Gebärmutter zu vermieten

23. Juli 2008
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Eine studentische Internetseite bietet die Vermittlung von Hamburger Studenten als Leihmütter oder Samenspender an - und zwar zum Spottpreis von 500 Euro, der Studiengebühr. Billiger Weg an Kinder zukommen oder einfach nur billig?

Auch ein Jahr nach der Einführung der Studiengebühren in Hamburg gibt es viele Widerstände seitens der Studierenden. Eine neue Form des Protests ist die Idee der Internetseite studentenbaby.de, auf der sich Studentinnen als Leihmütter und Studenten als Samenspender zur Verfügung stellen und dadurch ausschließlich ihr Studium finanzieren wollen. Denn die Kosten für Ware beläuft sich dabei auf 500 Euro, also die Studiengebühr für ein Semester.

Den Dealern geht’s ums Geld

Die Initiatoren wollen Aufsehen erregen und provozieren, um erneut die Debatte über denn Sinn der Gebühren in Deutschland anzuregen. Ihr Standpunkt ist dabei, dass Bildung durch die hohen Kosten für die Studierenden nun vor allem vom Geld der Eltern abhänge und dies verstoße gegen die Bildungsfreiheit. Sie vergleichen den Verkauf ihrer Körper mit dem Verkauf der Bildung.

Hier Satire, in anderen Ländern bittere Wahrheit

Ernst zu nehmen ist die Aktion nicht, denn der Webauftritt versteht sich als künstlerischer Protest gegen die Studiengebühren. Seit 1991 sorgt auch das Embryonenschutzgesetz dafür, dass Ideen, wie studentenbaby.de nicht zur Realität werden. Das Gesetz verbietet die Leihmutterschaft aus ethischen und moralischen Gründen. Wer sich nicht daran hält, kann im schlimmsten Fall mit einer Freiheitsstrafe von drei Jahren bestraft werden. Angesichts der Risiken für Mutter und Kind während der Schwangerschaft und der Gefahr, dass Frauen in finanzieller Not als Gebärgefäß missbraucht werden, ist dieses Gesetz mehr als berechtigt.
Doch nicht überall wird der Mutterleib gesetzlich geschützt: In Großbritannien, Kanada, USA und der Ukraine ist Leihmutterschaft erlaubt. Folge dessen ist ein reger, moralisch bedenklicher Babyhandel.

Eine Portion Bildung, bitte!

Große finanzielle Not zu haben und dadurch Fehlentscheidungen zu treffen – das soll uns Studierenden in Deutschland nicht passieren! Ob bereits eingeführte Studiengebühren in Hamburg oder anderen Bundesländern wieder abgeschafft werden, ist fraglich. Wichtig ist jedoch, dass das Studium trotz der hohen Kosten von allen finanziert werden kann, damit jeder seinem Berufswunsch nachgehen kann und die Chancengleichheit im Bildungssystem aufrechterhalten wird. Dafür ist ein Ausbau der Finanzierungsmöglichkeiten, in Form von Stipendien und Studienkrediten, notwendig. Damit das Studentenbaby auch weiterhin nur ein Schrei nach Aufmerksamkeit bleibt!

Nachtrag 05. März 2008 – Kinderlos gescheitert

Seit einigen Stunden ist studentenbaby.de wieder offline. Das Statement der protestierenden Leihmütter:
Die von anderen Internetforen angefeuerte Diskussion hat eine Verselbstständigung erfahren. Konstruktive Gästebuchbeiträge werden von niveaulosen Beschimpfungen abgelöst. Die an der Aktion Beteiligten werden diskrimminiert und ihnen wird mit strafrechtlicher Verfolgung gedroht und ihnen Unfruchtbarkeit, Misserfolg im Studium, höhere Studiengebühren gewünscht. Auch Websitebesucher die diesen Protest begrüßen werden der Lächerlichkeit preisgegeben.
Auf einem solchen Niveau ist studentenbaby.de nicht länger bereit einen relevanten, aber von einzelnen unzureichend reflektierten Diskurs zu führen. Der Versuch eine inhaltliche Diskussion anzustoßen ist aufgrund solcher Äußerungen nicht länger möglich.
Es werden nicht mehr die menschenunwürdige und kurzsichtige Bildungspolitik verhandelt, sondern es wird die ungewollte Kinderlosigkeit und Infertilität zum zentralen Thema. Betroffene melden an, dass sie sich durch die Aktion vorgeführt und respektlos behandelt fühlen. studentenbaby.de bedauert diese nicht vorhergesehene Verlagerung und zieht die Konsequenz.
“Uns lag nichts ferner, als diese Menschen diskriminieren oder kränken zu wollen. Wir entschuldigen uns bei all jenen, die durch unsere politische Satire eine solche ungewollte Verletzung erfahren haben.”

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