Schnell und effektiv: Nachsorge per Mail

2. Mai 2008
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Medizinische Betreuung im Internet-Zeitalter: Patienten, die ihren Arzt per Email kontaktieren können, fühlen sie sich besser versorgt. Das zeigen zwei kürzlich veröffentlichte Studien. Auch der Arzt selbst profitiert durch eine deutliche Zeitersparnis. Der Beginn einer völlig neuen Form des Arzt-Patienten-Gesprächs...

“Mein Mann hat starke Schmerzen in der Brust, Übelkeit und Atemnot. Kann das etwas mit seinem Herz zu tun haben? Geben Sie mir bitte einen Rat, Herr Doktor?” Wer sich einen privaten Computer anschafft und ans Internet hängt, wird kaum jemals einen solchen Hilferuf per Email absenden. Dennoch kann der elektronische Kontakt das persönliche Gespräch im Behandlungszimmer oder am Telefon sinnvoll ergänzen. Untersuchungen bestätigen, dass die meisten Ärzte bereits davon Gebrauch gemacht haben. Hürden bestanden bisher eher auf unzureichenden Netzanbindung und der Angst vor zu viel Technik gerade bei älteren Patienten.

Gern genutztes Angebot

Aber auch auf der Ärzteseite gibt es Bedenken: Der digitale Briefaustausch außerhalb der Sprechstunde könnte zu einer zusätzlichen nicht honorierten Arbeitslast führen. Dass er in bestimmten Behandlungssituationen Vorteile für beide Seiten bringt, beweisen zwei Studien aus Australien und den USA. Peter Stalberg und seine Kollegen vom Royal North Shore Hospital in Sydney untersuchten die Akzeptanz eines Kontaktangebots per Internet in einer randomisierten prospektiven Studie. Eine elektive Operation der Schilddrüse oder der Nebenschilddrüse ist in der Regel mit einem nur kurzen stationären Aufenthalt verbunden. Das Ergebnis des Eingriffs lässt sich gut vorhersagen. Unter diesen günstigen Voraussetzungen für eine kontrollierte Studie suchten sich die Wissenschaftler 50 Patienten, die nach dem persönlichen Gespräch mit dem Chirurgen eine Broschüre bekamen. Darauf war der Hinweis einer Kontaktmöglichkeit ausdrücklich vermerkt war – vorzugsweise per Email.

Die Kontrollgruppe der anderen 50 Patienten enthielt diesen Hinweis nicht. Mehr als ein Drittel der Patienten nutzte das Angebot zur Nachfrage vor oder nach der Operation, aber auch rund ein sechstel der Kontrollgruppe schickte eine Email an ihren Chirurgen. Aus dem Terminzettel für die Vorbesprechung und den Seiten der Fachgesellschaft ließ sich dessen Adresse für die elektronische Post erschließen. Dreimal schickten Patienten ein Fax, nur einmal griffen sie zum Telefon, so die Veröffentlichung in den Archives of Surgery vor einigen Wochen. Zur Freude des Chirurgen stellten die allermeisten seiner Schützlinge nur eine Frage zu ihrer Krankheit, der Operation oder zur Nachsorge, die sich schnell beantworten ließ. Eine schriftliche Befragung bestätigte, dass die Patienten mit den angebotenen Kontaktmöglichkeiten sehr zufrieden waren.

Schneller als Telefon

Dass auch im ambulanten Bereich eine Email das Vertrauensverhältnis noch weiter verbessern kann, zeigten Paul Rosen und Kent Kwoh von der University of Pittburgh in Pediatrics. Sie protokollierten den Email-Verkehr zwischen einem Kinderrheumatologen und 300 Familien der Patienten. Im Fragebogen nach einem Jahr bestätigten die Eltern, dass sich die Qualität der Versorgung durch den Kontakt per mail verbessert hätte. Auch in dieser Studie nutzten rund 40 Prozent die elektronische Fragemöglichkeit. Beim Ansatz von Rosen und Kwoh wurden die Vorteile für den Arzt noch deutlicher. Entsprechend einer Messung mit der Stoppuhr ersparte sich der Arzt im Vergleich zum Telefon fast 60 Prozent seiner Zeit für die Beantwortung von Anfragen.

In Deutschland ist die Betreuung per Email vor allem im Nachsorgebereich und in der Betreuung psychischer Störungen eingeführt. So betreut die Panorama Fachklinik in Scheidegg in Zusammenarbeit mit der Forschungsstelle für Psychotherapie an der Universität Heidelberg Patienten nach einer stationären Psychotherapie per Email oder Chat. Nicht selten erzählen einige Patienten beim Kontakt per Datenkabel mehr über sich als in der Sprechstunde, so die übereinstimmende Meinung angemailter Ärzte.

Tipps für E-brief

In den USA gibt es von der American Medical Association (AMA) inzwischen Leitlinien für den elektronischen Postverkehr: Der Arzt sollte sich festlegen, innerhalb einer bestimmten Zeit auf die Anfrage zu antworten und den Patienten über Abwesenheitszeiten oder andere Zugangsberechtigte zu seinem Postfach informieren. Der Patient muss sich darüber im Klaren sein, dass für dringende Anfragen das Telefon die bessere Alternative ist, für komplizierte Sachverhalte das persönliche Gespräch. Vertraulicher Datenversand ist im Mailverkehr nur mit Einverständnis beider Seiten möglich.

“Eine Email-Korrespondenz dient nicht dazu, eine Patientenbeziehung aufzubauen.” schreibt die AMA in ihren Hinweisen. Dient sie aber dazu, den Kontakt auch außerhalb der Sprechstunde zu pflegen, kann sie das Vertrauen zwischen Arzt und Patient stärken und trägt bei richtiger Anwendung sogar zu einer Entlastung des Arztes bei. Einige Kliniken haben das bereits erkannt. So kann der Patient am Beth Israel Deaconess Medical Center in Boston per elektronischer Akte auch einen Email-Kontakt zum Personal aufbauen. Ein guter Tipp für IT-Entwickler für deutsche Krankenhäuser.

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