Dukatenscheißer – jeder sollte einen haben

23. Juli 2008
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Beim Blick auf den Kontostand vergeht so manchem Studenten das Lachen. Steigende Preise allerorts und neuerdings Studiengebühren machen vielen studentischen Geldbörsen das Leben schwer.

Lehrjahre sind keine Herrenjahre. Deswegen geben sich Studenten auch mit einem eher bescheidenen Lebenstil zufrieden. Dennoch: Über 700 Euro braucht nach dem Deutschen Studentenwerk der durchschnittliche Student monatlich zum Leben und Lernen. In vielen Bundesländern darf er dazu jedes halbe Jahr neben dem Semesterbeitrag zusätzlich auch noch Studiengebühren berappen. Während Studenten gut betuchter Eltern dieses Geld aufbringen können, bleibt manch ein Student aus einkommensschwachen Familien auf der Strecke.

So auch Niklas. Von seinen Eltern durfte der 21-jährige leider nichts erwarten. Als dann die Zulassung für ein Medizinstudium in seinem Briefkasten lag, war die Freude groß. Nach und nach verebbte sein Jubel jedoch und die bittere Realität holte ihn ein. “In zwei Semestern habe ich alleine für Lehrbücher 200 Euro ausgegeben, obwohl ich einiges gebraucht gekauft habe. Dazu Miete, Essen und abends mal weggehen will man ab und an ja auch noch.” Und das lag über seinem Budget.
Obwohl Niklas sich anfangs mit einem Nebenjob über Wasser hielt, sah er sich später dazu gezwungen, diesen aufzugeben: “Wenn ich nach der Uni arbeiten ging und mich dann abends an den Schreibtisch gesetzt habe, ging gar nichts mehr”. Die Konsequenz für ihn war, dass er viele Prüfungen nicht bestand, da er nicht genügend Zeit zum Lernen hatte. Und ohne Nebenverdienst konnte er das Geld für Miete, Essen, Gebühren, etc. nur schwer aufbringen. Ein Teufelskreis, mit dem der Traum Medizinstudium endete. Niklas macht nun eine Ausbildung zum Krankenpfleger in einem heimischen Krankenhaus. “Da kann ich bei meinen Eltern wohnen und bekomme obendrein noch Geld.”

Geld für die Besten

So wie Niklas dürfte es vielen Studenten gehen. Und auch wenn Politiker wie Andreas Pinkwart (FDP) es als “vorübergehendes psychologisches Phänomen” bezeichnen: Mit Einführung der Studiengebühren entscheiden sich immer mehr Abiturienten gegen ein Studium und für einen Ausbildungsplatz. Um dem entgegen zu wirken und die studentische Geldbörse wieder zu füllen, sprach sich NRWs Wissenschaftsminister neulich dafür aus, den Studenten finanziell unter die Arme zu greifen. Pinkwart will 10 % der besten Studenten eines jeden Jahrgangs zukünftig mit 300 Euro monatlich unterstützen. Die eine Hälfte der Förderung soll vom Staat, die andere von der Wirtschaft aufgebracht werden. Diese habe schließlich Interesse an qualifiziertem Nachwuchs. Während andere Stipendien oftmals abhängig vom Einkommen der Eltern sind, soll diese Förderung alleine leistungsorientiert sein. Doch die Gemeinsame Wissenschaftskonferenz von Bund und Ländern vertagte Pinkwarts Konzept auf die nächste Sitzung im Mai. Besonders die SPD betonte, dass mit diesen Stipendien nicht die Vorlagen des Bundesverfassungsgericht erfüllt würden.
Dieses ebnete den Weg für Studiengebühren unter der Auflage, dass die Länder die Belange der einkommensschwachen Bevölkerungsschichten berücksichtigen müssten. Bislang ist davon allerdings noch wenig zu sehen. Und während CDU und FDP weiter nach Lösungen suchen, fordert die SPD “gute Bildung für alle”, die nicht vom Geldbeutel der Eltern abhängt. Sie fordert die Abschaffung der Gebühren.
An den finanziellen Problemen, an denen sozial schwache Studenten zur Zeit zu knabbern haben, wird sich in nächster Zeit also nichts ändern.

Woher nehmen, wenn nicht stehlen?

Um finanziellen Schieflagen zu entgehen, lohnt sich ein Blick auf private, öffentliche oder kirchliche Stiftungen. Diese fördern – abhängig von Begabung oder Engagement – Studenten mit monatlich mehreren hundert Euro.
Es gibt sogar Angebote speziell für Medizinstudenten. Zum Beispiel fördert die Hartmannbund-Stiftung “Ärzte helfen Ärzten” Kinder von Medizinern, die in finanzieller Not schweben. Allerdings sollte man seine Hoffnungen in Zaum halten. Denn zur Zeit werden über derartige Stipendien gerade einmal 2% aller deutschen Studierenden gefördert.
Wer sein Glück versuchen will, kann sich beispielsweise unter e-fellows.net über geeignete Stiftungen informieren.
Doch auch wer nicht in den Genuss eines Stipendiums kommt, muss nicht gleich verzagen. Schließlich gibt es auch noch das BAföG. Und bei diesem werden ab dem Wintersemester 2008/09 die Bedarfssätze um 10% erhöht und die Freibeträge gesenkt. Das tut dem studentischen Sparschwein gut.
Nach Einführung der Studiengebühren wohl die erste positive Nachricht für uns Studierende.

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