Hart aber fair, bitte!

9. Juni 2008
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Zwölf Monate lang halten die PJ'ler im OP den Haken, nehmen Blut ab, übernehmen Botendienste, machen Überstunden und entlasten so das Krankenhauspersonal - dafür sehen sie keinen Cent. Nicht nur wir finden das ungerecht!

Geld für vollen Einsatz ist fair und richtig

Nachdem seit 2004 das AiP der Vergangenheit angehört, kämpfen die Medizinstudenten nun gegen eine weitere Ungerechtigkeit ihres Studienganges an: Sie wollen Geld im PJ!

Der Ärztegewerkschaft Marburger Bund gelang vor einiger Zeit ein erster Erfolg, als sie mit den HELIOS-Kliniken eine Ausbildungspauschale von 400 Euro im Monat aushandelte.
Patrick Weinmann, Vorsitzender des Sprecherrates der Medizinstudenten im Marburger Bund, hält eine solche Vergütung aus mehreren Gründen für notwendig: "PJ-Studierende verrichten Tätigkeiten, welche ansonsten von bezahlten Mitarbeitern erledigt werden müssten. Es ist nur fair und richtig, wenn die Klinik das auch finanziell anerkennt. Nicht zuletzt wird dadurch auch der Arbeitsplatz Krankenhaus für angehende Mediziner wieder attraktiver." Und das ist auch nötig, angesichts der anhaltenden Abwanderungen von Ärzten ins Ausland und in die nicht kurative Medizin.

Die PJ’ler zeigen in der Klinik vollen Einsatz – nicht selten wird ihnen ein Studientag verwehrt und sie machen Überstunden. Weinmann sieht hier den nächsten Grund für eine Bezahlung: "Dieser Umstand erschwert es vielen sich ausreichend Zeit für die Vorbereitung auf das Abschlussexamen zu nehmen – nicht selten mit der Konsequenz, dass ein zusätzliches Lernsemester nach dem PJ genommen wird. Allein das ist volkswirtschaftlich ein viel größerer Aufwand, als eine Ausbildungspauschale im PJ zu gewähren."

Auch der Hartmannbund will die aktuelle Situation nicht akzeptieren und setzt sich für eine Vergütung des PJ ein. Durch einen von einem Delegierten des Hartmannbundes eingereichten Antrag, beschloss jüngst der 111. Deutsche Ärztetag in Ulm, dass PJ’ler Arbeitskräfte seien, die bezahlt werden müssen.
Durch diverse Aktionen sorgt der Hartmannbund dafür, dass die Bevölkerung über die Missstände in der ärztlichen Ausbildung aufgeklärt wird. In einem Brief an alle deutschen Lehrkrankenhäuser stellte der Verband im Mai dieses Jahres seine Ansichten dar. Katja Krahmer, stellvertretende Pressesprecherin des Hartmannbundes zieht daraus eine positive Bilanz: "Die Resonanz der Lehrkrankenhäuser ist bislang groß: Aus entsprechenden Antwortschreiben wird nicht nur ersichtlich, dass die Häuser die Forderung des Hartmannbundes bejahen, sondern auch, dass viele in bzw. seit 2008 zu einer Zahlung übergegangen sind. Das bezeichnen wir als Erfolg unserer Bestrebungen!"
Ob es allerdings in nächster Zeit zu einer flächendeckenden Bezahlung im PJ kommen wird, ist mehr als fraglich.

Was ist angemessen?

Die Frage wie viel Geld ein PJ’ler bekommen sollte, hängt von diversen Faktoren ab, etwa ob man sein Essen oder eine Unterkunft bezahlen muss. Während der Hartmannbund 400 Euro als angemessen erachtet (zum Vergleich: ein Zivi, der im Krankenhaus Betten herumschiebt bekommt gut 500 Euro), sieht Patrick Weinmann vom Marburger Bund die Sache differenzierter: "Aus meiner Sicht kann letztendlich nur ein freier Wettbewerb um PJ-Studierende klären, welche Höhe tatsächlich angemessen ist. Will heißen: Wenn die PJ’ler sich ihr Lehrkrankenhaus deutschlandweit aussuchen könnten, würden die ausbildenden Kliniken in Qualität und Lehre miteinander konkurrieren und der Markt würde darüber entscheiden, wohin die Reise geht. Solange Universitätskliniken ihre PJ-Studierenden allerdings, unter dem Deckmantel der Approbationsordnung, wie Sklaven halten dürfen, werden wir auch weiterhin auf die Almosen und Wohltaten der Uniklinik-Vorstände angewiesen sein."

Was wird die Zukunft bringen?

Sowohl der Marburger als auch der Hartmannbund werden sich auch zukünftig weiter für die Interessen der Medizinstudenten einsetzen. Und auch wenn sich die Studenten zurzeit noch vielerorts als Arbeitssklaven zum Nulltarif ausnutzen lassen müssen, so zeichnet sich doch eine Wende ab. Hoffen wir, dass viele Krankenhäuser dem Beispiel der Helios Kliniken folgen werden und ihren PJ’lern Geld zugestehen. Damit der Frust, den viele von ihnen empfinden, zumindest ein wenig gelindert wird.

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