Hepatitis C: Faule Gene heilen besser

27. Juni 2008
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Neue Ergebnisse Basler Forscher lassen Ärzte hoffen: Die diagnostische Bestimmung des Aktivierungszustands des körpereigenen Interferonsystems in Leberbiopsien ermöglicht Voraussagen über die Erfolgschancen der Therapie - und der eingesetzten, antiviralen Medikamente. Die Entdeckung der Basler: Je aktiver die Gene, desto schlechter die Chancen.

Noch sind die üblichen Alltags-Prognosen wenig erbaulich: Nur die Hälfte der Patienten mit chronischer Hepatitis C kann mit der heute üblichen Interferon-Therapie geheilt werden. Warum das so ist, bereitete bislang Ärzten massive Kopfzerbrechen. Licht ins Dunkel bringen jetzt die Arbeiten von Forschern des Universitätsspitals Basel und des Friedrich Miescher Instituts. Insgesamt 16 Patienten unterzogen sich vier Stunden nach der ersten Injektion mit dem Interferon pegIFNalpha einer Leberbiopsie. “Diese Gewebeentnahme erlaubte es den Forschern, die molekulare Wirkung von pegIFNalpha direkt in der Leber zu untersuchen”, teilte die Uni Basel nach der Publikation der Studie im “Proceedings of the National Academy of Sciences” mit, und: “Die Analyse der Organproben zeigte, dass bei vielen Patienten bereits vor der Therapie die Zielgene aktiviert sind, die durch die Interferone stimuliert werden sollen”.

Unliebsame Folge dieses bisher unbekannten Effekts: Eine nennenswerte Wirkung von pegIFNalpha in den Leberzellen der Patienten blieb entgegen der Erwartungen aus. Zudem zeigte auch die weitere Therapie keine Wirkung auf das Virus – die Heilung der Patienten blieb somit reines Wunschdenken.

Was zählt, ist die Erkenntnis

Doch jene Patienten, die vor der Behandlung keine Aktivierung des körpereigenen Interferonsystems aufwiesen, zeigten “eine starke Wirkung von pegIFNalpha mit einer Induktion von hunderten von Zielgenen”, wie es dazu aus Basel heißt. Mit anderen Worten: Nur bei dieser Patientengruppe wirken die eingesetzten Medikamente.

Warum aber das körpereigene Interferonsystem bei fast der Hälfte der Patienten aktiviert, und die Wirkung der eingesetzten Arzneimittel ausgeschaltet wird, ist vollkommen unbekannt. Ebenso unbeantwortet bleibe die Frage, wieso das aktivierte Interferonsystem die Infektion mit dem Hepatitis-C-Virus nicht eliminieren kann. Was zählt ist indes der Umkehrschluss und die Beobachtung, dass ein inaktives Interferonsystem die Therapie offensichtlich zum Erfolg führen könnte.

Koinfektion ist weltweit ein Problem

Die PNAS-Publikation wird womöglich nicht nur Hepatologen beschäftigen, auch Ärzte mit HIV-Patienten dürften die Ergebnisse mit Interesse verfolgen. Denn die europäische Kommission hatte die Kombination des Wirkstoffes Peginterferon alfa-2a [40 kD]) und Ribavirin für die Behandlung der chronischen Hepatitis C (HCV-Infektion) bei klinisch stabilen Patienten mit gleichzeitiger HIV-Infektion vor über drei Jahren zugelassen. Die Genehmigung folgte damals mit nur einen Monat Abstand auf die positive behördliche Stellungnahme zur Kombinationstherapie des entsprechenden Medikaments, das damit zum ersten Hepatitis-C-Mittel avancierte, das seitdem in Europa für HIV-HCV-koinfizierte Patienten indiziert ist.

Der Elan der Zulassungsbehörden freilich kam nicht von ungefähr. Die so genannte Koinfektion hat sich nämlich zu einem ernsthaften öffentlichen Gesundheitsproblem entwickelt, 30 Prozent der HIV-infizierten Patienten weltweit weisen auch eine HCV-Infektion auf. Die Zulassung der Kombinationstherapie folgte im Jahr 2005 auf die entsprechende EMEA-Zulassung für die Therapie von Patienten mit Hepatitis C und anhaltend “normalen” Leberenzymwerten sowie auf mehrere Zulassungen des Mittels für Hepatitis B in verschiedenen Ländern.

Die Chancen stehen gut

Doch auch ohne Verbindung zur HIV-Therapie haben die Baseler Ergebnisse weitreichende Folgen. Denn die chronische Infektion mit dem Hepatitis-C-Virus ist eine der häufigsten Leberkrankheiten weltweit. Allein in Deutschland sind 400.000 bis 500.000 Menschen mit dem Erreger infiziert. Weil chronische Hepatitis C Leberzirrhose und Leberkrebs auslösen kann, gilt die Erkrankung als extrem gefährlich. Ärzte setzen bisher zur Behandlung eine Kombination bestimmter Interferone (pegyliertes Interferon alpha, “pegIFNalpha”) und der antiviralen Substanz ein. Bis zu 12 Monaten dauert die Therapie – nur etwa die Hälfte der Patienten gilt danach als geheilt.

Sollten hingegen in Zukunft die Behandlungsleitlinien an die jetzigen Erkenntnisse der PNAS-Publikation angepasst werden, sähe die Bilanz womöglich ganz anders aus: Bereits nach einem Monat führte die Behandlung der Baseler Crew bei der überwiegenden Zahl der Patienten ohne Aktivierung des körpereigenen Interferonsystems “zu einer Elimination des Virus”. Genau das, frohlocken nun die Mediziner, bedeute auch, dass ein Großteil solcher Patienten geheilt werden könnten.

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