Als Nebenjobber in der Anatomie

9. Juni 2008
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Welcher Nerv ist das und unter welchem Muskel zieht er her? Diese und viele andere Fragen stellt man gerne als unwissender Student im Präparationskurs. Doch wie fühlt es sich an, wenn man als studentische Hilfskraft solche Fragen beantworten muss? Ist es ein Job nur für absolute Anatomie-Freaks?

Da Paula Keschenau trotz allerlei finanzieller Engpässe kein BaFöG bekommt, nutzt sie jede Gelegenheit, um nebenbei zu arbeiten. Im Präparationskurs hat sie eine Stelle gefunden, die ihr nicht nur Spaß macht, sondern auch das Gehirn ganz schön maltraitiert…

MS: Paula, ganz ehrlich: Muss man ein Anatomie-Freak sein, um beim Präparierkurs als Hilfskraft mithelfen zu können?
Paula:
Naja, natürlich weiß der ideale Hiwi, wovon er spricht und kann auch Fragen der Studenten beantworten. Somit ist es vorteilhaft, wenn man Spaß an der Anatomie hat, weil man sich während der gesamten Arbeitszeit sowie bei der Vorbereitung damit beschäftigt. Aber ich kenne auch viele studentische Hilfskräfte, die sich beworben hatten, gerade weil sie keine Motivation hatten, Anatomie zu lernen und so durch den Job gewissermaßen gezwungen waren, sich mit diesem Fach zu beschäftigen.

MS: Was ist die Grundvoraussetzung für diese Art von Nebenjob?
Paula:
Auf jeden Fall muss man den Anatomiekurs schon gemacht und da idealer Weise eine gute Note gehabt haben. Außerdem werden höhere Semester bevorzugt.

MS: Und wie verhält es sich mit den Arbeitszeiten und deiner Honorierung?
Paula:
Der Nebenjob ist nur auf einige Wochen zeitlich begrenzt, entsprechend der Dauer des Anatomiekurses. In dieser Zeit muss ich an bestimmten Tagen in der Woche für drei bis vier Stunden im Präp-Saal mitarbeiten und bekomme etwa acht Euro pro Stunde.

MS: Lernst du bei dem Nebenjob etwas für das spätere Arzt-Dasein?
Paula:
Anatomie braucht man immer! Egal in welchem Fach ich später arbeiten werde, fundierte Anatomiekenntnisse sind sehr wichtig für das Verstehen der Erkrankung, Diagnostik und Therapie. Natürlich ist das Präparieren der anatomischen Strukturen besonders relevant für die operativen Fächer.

MS: Welche Nachteile ergeben sich bei deiner Arbeit?
Paula:
Während der Mitarbeit im Präparationskurs verpasse ich die meisten meiner eigenen Vorlesungen. Außerdem ist die Vorbereitungszeit auf den Kurs zu Hause immer sehr zeitaufwendig. Somit geht wertvolle Zeit für die eigenen Lehrveranstaltungen verloren.

MS: Würdest du diesen Nebenjob weiterempfehlen?
Paula:
Auf jeden Fall! Es ist eine sehr gute Wiederholung des anatomischen Wissens, welches durch die theoretische Vorbereitung zu Hause und die praktische Umsetzung im Kurs bestens im Gehirn hängen bleibt. Für die zukünftigen Chirurgen unter uns ist besonders das Präparieren interessant. Außerdem spart man sich die Anfahrt, da man ja direkt an der Uni arbeitet, was bei unserem zeitaufwendigen Studium ganz schön praktisch ist.

MS: Wirst du beim nächsten Mal wieder im Präp-Kurs dabei sein?
Paula:
Es ist wirklich ein tolles Gefühl, wenn man den Studenten beim Lernen helfen kann und es ihnen dabei auch noch Spaß macht. Letztes Mal haben sich meine Schützlinge mithilfe eines Geschenkes bedankt und wir wurden mit unserem Anatomieprofessor zum Essen eingeladen. Deswegen werde ich auf jeden Fall im nächsten Jahr wieder beim Präp-Kurs als Hilfskraft dabei sein!

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