Abklatschen an der Praxistür

6. August 2008
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Das neue Vertragsarztrecht ermöglicht den Verzicht auf die eigene Zulassung zugunsten der Anstellung bei einem anderen Vertragsarzt. Somit können abgabewillige ältere Praxisinhaber ihre Praxis schon jetzt veräußern, um sich dann für die restliche Zeit der Tätigkeit anstellen zu lassen.

Sollte die Zulassungsbeschränkung innerhalb der nächsten Jahre auch für Humanmediziner fallen, hätte dies spürbare Auswirkungen auf den Wert der Veräußerung: Denn in diesem Fall könnten nur noch die Praxiswerte veräußert werden, der bislang werthaltige Anteil der Zulassung in gesperrten Bezirken entfiele. Grund genug, sich bereits heute Gedanken zu machen, ob die Veräußerung des Zulassungswertes schon jetzt realisierbar ist, ohne jedoch die ärztliche Tätigkeit vollständig aufgeben zu müssen.

Bislang musste bei Praxisaufgabe die Zulassung auf dem Wege des Nachbesetzungsverfahrens ausgeschrieben werden. Wenn der Praxisinhaber noch ein paar Jahre weiterarbeiten, seine Nachfolge aber bereits regeln wollte, bot sich nur die Gründung einer (vorübergehenden) Gemeinschaftspraxis an. Der neue § 104b SGB V erleichtert nun die Nachfolgeregelung ohne Nachbesetzungsverfahren:

“Verzichtet ein Vertragsarzt in einem Planungsbereich, für den Zulassungsbeschränkungen angeordnet sind, auf seine Zulassung, um bei einem Vertragsarzt als nach § 95 Abs. 9 Satz 1 angestellter Arzt tätig zu werden, so hat der Zulassungsausschuss die Anstellung zu genehmigen; eine Fortführung der Praxis … ist nicht möglich.”

Der Zulassungsausschuss muss also die Anstellung des Abgebers genehmigen und verfügt nicht, wie beim Nachbesetzungsverfahren, über einen Ermessensspielraum. “Wer also davon ausgeht, dass die Zulassungssperren in ein paar Jahren entfallen werden, sollte sich bereits heute darum kümmern, seine Zulassung sowie seine Praxis werthaltig zu veräußern, bevor die Zulassung keinen eigenen Wert mehr darstellt”, rät Rechtsanwalt Prof. Dr. jur. Thomas Schlegel.

Auch für den Praxisübernehmer bietet die Übernahme der Zulassung einen erheblichen Vorteil: Die Zulassung wandert in die Praxis des Übernehmers und verbleibt auch dort. Somit erhöht sich das Abrechnungsvolumen entsprechend der eingebrachten Zulassung. (Quelle: Ruhestand muss auch finanzierbar sein, Prof. Dr. Thomas Schlegel, Juli 2007)

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