläutert Professor Behrens. „Das können wir durch HDACi erreichen, aber auch durch andere Substanzen. Tumorzellen produzieren offenbar mehr Müll, der ständig beiseite geschafft werden muss. Auf Störungen der Autophagie reagieren sie daher sehr sensibel.“

Die Erkenntnisse haben direkte Bedeutung für die Behandlung von Patienten und sollen in klinischen Studien berücksichtigt werden. „Wie immer bleiben aber noch Fragen offen“, sagt Dr. Klusmann. „Unsere Beobachtungen liefern genügend Stoff, um weiter gemeinsam zu forschen und Therapien zu verbessern. Das kann dann sowohl Menschen mit Leukämien als auch denen mit Störungen im Immunsystem zu Gute kommen.“

Originalpublikation:

Histone deacetylase inhibitors induce apoptosis in myeloid leukemia by suppressing autophagy
M. V. Stankov et al.; Leukemia, doi:10.1038/leu.2013.264; 2013

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