Gebrochene Plüschpfoten und große Kinderaugen

24. Juni 2008
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Ob gebrochener Teddyarm oder Plüschhuf, die Erlanger Teddyklinik öffnete für alle bedürftigen Kuscheltiere und deren Besitzer ihre Türen, um die medizinischen Fälle wieder gesund zu pflegen und den Kindern so die Angst vor den Weißkitteln zu nehmen.

Vorsichtig setzt der Anästhesist die Kanüle an, befestigt die bunten Elektroden und beginnt mit der Beatmung des kleinen Felix. “Keine Angst, der Felix wird ganz schnell wieder gesund. Schau, da auf dem Monitor kannst du sein Herz schlagen sehen,” flüstert der komplett in grüne OP- Kluft gehüllte Chirurg der kleinen Lisa zu
Lisa ist vier Jahre alt und die besorgte Mama von Felix, ihrem schwarzen Stoffpferd. Mit ihrer Kindergartengruppe besucht Lisa heute ein Krankenhaus speziell für Kuscheltiere. Die Teddyklinik wurde von Studierenden der medizinischen Fakultät organisiert, um Kindern auf spielerische Weise die Angst vor der Klinik und den Weißkitteln zu nehmen und findet dieses Jahr zum ersten Mal in Erlangen statt.

Zwei große, mit Luftballons geschmückte Feldzelte verwandeln die Fußgängerzone für zwei Tage in eine Stofftierklinik der Maximalversorgung. Zehn Untersuchungszimmer, eine Anmeldung, eine Apotheke, ein OP, ein Röntgen und ein Ultraschall, sowie ein Rettungswagen stehen hier für die kleinen Kuschelpatienten und ihre jungen Mamas und Papas bereit.
Für Felix führt der Weg vom Röntgen direkt in den OP: Das kleine schwarze Fohlen hat sich beim Fußballspielen auf der Wiese den Huf gebrochen. “Tut das dem Felix weh, wenn ich seinen Huf bewege,” will die Teddyärztin von Lisa wissen. Ganz gewissenhaft sitzt die kleine Pferdemami neben ihrem verletzten Schützling auf der Liege und beobachtet jeden Handgriff der Ärztin ganz genau. Mit großen Augen verfolgt sie, wie ihr Felix erst abgehorcht, dann abgetastet wird. “Halt, das tut dem Felix weh. Nicht an das Bein hinfassen,” schreit Lisa auf. “Der kann sich doch nicht bewegen, weil dem beim Fußballspielen jemand ein Bein gestellt hat.” Felix muss sofort ins Röntgen, Verdacht auf Huffraktur vorne links. Wie auch im echten Krankenhaus, ist die Schlange vor dem Röntgenraum endlos. Tausendfüssler, Teddybären, Delfine, Pferde und Hasen – alle mit dem Verdacht auf Knochenbrüche und alle warten auf die Radiologie.

Zwei Tage lang kümmern sich 120 Teddydocs, allesamt Medizinstudenten der Universität Erlangen, in verschiedenen Schichten um die verletzen Plüschvierbeiner. Viel Herzblut steckt in dem Projekt, das von nun an jedes Jahr in Erlangen stattfinden soll. Vielleicht sind dann auch Lisa und Felix wieder in der Sprechstunde. Bis dahin hat Felix aber erst mal Glück gehabt. Der Bruch ist nicht weiter kompliziert, die OP verläuft ohne Komplikationen und er darf gleich wieder mit Lisa nach Hause, wo er sich erst einmal eine Weile schonen muss. Aber bei so einer fürsorglichen Kuscheltiermama wie Lisa verheilt der Bruch sicher ganz schnell wieder.

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