Bronchialkarzinom: Kunterbunte Früherkennung

9. Mai 2008
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Die Erkennung von in-situ Karzinomen bei Patienten mit Lungenkrebs war bislang ein schwieriges Unterfangen. Jetzt melden Schweizer Forscher einen Durchbruch in der Diagnostik: Eine neue Diagnosemethode ist nicht nur doppelt so empfindlich ist wie die herkömmliche endoskopische Untersuchung der Bronchien mit Weißlicht - das Verfahren ist auch endlich marktreif.

Für den Namen des Verfahrens werden sich die Forscher um Hubert van den Bergh und Georges Wagnières von der ETH Lausanne mit ihrem Kollegen Philippe Monnier vom Universitätsspital Lausanne vermutlich keinen Orden ergattern: “Diagnostische Autofluoreszenz-Endoskopie“* heißt die neue diagnostische Methode vollkommen unspektakulär.

Doch dem Verfahren, das seit den späten Achtzigerjahren im Rahmen des Schweizer Nationalen Forschungsprogramms “Biomedizinische Technik” (NFP 18) seinen Anfang nahm, täte ein bisschen mehr PR gut. “Doppelt so empfindlich wie die herkömmliche endoskopische Untersuchung der Bronchien mit Weisslicht” sei die einzigartige Diagnostik, verkündet jetzt die Schweizer SNF, und lässt mit einem Paukenschlag Pneumologen weltweit wissen: Die Früherkennung von Bronchialkrebs mit Hilfe eines trickreichen Wellenlängen-Wechselspiels ist endlich auf dem Markt erhältlich.

Nicht jedes Licht führt ans Ziel

Tatsächlich beobachtete van den Bergh zunächst, dass gesundes Bronchiengewebe, wenn es durch Licht mit einer ganz bestimmten Wellenlänge angestrahlt wird, natürlicherweise viel intensiver fluoreszierendes Licht zurückwirft als Gewebe, das Veränderungen eines Frühstadiums von Krebs aufweist. Genau dieser Unterschied ermöglicht bei einer endoskopischen Untersuchung die visuelle Erkennung von Gewebeveränderungen. Doch nicht jede Wellenlänge birgt das gewünschte diagnostische Potenzial. Denn einerseits muss das Licht zu einem prägnanten Kontrast zwischen den Gewebeveränderungen führen, andererseits die erzeugte Fluoreszenzstrahlung stark genug für die anschließende Detektion sein. “Der beste Kompromiss, der beiden Anforderungen gleichzeitig gut entsprach, wurde bei einer Anregung mit violettem Licht gefunden, die eine Autofluoreszenz im Bereich von grünem Licht erzeugt”, erklären die Wissenschaftler den eigentlichen Durchbruch.

Weil aber die Bronchien des Menschen stark verzweigt sind, hätten die “erkennenden”, bunten Strahlen die Ärzte buchstäblich im Dunkeln sitzen lassen. Also, erkannten die Schweizer bald, musste eine zweite Lichtquelle zum Ausleuchten der Bronchien her. Der Clou: Diese erzeugt mit rotem Licht keine Fluoreszenzstrahlung, erhellt aber die Bronchien aus. Im Vergleich zum violetten Pendant wird dieses Licht von gesundem Gewebe und In-situ-Karzinomen gleich stark reflektiert – und fällt somit nicht ins diagnostische Gewicht.

Falsche Verdächtigungen sind passé

Klinischen Studien, die von der Gruppe um Philippe Monnier am Universitätsspital Lausanne durchgeführt wurden, bestätigten schließlich die Verlässlichtkeit der Autofluoreszenz-Endoskopie. Sensationelles Ergebnis: Die Methode detektierte doppelt so viele Gewebe-Veränderungen eines Frühstadiums von Krebs wie die bis dahin herkömmliche Endoskopie mit Weißlicht “ohne dass dabei gesundes Gewebe zu unrecht verdächtigt wurde”, wie die SNF nun schreibt.

Der Forschungserfolg der Schweizer soll jetzt mit Hilfe eines deutschen Unternehmens (Richard Wolf GmbH) die Kliniken und Arztpraxen erobern, bislang sind mehr als hundert Geräte im Einsatz. Den besten Grund für die Etablierung des Verfahrens liefert die SNF mit einem nüchternen Blick in die Statistik: “Die Sterblichkeit nach fünf Jahren beträgt beim Nachweis in fortgeschrittenem Stadium 80 Prozent, nur 10 Prozent dagegen bei der Diagnose eines Frühstadiums, eines so genannten In-situ-Karzinoms”. Genau das, sollten Lungenfachärzte bedenken, ließe sich mit der neuen Methode erreichen.

* Den Demo-Film im AVI-Format finden Sie hier. (Quelle:Richard Wolf GmbH/SNF)

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