Uni Regensburg – sogar der Papst war da

21. Juli 2008
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Um die 1.700 Studenten der Human- und Zahnmedizin büffeln in der historischen Stadt. Und selbst Ratzinger lehrte vor seiner Papstzeit als Professor in der bayrischen Idylle. Hier erfahrt ihr mehr über das Campusleben in Regensburg.

Die Uni

Ein großes Plus der Regensburger Uni ist ihr Campus-Charakter. Alles ist auf einem Fleck, und niemand muss für den lästigen Physik-Versuch zehn Wochen lang jeden Mittwoch zwei Stunden durch die Stadt zum nächsten Institut gondeln. Und das Sportzentrum ist auch gleich um die Ecke, sodass man auf dem Sprung nach Hause noch eine Runde Fußball oder Gewichte-Stemmen einlegen kann.

Chemie und Biochemie gelten in Regensburg traditionell als hart und werden diesem Ruf auch gerecht. Im ersten Semester habe ich als Chemie-Neuling ganz schön zu kämpfen gehabt und mich zu Beginn des zweiten Semesters mit dem Zeeck und einschlägigen Büchern in die Bibliothek gesetzt, um Chemie zu pauken. Und siehe da – die Nachholklausur ist machbar, auch wenn man im ersten Semester ohne die geringsten Chemiekenntnisse angefangen hat.
Als Vorteil bietet Regensburg einen halbwegs gut durchorganisierten Stundenplan. Im Vergleich zu vielen anderen Unis sind hier die Fächer und Kurse gut im Wochen- und Jahresplan platziert. Ein weiteres Plus: Pro Jahr fangen nur um die 200 Studenten mit Medizin an; die Praktika sind nicht überlaufen, und man kennt sogar ein paar Leute aus den höheren Semestern.

Das Interview mit einem Studenten aus Regensburg könnt ihr hier lesen:

Die Stadt

Regensburg ist die größte deutsche Stadt, die im Zweiten Weltkrieg nicht bombardiert wurde. Entsprechend gut ist die herrliche Altstadt enthalten. In ihr mischen sich die Baustile von 2000 Jahren; vor allem die Römer und das Mittelalter haben ihre baulichen Spuren hinterlassen. Der immerwährende Reichstag zu Regensburg zum Beispiel lässt Hobby-Historikern die Herzen höher schlagen; immerhin war hier so etwas wie die Hauptstadt des Heiligen Römischen Reiches. Entsprechend versuchten alle möglichen Herrscher, auf den Reichstag Einfluss zu nehmen: Gesandtschaften, Botschaften und Konsulate reihen sich aneinander. Da soll noch einer behaupten, Lobbying sei eine Erfindung der Moderne. Heute residiert in den ehemaligen Vertretungen übrigens eine Bank nach der anderen. Die Ernennung der Regensburger Altstadt zum UNESCO-Weltkulturerbe war meiner Meinung nach überfällig. Die Uni hingegen wird wohl keinen Schönheitspreis mehr gewinnen; nicht umsonst existiert die StudiVZ-Gruppe "Meine Uni ist hässlicher als deine", in der sich nur Regensburger Studenten wiederfinden.

Leben und Feiern

Weggehen kann man in Regensburg durchaus gut. Vor allem im Sommer lässt sich eine wunderschöne Altstadtstimmung genießen, die ans Mittelalter und an Italien erinnert. Als Landei hatte ich mir von der "großen Stadt" aber zu viel erwartet – ganz so groß ist Regensburg auch wieder nicht. Mein Fazit ist dennoch positiv: Es gibt viele, aber nicht zu viele Möglichkeiten zum Weggehen.

Eine wörtlich zu nehmende Schattenseite der Stadt: Petrus hat hier nicht immer ein glückliches Händchen. Wer die Vorstellung vom idyllisch verschneiten Bayern mit Sonnenschein und winterlichem Tannenwald hat, der wird hier gleich im ersten Semester eines besseren belehrt. Denn Regensburg ist ein Wetterloch, der zähe Donaunebel lässt kaum Sonne durch, kurz: der Winter hier ist echt unlustig. Es sei denn, man fährt in die nahe gelegenen Skigebiete des Bayerischen Waldes, hier kann man sich erholen, und die Natur hält auch, was der Prospekt verspricht.
Im Sommer sieht es besser aus: Stadt, Uni und Umgebung bieten eine Fülle an Möglichkeiten für Radfahrer, Baggersee- und Freibad-Liebhaber, Kletterer, Wassersportler. Und wem das zu anstrengend wird, der setzt sich in einen der vielen Biergärten. Was gibt es auch gemütlicheres als eine Runde Schafkopf bei einem süffigen Bockbier und Würstl mit Kraut.

Fazit: Ich würde jederzeit wieder mit dem Fach Medizin beginnen. Allerdings – den Uni-Standort Regensburg würde ich nicht mehr so eindeutig vorziehen, wie ich das gemacht habe. Nun, vielleicht würde ich tatsächlich wieder hier landen, aber vorher würde ich mich besser umschauen.

Infos auf einen Blick

  • Größe der Stadt: 131.342 Einwohner
  • Größe der Uni: 17.741 Studenten, davon ca. 1.700 Human- und Zahnmediziner
  • Semesterumfang: ca. 197 Erstsemseter
  • Modell-/ Regelstudiengang: klassischer Regelstudiengang
  • Forschungsscherpunkte: Kardiologie / Nephrologie
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Zahnmedizin

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