Nebenjobber: Was darf’s sein?

22. Juli 2008
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Mehrere Teller um die Tische jonglieren und dabei einem genervten Restaurantbesucher freundlich antworten können - Kellner müssen definitiv multitaskingfähig sein. Medizinstudenten jonglieren mit schweren Lehrbüchern und sind idealerweise immer nett zu ihren Patienten, es gibt also Parallelen.

Schon seit mehreren Jahren ist Hana Emi als Servicekraft in der Gastronomie tätig, da sie das komplette Medizinstudium selber bezahlt. Sie hat uns berichtet, wie sie beide Zeitkiller unter einen Hut bekommt.

MS: Hana, wie sieht es bei dir mit den Arbeitszeiten beim Kellnern aus?
Hana:
Ich arbeite zwischen 15 und 20 Stunden die Woche, dabei bin ich für feste Tage von 17 bis 23 Uhr eingeplant. Dies ist für Mediziner eine kompatible Zeit, weil ich trotzdem noch alle Vorlesungen besuchen kann. Von einem Job in einer Diskothek oder Bar würde ich abraten, weil man da bis in die frühen Morgenstunden arbeiten muss und dies sich für einen Medizinstudenten als schwierig erweisen würde.

MS: Wieviel Stundenlohn kannst du bei deiner Arbeit einheimsen?
Hana:
Inklusive Trinkgeld sind es wohl etwa 9 Euro pro Stunde.

MS: Wie ist das Verhältnis zu deinen Kollegen?
Hana:
Wir essen abends zusammen im Restaurant und man lernt sich gut kennen. Es ist auch schon vorgekommen, dass man mal zusammen abends ausgegangen ist. Ein freundschaftliches Miteinander unter Kollegen finde ich sehr wichtig. Viele der Servicekräfte sind Studenten, jedoch habe ich kaum einen Medizinstudenten unter ihnen getroffen.

MS: Warum arbeiten denn deiner Meinung nach so wenige Medizinstudenten in der Gastronomie?
Hana:
Nun, ich habe die Erfahrung gemacht, dass die Restaurant- und Barinhaber ungerne junge Mediziner einstellen. Eine wichtige Voraussetzung für diesen Job ist nämlich, dass man langfristig und regelmäßig, auch in Klausurphasen, arbeitet. Sonst wird man langsamer und verlernt auch vieles. Jedoch können viele zukünftige Ärzte aufgrund des Lernens die erforderliche Arbeitsstundenzahl nicht erfüllen.

MS: Wie schaffst du es denn, Jobben und Lernen zu vereinbaren?
Hana:
Ich arbeite auch vor Klausuren ganz normal weiter, da kann es auch mal vorkommen, dass ich in einer ganz heißen Lernphase zusätzlich nachts lerne. Also, ein gewisses Multitaskingtalent ist für meinen Job wohl nötig (lacht). Das ist wohl auch eine Typ-Sache.

MS: Was lernst du bei deinem Job für das spätere Arzt-Dasein?
Hana:
Mehr als gedacht! Man muss gut organisieren und koordinieren können, außerdem lernt man, im Team zu arbeiten. Auch unter Druck muss ich bei meiner Arbeit Leistung bringen. Des Weiteren muss ich im Service freundlich und nett sein, auch wenn mir manchmal nicht danach ist. Somit trainiere ich bei meiner Arbeit die sogenannten Soft Skills, die auch für meinen zukünftigen Arztberuf sehr wichtig sind.

MS: Welche Nachteile siehst du bei deiner Arbeit?
Hana:
Zum einen ist es schon ein großer Zeitaufwand. Außerdem ist mein Job sowohl körperlich als auch geistig anstrengend. Wenn ich nach Hause komme, bin ich oft fix und fertig.

MS: Und welche Vorteile fallen dir ein?
Hana:
Der größte Vorteil ist die finanzielle Unabhängigkeit. Ich verdiene mein eigenes Geld. Da macht es auch viel mehr Spaß, es auszugeben.

MS: Wem würdest du deinen Nebenjob weiterempfehlen?
Hana:
Ich kann ihn denjenigen empfehlen, die belastbar sind und unter Druck gut arbeiten können. Freundlichkeit sollte selbstverständlich ebenfalls vorhanden sein, wenn man kellnern möchte. Aber es lohnt sich – ich kellnere schon seit ich 17 Jahre alt bin und es macht mir immer noch total Spaß.

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