Der Fort-Schrittmacher

30. Mai 2008
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Intensivstation nennen die Österreicher die implantierbaren Herzgeräte, die seit geraumer Zeit die Nachkontrolle mit telemetrischen Systemen revolutionieren. Mit einem noch moderneren Schrittmacher landete jüngst das Berliner Herzzentrum ein Coup. Das Gerät, das sie weltweit erstmals implantierten, nennen die Berliner liebevoll Mini-"Roboter".

Weltpremiere für neuartigen Herzschrittmacher

Schon wenige Tage nach der Implantation eines neuartigen Herzschrittmachers berichtete die 31-jährige Patientin des Deutschen Herzzentrums, Berlin (DHZB) über ihre Erfahrungen auf einer Pressekonferenz. Die Mutter von zwei kleinen Kindern ist überglücklich. Für sie bedeutet der Mini-“Roboter”, der den Herzrhythmus vollautomatisch synchronisiert, ein Plus an Lebensqualität und Selbständigkeit. Die Nachkontrollen in der Klinik können auf ein verträgliches Maß reduziert werden, weil ein telemetrisches System die routinemäßige Fernabfrage und die ambulante Nachsorge ermöglicht. Die Patientin des DHZB hat einen angeborenen Herzfehler, eine so genannte Hypertrophe Kardiomyopathie. Hinzu kamen in jüngster Zeit Herzrhythmusstörungen. Als der bisherige Herzschrittmacher ausgedient hatte, entschieden sich die behandelnden Ärzte in Berlin für ein Gerät der neuesten Generation. Das neue ist zwar nicht billig, aber er bietet alles, was die junge Frau braucht, so die Pressestelle. Das Herzzentrum beziffert die Kosten, die von der gesetzlichen Krankenkasse übernommen werden, mit 20.000 Euro.

Digitaler Defibrillator passt sich automatisch an

Professor Dr. Felix Berger, Direktor der Klinik für Angeborene Herzfehler/Kinderkardiologie im DHZB, hofft, dass die neue Technologie auch dazu beiträgt, Transplantationen zu vermeiden. Das bei der Patientin eingesetzte Implantat ist ein Gerät zur Cardialen Resynchronisations-Therapie mit integriertem Defibrillator (CRT-D). Die Therapie mit dem Dreikammer-Gerät, ein Produkt aus der Herzimplantate-Familie von Medtronic Inc., Minnesota, ist bereits seit sieben Jahren weltweit im Einsatz. Seitdem wurden die Geräte permanent weiterentwickelt. Das absolut Neue an dem jetzigen System ist ein Gerät, das erstmals die Fähigkeit hat, sich kontinuierlich und automatisch dem sich ändernden Stimulationsbedarf anzupassen. Das heißt, das Gerät misst permanent das Geschehen in den Herzkammern und konfiguriert sich bei Veränderungen sofort neu. Möglich wurde diese Innovation durch eine Digitalisierung der Geräte.

Telemetrische Kontrolle

Nicht ganz so neu ist die Möglichkeit der telemetrischen Nachkontrolle von aktiven Herzimplantaten. Von den Vorteilen kann jetzt auch die DHZB-Patientin in Verbindung mit dem neuen Gerät profitieren. Eine so genannte Monitoring-Box sorgt dafür, dass der behandelnde Arzt via CareLink-Server von seinem Computer aus jederzeit Daten zum Gerätezustand und zur Herzaktivität abrufen kann. Bei CareLink handelt es sich um eine Telemedizin-Plattform, die von Medtronic seit Herbst 2007 in Deutschland betrieben wird. Für die Fernabfrage lädt die drahtlose Monitorbox die Daten automatisch aus dem Herzgerät herunter. Entsprechende Funktionen können vom Arzt einprogrammiert werden. Die Daten werden dann von der Box verschlüsselt und über Telefonleitung an den Server übertragen. Normalerweise passiert das einmal in der Nacht – und zwar, ohne dass der Patient etwas davon merkt. Die aufgezeichneten und in Berichtsform aufbereiteten Informationen kann der Arzt rund um die Uhr von der CareLink-Website abrufen. Das Telemetrie-System funktioniert laut Hersteller auch bei Herzgeräten, die schon mehrere Jahre alt sind.

Warnung per SMS

Auch in brenzligen Situationen sorgt das telemetrische System für schnelle Hilfe. Neueste Herzgeräte, wie das der DHZB-Patientin, schlagen inzwischen von selbst Alarm, wenn eine Abweichung von der Norm festgestellt wird. Die Warnung wird sofort über den Monitor an den Internet-Server weitergeleitet. Der betreuende Arzt erhält in diesem Fall vom CareLink-System umgehend eine Benachrichtigung per SMS, Pager oder E-Mail. Selbständig erkannt wird das Auftreten eines Vorhofflimmerns, eine Flüssigkeitsansammlung in der Lunge oder ein technischer Defekt. Der Arzt kann dann nach Einsicht der Daten auf seinem Computer entscheiden, ob der Patient zu weiteren Kontrolluntersuchungen in die Praxis oder ins Krankenhaus zu bestellen ist.

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