Autopsie auf dem Schreibtisch

27. Mai 2008
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Was versteckt sich hinter der Internetseite "Virtuelle Autopsie"? Kann dort jeder bei der Aufklärung von Verbrechen mithelfen oder muss man sogar mit grauenvollen Fotos von Toten rechnen? medizinstudent.de geht dieser mysteriösen Sache auf den Grund...

Dem nun erschrockenen und zugleich empörten Newsletter-Leser sei an dieser Stelle eine Entwarnung gegeben. Auf der liebevoll aufgemachten Seite "The Virtual Autopsy", welche ursprünglich von einem Medizinstudenten der Universität von Leicester ins Leben gerufen wurde, finden weder grauenerregende Bilder noch spektakuläre Mordfälle Platz.
Es geht vielmehr um ein Training für Humanmedizinstudenten und junge Ärzte, die in die Rolle eines Pathologen schlüpfen möchten. Sie sollen dann klären, ob der Patient an Herzversagen oder Lungenödem verstarb. Dabei bekommen sie nur die Krankengeschichte des Patienten an die Hand und los geht’s!

Einmal Pathologe sein

Klick für Klick kann man sich die einzelnen Organe des Verstorbenen anschauen. Ein ähnliches Konzept verfolgt die virtuelle Ambulanz von inmedea. Dieser klinische Simulator bietet in Verbindung mit einem DocCheck Pro Abo monatlich wechselnde Patientenfälle mit Krankheitsbildern aus verschiednen Fachbereichen. Mit Hilfe der zur Verfügung stehenden diagnostischen Instrumente kann eine Diagnose erstellt und mit dem ICD 10 kodiert werden.
Bei der virtuellen Autopsie geht es hingegen nicht nur darum festzustellen, welche Organe geschädigt sind, sondern auch welche Schäden so gravierend waren, dass sie zum Tode des Patienten führten. Nachdem man sich anhand der Krankengeschichte und der eigens durchgeführten Autopsie ein Bild von der Situation verschafft hat, muss man seines Amtes walten und die Diagnose aufstellen. Richtig gelegen? Dann geht es weiter zum nächsten Fall…

Voraussetzungen

Ein Modell der Zukunft?

  • keine Anmeldung nötig
  • für Medizinstudenten in klinischen Semestern sowie Assistenzärzte geeignet
  • Schulenglischkenntnisse reichen völlig aus
  • Interesse an der Pathologie sollte man mitbringen

Virtuelle Autopsie gibt es nicht nur als ein Quiz für Studenten. Laut einem Forschungsbericht der Uni Magdeburg werden derzeit Autopsiemethoden erforscht, bei denen man auf eine Sektion verzichtet und stattdessen Magnetresonanz- und Computertomographen einsetzt, um die Todesursache zu klären. Bisher waren die Forschungsergebnisse vielversprechend. Diese Verfahren wären nützlich, wenn zum Beispiel Angehörige eine Sektion ablehnen. Mehr dazu hier.

Fazit: Wärmstens zu empfehlen

Man kann sowohl sein Pathologie-Wissen mal auf eine andere Weise überprüfen als auch sein medizinisches Englisch auf Trab bringen, da die Homepage englischsprachig ist. Die Handhabung ist selbstklärend, sodass auch Nutzer mit wenig Computerkenntnissen auf ihre Kosten kommen. Eine kurze Wiederholung von Anatomie und Physiologie kann bei den kniffeligen Fällen helfen. Die freiwillige Einweisung in dieses Pathologie-Trainingslager ist jedem Pathologie-Interessierten ans Herz zu legen!

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